Gelesen: Debbie Harry – Face it

Once I had a love and it was a gas / Soon turned out had a heart of glass.

Mutig, schön, Punk. Debbie Harry – Musikerin, Schauspielerin, Aktivistin und das ikonische Gesicht des New York City Cool. Als Frontfrau von Blondie kreierten sie und ihre Band einen neuen Sound. Einen Sound, der die Grenzen von Rock, Punk, Disco, Reggae und Hip-Hop verblassen ließ, nur um einige der beliebtesten Ohrwürmer aller Zeiten zu schmieden. Als Muse arbeitete sie mit einigen der mutigsten Künstler der letzten vier Jahrzehnte zusammen. Der Umfang von Debbie Harrys Einfluss auf unsere Kultur wurde nur von ihrer Zurückhaltung übertroffen, ihr reiches Innenleben zu enthüllen. Bis jetzt! Denn aus zahlreichen Interviews, die sie mit der Rockjournalistin Sylvie Simmons führte, entstand einen einzigartigen Memoirenband: „Face it“.

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https://www.youtube.com/watch?v=AJlGVP9fjiY

 

I was saying things in songs that female singers didn’t really say back then. I wasn’t submissive or begging him to come back, I was kicking his ass, kicking him out, kicking my own ass too. My Blondie character was an inflatable doll but with a dark, provocative, aggressive side. I was playing it up, yet I was very serious.

Anders als die meisten Cashgrab-Biografien großer Künstler am Ende ihrer Karriere, versammelt die Blondie-Frontfrau unter dem Motto Face it nicht nur intimes und gefühlvolles Storytelling, sondern gibt einen tiefen Einblick in ihr innerstes Denken. Auf knapp über 400 hochwertig eingebundenen Seiten finden sich zudem noch nie zuvor veröffentlichte Fotoaufnahmen. Aber auch Visuals und Fan-Art, die der strohblonden Stilikone der späten 70er- und frühen 80er-Jahre huldigen, bieten etwas fürs Auge. Mit ihrem lässigen Straßenlook war Debbie Harry nicht nur die charismatische Frontfrau von Blondie, sondern auch Mode-, Musik- und Kunstikone. Nicht viel weniger als das Gesicht einer ganzen Ära und doch erzählt Harry in Face it auch von den Tagen als Adoptivkind in New Jersey.

Schmutz, Glitzer und Ruhm treffen auf intime Details, während die Downtown-Szene New Yorks inmitten der 70er-Jahre aufgearbeitet wird. Hier belebte Harry zusammen mit Größen wie den Ramones, den Talking Heads, Iggy Pop und David Bowie die Bühnen. Zudem begleiten wir die als Angela Tremble geborene Deborah Ann auf ihrem Weg vom glorreichen kommerziellen Erfolg hinein in die Untiefen ihrer Heroinabhängigkeit, dem Nahtod ihres Partners Chris Stein, dem unausweichlichen Bankrott und schließlich Blondies Auflösung als Band, der eine facettenreiche Schauspielkarriere in mehr als dreißig Filmen folgte. Ohne Selbstbeweihräucherung und zu viel Selbstmitleid berichtet Debbie Harry von ihrer turbulenten Solokarriere und der triumphalen Rückkehr ihrer Band sowie ihrem unermüdlichen Einsatz für Umwelt und LGBTQ-Rechte.

Mit mittlerweile 74 Jahren legt Debbie Harry eine cineastische und doch erdverbundene Autobiografie vor, wie man sie nur selten in den Händen hält. Als Fan-Service exzellent, aber auch für all diejenigen interessant, die auch nur einen Funken mit Blondie und der Musikszene New Yorks in den späten 1970er-Jahren anfangen können, die hier in aller Härte beschrieben wird. Eine Biografie, die nicht weniger rasant daherkommt wie die Vergangenheit der extrem femininen und doch so bescheidenen Frontfrau. Zusammen mit dem 2017 erschienenen Blondie-Album Pollinator zeigt sich, dass Debbie Harry auch heute noch das Zeug zum Vorbild hat. What a life!

Die Hörbuchverison wird im Original von Debbie Harry selbst vorgetragen. Für die deutsche Fassung sitzt Mieze Katz, Sängerin von Mia., vor dem Mikrofon.


Gelesen: Debbie Harry – Face it // Heyne Hardcore // Hardcover // 432 Seiten // 25,00 EUR // VÖ: 14. Oktober 2019