Eine Revolution ist viel zu wenig: Guaia Guaia

Ob sie es wohl heute schaffen werden, eine Bleibe für die Nacht zu finden? Die Chancen stehen schlecht, alle Läden sind schon zu, in der Stadt ist nichts mehr los. „Kennst du jemand, der ein freies Zimmer hat?“ Aber nein, kein Glück. Auch ein Obdachlosenheim haben die beiden nicht finden können. Am Ende wird es ein Zug auf dem Abstellgleis. „Die Züge sind auf jeden Fall beheizt und es sind angenehme 30 Grad. Da kann man wunderbar schlafen.“

Guaia Guaia

Ein Betroffenheitsdrama über die Situation von Obdachlosen in Deutschland? Nein, das ist „Unplugged: Leben Guaia Guaia“ auf keinen Fall. Zwar haben auch Elias Gottstein und Carl Luis Zielke keine feste Bleibe, aber das ist durchaus so gewollt. „Das Leben ist doch viel zu schön. Wenn wir die ganze Zeit nur in unseren Wohnungen rumsitzen würden, würden wir doch alles verpassen“, erklärte Luis in dem Film ihre Entscheidung, Schule und Ausbildung bleibenzulassen und stattdessen als Straßenmusiker quer durch Deutschland zu reisen – von Tag zu Tag, von Stadt zu Stadt, von Auftritt zu Auftritt. Ein Jahr lang hat der Regisseur Sobo Swobodnik die Jugendlichen dabei mit der Kamera begleitet. Letztes Jahr feierte die Dokumentation auf dem Filmfest München Premiere und wurde mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Ab dem 11. Juli läuft der Film auch regulär im Kino.

Die gleiche Lebensfreude ist auch auf ihrem Album „Eine Revolution ist viel zu wenig“ zu spüren, das nur einen Tag später – also am 12. Juli – in die Läden kommt. Durch „Unplugged“ schlagartig einem größeren Publikum bekannt geworden, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Musikbranche auf Guaia Guaia aufmerksam wurde. Ein richtiger Plattenvertrag, und das auch noch bei einer richtig großen Firma – ein Traum, der wahr wird? Nicht direkt, ganz wohl war dem Duo nicht bei dem Gedanken, sich auf einen der Majors einzulassen. Was, wenn die einem bei der Musik reinreden wollen?

Dass diese Sorge unbegründet war, beweisen die 13 Tracks. Hier wird wild zusammengeworfen, was den beiden musikalisch durch den Kopf ging. Da treffen wie selbstverständlich Sprechgesänge auf Synthiemusik, Gitarre auf Posaune. Erlaubt ist, was Spaß macht und gefällt. Wenn es also in „Neues Land“ heißt „Ich bleib für immer hier/Komm und tanz mit mir/Die Zukunft ist anvisiert/Komm und tanz mit mir“, dann ist das auch durchaus so gemeint. Doch nicht alle Lieder handeln von Freiheit und Daseinslust, in anderen, wie dem Titellied, „Die Reichen“ oder auch „Analphabet“, zeigen sich Guaia Guaia von ihrer sozial geprägten und kritischen Seite.

Ein bunter Mix also, den man sich am besten einmal selbst anhören sollte. Am 8. Juli gibt es dafür gleich doppelte Gelegenheit, wenn die wohl bald bekanntesten Straßenmusiker Deutschlands mit ihren Kastenfahrrädern auch in München Halt machen: Im Kino am Olympiasee wird der Film „Unplugged: Leben Guaia Guaia“ gezeigt, anschließend geben Elias und Luis ein Konzert.

Wer ausgerechnet an dem Tag nicht kann: Nicht enttäuscht sein! Denn wir verlosen 3 x 2 Karten für den offiziellen Kinofilm ab dem 11. Juli. Schickt dafür eine E-Mail mit Betreff „Guaia Guaia“ und eurer Adresse an willhaben@curt.de.

Die Verlosung ist beendet, die Gewinner erhalten die Kinokarten per Post.

PS: Guia Guia spielen noch mal ein Konzert im Milla Live Club am 11. September. curt präsentiert das Konzert und verlost zeitnah zum Konzert Freikarten hier auf curt.de/muenchen. Watch out!

TEXT: Oliver Armknecht


About Mirjam Karasek

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Quasselstrippende Lektorin und Mutter eines ebenfalls sehr redseligen jungen Kerlchens. Geht gerne auf Überraschungskonzerte und Flohmärkte, liebt Kommas an der richtigen Stelle, 70er-Jahre-Lampen ... Seit drei Jahren mischt sie bei curt als Online-Redakteurin und als Lektorin/Schlussredakteurin beim Magazin mit.