Gehört: Daniel Brandt – Channels

Quo vadis Electro? Quo vadis Techno? Quo vadis House? Suchende, die ihren Ohren und ihrem Herzen etwas Gutes tun wollen, sollten nicht zögern und dem neuen Werk von Daniel Brandt ihre volle Aufmerksamkeit schenken. Knapp ein Jahr, nachdem der Perkussionist des Brandt Brauer Frick Trios sein Soloalbum Eternal Something herausgebraucht hat, folgt nun mit Channels der nächste Streich. Der gebürtige Wiesbadener, der inzwischen zwischen Berlin und London pendelt, komponiert auf Channels wieder diese Musik, die über den puren Beat hinausgeht.

Techno ohne Technik, dafür mit jeder Menge elektrisierender Analoginstrumentierung. Solo wie im Kollektiv schiebt Daniel Brandt die mit Rock, Klassik, Jazz und eben auch elektronischer Musik bestrichenen Objektträger unter sein Soundmikroskop und eröffnet damit einen Blick auf neue Klangstrukturen und molekulare Zusammenhänge. Aus dem Techno kommt das repetierende und hypnotisierende Moment, aus den anderen Genres die Rhythmik, die Harmonik, die Melodik. Als nächsten Schritt in der Evolution folgt Channels auf Eternal Something und setzt die Essenz von Minimal Music in einen verspielteren Kontext. Höre ich jetzt jemand Krautrock rufen? Warum nicht! Wilde Rhythmen und eine ungebremste Lust am Experiment lässt Musik immer noch lebendig wirken. Was grundsätzlich nichts ist, was eines Tadels wert wäre.

Und so schieben sich auf dem vom Londoner Label Erased Tapes veröffentlichen Album verschachtelte Dancefloor-Moves in orchestrale Elemente, in lebhaft pulsierende Basslinien, die sich wiederum in melodramatischer Grandezza auflösen. Das nennt man dann wohl einen Schmelztiegel voll mit innovativer und einfallsreicher Musik.


Daniel Brandt – Channels // Erased Tapes / Indigo // VÖ: 12.10.2018 > Facebook