curt war da: Die Zofen @MK

Die „Zofen“ in den Münchener Kammerspielen: ein Muss für Fans französischer Dramatiker des 20. Jahrhunderts.

Die Zofen, Claire und Solange, dienen der gnädigen Frau. Ist diese aus dem Haus, geben sie sich ihren Fantasien und sadomasochistischen Rollenspielen hin und verfolgen einen mörderischen Plan …

Stefan Pucher inszeniert das Stück auf eine Weise, die den Zuschauer auf Distanz hält. Interpretationsraum oder Unschärfe sind hier fehl am Platz. Ganz im Gegenteil – der Zuschauer ist tatsächlich nur ein Zuschauer und wird nicht in die Position einer wertenden Instanz versetzt.

Die Zofen Münchner Kammerspiele curt war da München

v.l.n.r.: Annette Paulmann, Brigitte Hobmeier, Wiebke Puls

Die Zofen und ihre gnädige Frau debattieren und konstruieren auf der Bühne ihre Verhältnisse zueinander. Abhängigkeit, Liebe, Hass oder Ekel? Mit Sicherheit von allem etwas. Selbst der Grund für den geplanten Mord an der gnädigen Frau bleibt bis zum Ende undurchsichtig und versteckt. Spätestens hier werden die grundlegenden Gefühle der Menschheit offengelegt. Es geht nicht um den Mord an sich, sondern um die Verstrickungen der Figuren untereinander, die dem Zuschauer auf direktem Wege das eigene Wesen vor Augen führen. Eifersucht, Neid, Gutmütigkeit und nicht zuletzt das erschreckende Gefühl, in einer vermeintlich ausweglosen Situation zu stecken – kennt wohl jeder von uns.

Was nicht verborgen bleibt, ist die Realitätsferne der Figuren. Sie verwechseln allesamt Realität und Fantasie und scheinen sich dieser Verwirrung nur zu gern hinzugeben. Diese Verklärung der eigenen Wahrnehmung führt dann letztendlich in die Katastrophe.

Die Zofen Münchner Kammerspiele curt war da München

v.l.n.r: Annette Paulmann, Brigitte Hobmeier

Das Stück überzeugt nicht zuletzt durch ein hinreißendes Bühnenbild und grandiose Kostüme. Der Stil der 50er-Jahre und die schwarz-weiß gehaltene Kulisse nimmt den Zuschauer mit in eine vergangene Zeit. Die zum Teil langatmigen Szenen werden mit Gesangseinlagen und Einspielern, die live auf der Bühne gefilmt werden, durchbrochen. Allerdings kommt auch diese Inszenierung nicht ohne eine abstruse und überflüssige Szene aus: Masturbation auf der Bühne. Kann man mögen, muss man aber nicht.

Fazit: Alles in allem ein empfehlenswerter Theaterabend.

Weitere Termine:
Samstag, 31.05./Dienstag, 03.06./Freitag, 06.06./Samstag, 21.06./Freitag, 27.06.

Regie: Stefan Pucher, Bühne: Barbara Ehnes, Kostüme: Annabelle Witt, Musik: Christopher Uhe, Video: Ute Schall, Licht: Stephan Mariani, Dramaturgie: Tobias Staab
Mit: Brigitte Hobmeier, Annette Paulmann, Wiebke Puls, Ute Schall

TEXT: Annika Liebeknecht

 

 


About Mirjam Karasek

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Quasselstrippende Lektorin und Mutter eines ebenfalls sehr redseligen jungen Kerlchens. Geht gerne auf Überraschungskonzerte und Flohmärkte, liebt Kommas an der richtigen Stelle, 70er-Jahre-Lampen ... Seit drei Jahren mischt sie bei curt als Online-Redakteurin und als Lektorin/Schlussredakteurin beim Magazin mit.