curt war da: Korsetten Lewandowsky

Es scheint, als hätte die Hipsteria ihre Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht. Anders lässt sich die Abwesenheit der Szene-Crowd in alteingesessenen Institutionen der Münchener Ladenwelt nicht erklären. Auf die Gefahr hin, dass sich das ändert, hat curt für euch die schönsten gesucht … und Korsetten Lewandowsky in der Sendlinger Straße 62 gefunden. Patricia Breu stellte Inhaberin, Frau Dilz, 5 Fragen.

Seit wann gibt es Korsetten Lewandowsky?
Das Geschäft wurde 1885 gegründet. Ich habe ab 1953 dort gelernt und das Geschäft 1970 übernommen. Ich bin das ganze Leben schon hier, das gibt es heute bei anderen gar nicht mehr.

Korsetten Lewandowsky curt München

Seit über 60 Jahren berät Frau Dilz (links) bei Fragen rund um Unterwäsche.


Was ist das Besondere an Ihrem Geschäft, dass es nach so langer Zeit immer noch existiert?

Weil es eine lange Geschichte hat. Früher waren wir in der Theatinerstraße und Hoflieferant. Für das Königshaus sind die Kutschen sechsspännig vorgefahren und die Damen kauften ihre Unterwäsche bei uns ein. Und wo das Königshaus kauft, kauft der Adel. Aus ganz Europa kamen die Kunden. Das Geschäft erstreckte sich über ein ganzes Haus. Die Korsetten waren für Offiziere, denn Männer durften zu Kaiserzeiten keinen Bauch haben. Ein paar hundertjährige Korsetten haben wir sogar noch aufbewahrt. Im Krieg wurde das Gebäude ausgebombt, anschließend sind wir in die Sendlinger Straße umgezogen.

Was hat sich im Lauf der Zeit verändert?

Die Farben der Unterwäsche. Früher gab es nur Schwarz und Weiß. Seit etwa zehn Jahren gibt es immer mehr Farbe. Da zahlt man natürlich drauf, denn weiße Unterwäsche z. B. passt immer zusammen.

Welche sind Ihre Lieblingskunden?
Wir haben viele Stammkunden. Sie kommen bis aus Köln, Hamburg, Moskau, Kalifornien, Costa Rica und sogar Südafrika zu uns. Eine Kundin ist zum Tafelberg ausgewandert und wenn sie einmal im Jahr zu Besuch da ist, kauft sie bei uns ihre Unterwäsche.

Korsetten Lewandowsky curt München

1885 gegründet: Korsetten Lewandowsky im Hackerviertel

Gibt es einen Gegenstand im Geschäft, den Sie ganz besonders gern mögen?
Nein, denn ob ein Stück passt, kommt immer ganz auf den Menschen an, seine Figur und seinen Geschmack.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dass es gut weitergeht, dass die netten Kunden bleiben. Denn das baut auf und macht viel aus.

Das Interview erschien bereits im curt Stadtmagazin München #75 DIE BEWEGTE AUSGABE:


TEXT: Patricia Breu

FOTOS: Christin Büttner