Bis 16. April:
Die Attentäterin @ Münchner Kammerspiele

Die Gedanken einer Attentäterin

Sind 11 Kinder, die bei einem Selbstmordattentat beabsichtigt getötet wurden, nun ein notwendiges Übel beim Kampf gegen die Unterdrückung oder einfach nur grausam? Dieser und anderen Fragen ist man in den Kammerspielen bei der Inszenierung von „Die Attentäterin“ nach dem Roman von Yasmina Khadra auf den Grund gegangen.

Die Geschichte handelt von Amin Jaafari. Er ist erfolgreicher Chirurg, lebt mit seiner Frau Sihem in Tel Aviv und hat es geschafft, trotz seiner palästinensischen Wurzeln ein glückliches Leben in Israel zu führen. Doch leider ändert sich das alles schlagartig, als Sihem als Schwangere verkleidet ein kleines Café in die Luft sprengt. Damit sind die Karten neu gemischt: Eine Frau, die einen Anschlag begeht, kannte man noch nicht und Amin gerät sofort in den Mittelpunkt der israelischen Ermittlungen. Die Diskrepanz wird größer und in der scheinbaren Heimat wird er plötzlich ganz fremd. Voller Fragen macht sich Amin auf, den Hintergrund der Taten seiner Frau zu ergründen. Dabei muss er sich schockierenden Wahrheiten stellen. War Sihem nicht das, was sie zu sein schien? War ihr ganzes Leben eine Lüge? Als sich sein Neffe Adel als einer der federführenden Kräfte der Intifada herausstellt, wird Amin alles klar. Doch wie sinnvoll ist dieser Kampf gegen die Unterdrückung? Der friedliche Weg scheint keine Lösung und wurde schon zu oft getestet. Israel wird keine Kompromisse eingehen. Und so endet auch die Inszenierung.

Amir Reza Koohestani hat es geschafft, den Konflikt zwischen Israel und Palästina näher zu bringen und gleichzeitig den hoffnungslosen Kampf der Palästinenser gegen ein viel zu starkes und stures Israel aufzuzeigen. Die Gedanken und Hintergründe eines Attentäters werden ausführlich durchleuchtet und dem Zuschauer „erklärbar“ gemacht. Die Schauspieler zeigten zum großen Teil eine starke Leistung und verkörperten ihre Rollen authentisch. Das Fazit: ein unglaublich packendes Thema, jedoch hatte es hier und da gewisse Längen und dürfte an manchen Stellen noch schneller und provokanter sein. Sonst ist die Inszenierung von „Die Attentäterin“ sehr zu empfehlen und auf jeden Fall ein bewusstseinserweiternder Abend.

Die Attentäterin – In einer Fassung von Amir Reza Koohestani, nach dem Roman von Yasmin Khadra // Münchner Kammerspiele > Homepage // Premiere 9. März // Spielzeit bis 16. April 2018

dieattentaeterin2

Fotos: Pressebilder Münchner Kammerspiele