15. & 16. Dezember 2020
Die Ärzte @ Olympiahalle

Die mit den drei Punkten aufm a sind wieder da. Und es scheint „nett“, dass da jemand Worte zu verlieren mag, der das Licht der Welt erblickte, als die beste Bänd der Welt bereits auf vier Alben zurückblicken konnte und sich aktuell in Auflösung befand.
Ja, schon recht nett und ein bisschen süß auch, bilde ich mir ein. Aber zum Glück ist Musik keine Frage des Alters und ohnehin zeitlos, und somit schildere und feiere ich eben das, was ich schildern und feiern kann, und nicht mehr, und nicht weniger.


Eine Freundin von mir hatte damals ein Poster an ihrer Zimmertür hängen. Klar, wusste ich wer die ärzte sind, war aber halt nicht so ganz mein Sound damals. Deutsche Texte, bäh. Und auch noch witzige dabei. Von Bananen und sowas wurde da gesungen. Mit zwölf war das gar nicht mal so cool. Da wurden lieber die Chilli Peppers gehört und mitgegröhlt, ohne den Sinn des Gesungenen auch nur ansatzweise zu verstehen.

Besagtes Poster der coolen Ärzte (in Eigenschreibweise mit kleinem d und kleinem ä) zierte noch ein Spruch, der für immer haften blieb in mir, und an mir, und um mich herum. „Scheint die Sonne auch für Nazis? Wenn’s nach uns geht, tut sie’s nicht!“
Woah, die müssen ja doch ziemlich cool sein eigentlich, diese ärzte, dachte ich. Bis ich dann ein Album auch mal wirklich komplett durchlaufen ließ, sollte zwar noch viel mehr Zeit vergehen, aber zumindest waren Bela, Farin und Rod, die eigentlich Jan, Dirk und Rod heißen, schon mal auf meinem Coolness-Radar erschienen. Gut gemacht, Poster! Gut gemacht!

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https://www.youtube.com/watch?v=24T3CcfDC3Y

 

Das war dann um die 16 plötzlich schon ganz cool, denn sie sangen ja politisch, lässig und links, aber leicht verständlich, und die Gruppe saufender und Shisha zuzelnder Kids, die wir waren, traf sich im Familienkeller und lauschte bei nem Kasten Biermischgetränk den Klängen der ärzte. Und jeder durfte dazu gehören, der Punk, der Normalo, der Streber. BelaFarinRod gaben jedem das Gefühl, eine Daseinsberechtigung zu haben. Und da man dem einzig wahren Gott nicht widerspricht, wurde auch niemand mehr ausgegrenzt. Und dann noch dieser Drummer, der einfach im Stehen spielt – also, wie cool kann man denn sein?

Wer nun, nach längerer Gottes-Abstinenz gedacht hat, das Trio entspannt sich mittlerweile im wohlverdienten Ruhestand, der irrte. Das war doch einfach nur ein kleines Verschnaufspäuschen, das sich nach zwölf Studioalben und jahrzehntelangen Tourneen zwischen Arenen, Festivals, Open-Airs, Solo-Projekten etc. pp. auch gegönnt sein darf.

Mit epischem Bild- und Tonmaterial meldeten sich die ärzte im April diesen Jahres zurück und teaserten schon mal an, was da 2020 gigantisches auf uns zusteuern wird. Neues Album, fette Liveshows, altbewährtes Hit-Potenzial. Wahrlich episch einfach nur, und da ich es selbst nicht besser umschreiben kann, müssen die zwei Top-Kommentare zum Rückkehr-Video auf YouTube herhalten, denn diese treffen den Nagel so sehr auf den Kopf, dass mehr nicht geht.

Rammstein: “Lasst uns ein Vermögen ausgeben für ein Video mit Blockbuster-Qualität!”
BelaFarinRod: “Hier sind ein paar Sockenpuppen und LED-Kerzen.”



Zufrieden scheint auch dieser Fan:

37 Jahre Bandgeschichte von “die ärzte” kulminieren in:
“Drei Poperzen singen ihre Terzen”
Großartig.



Charmant, witzig und wortgewandt wird die Geschichte der Berliner also weiter geschrieben. Und gerade in Zeiten wie diesen (und ja, das sagt sich ja oft sehr schnell, sehr leicht, aber DIESMAL sind es ja wirklich, wirklich solche Zeiten!) ist die Poster-Prosa der ärzte wichtig wie nie. Man muss es in diese Welt hinausschreien, und da die braven Fans das auch tun werden, bekomme ich zumindest jetzt schon Gänsehaut beim Gedanken daran, wie eine 10k-Halle gemeinsam laut „Arschloch!“ schreit!

Exakt um diese Zeit in einem Jahr. Frohes Fest!


Die Ärzte > Homepage // 15. & 16.12.2020 // Olympiahalle München // Einlass: 18.00 Uhr // Beide Konzerte sind bereits restlos ausverkauft!

Foto: Nela König