29. März
Deutsch Amerikanische Freundschaft

Zu lustvoll für Faschisten! Das Leben schreibt immer noch die besten Geschichten. Und so machen sich im Jahre 2014, knapp 36 Jahre nach ihrem ersten Lebenszeichen, Deutschlands Prä-Elektro Pioniere erneut auf den Weg, rohe Monotonie und harte Sequenzer-Riffs in die Ohrmuscheln neuer wie alter Fans zu meißeln.

Putin spricht vom „Kalten Krieg“ und die USA wissen, mit wem die Bundeskanzlerin telefoniert. Kurzum: Der Weltsegen hängt gehörig schief. Allerhöchste Zeit für die oft für tot erklärte, aber immer wieder auferstandene Deutsch Amerikanische Freundschaft, am 29. März zum Tanz ins Feierwerk zu bitten.

Ihre Musik? Vielleicht in die Jahre gekommen. Ihre Texte? Treffend wie nie. Bereits seit 1978 füllen der spanisch-stämmige Performer Gabriel Delgado-López und der Münchner Sequenzer-Matador Robert Görl die Tanzflächen der Republik. Ihr Rezept? Hyperventilierender, markanter und nicht selten stolzer Sprechgesang über Liebe, Sex, Krieg, Politik und Gewalt gepaart mit stechend aufgeregter Monotonie aus den Tasten. Schon bald avancierte das Duo, anfangs noch fünfköpfig, unter dem verheißungsvollen Namen Deutsch Amerikanische Freundschaft zu einer wahren Kultband. Im Ausland hoch gelobt, ebnete man mit Alben wie „Die kleinen und die Bösen“ oder „Alles ist gut“ den Weg für spätere Techno-Pop Duos.

Aufgrund der provokanten Texte politisch einordnen lassen, wollte sich der offen bisexuelle Delgado jedoch nie. Zu gern kokettierten DAF mit faschistischer Ästhetik in Lack und Leder und hartem deutschen Sprechgesang, als in rein linkem Fahrwasser zu warten. Diesem Spiel gegenüber standen stets Texte, die in alle Richtungen schießen, ohne jedoch eindeutig politisch zu sein. J’accuse tropft aus jeder Zeile, doch oft ist die Provokation mehr Mittel zum Zweck und politische Akteure wie die Baader-Meinhof-Gruppe oder George W. sind schnell mit Ironie in der Stimme und fein gesetzten Wortspielen durch den Kakao gezogen. An Ernsthaftigkeit büßten DAF Dank dem akustischen Angriff jedoch nie ein.

Lang ist’s her, dass sich die Szene zu „Der Mussolini“ den Teufel aus dem Leib tanzte oder voller Verwunderung die Nase rümpfte. Wieder andere kapierten rein gar nichts. Kontrovers ist das, was DAF machen aber schon lange nicht mehr. Der Reiz bleibt jedoch bestehen: Delgado und Görl haben mit ihrer perfekten Einfachheit und nervösen Rhythmen unverwechselbare Pop-Geschichte geschrieben und Pionier-Arbeit geleistet.

Nach mehreren stilechten Auflösungsversuchen samt Schwur der Nimmer-Wiederkehr folgte 2003 pünktlich zur Irak-Krise mit der Single „der Sheriff“ das kurzweilige Comeback. Den der Zeit traf auch diese Réunion wieder, ehe kurz darauf mit der Freundschaft wieder Schluss war. So ganz können es Delgado mit stolz geschwellter Brust und der stumme Synthie-Tüftler Görl aber nicht lassen, wovon seit 2008 mehrere mit Begeisterung aufgenommene Auftritte zeugen. Zu groß ist das Erbe, möchte man meinen, zu prekär die Weltlage, um sie nicht irgendwie zu kommentieren. Und so lange man nicht aus der Geschichte lernt, spielen DAF liebend gern die alten Lieder. Warum auch nicht?

Nach Snowden und NSA ist die Deutsch Amerikanische Freundschaft nicht viel mehr als ein Mythos. Wie es um die Elektropioniere von DAF bestellt ist, wird sich zeigen. Und das schon am 29. März, wenn es wieder heißt: „Verschwendet eure Jugend!“ Denn Gabi Delgado-López und Robert Görl reichen euch die Hand zum Tanz im Feierwerk.

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