curt präsentiert: Biffy Clyro

Nummer-1-Alben gibt es jede Woche, selten aber schafft es ein sechstes Album von null auf Platz eins in die (englischen) Charts. Das liegt zum einen daran, dass es im schnelllebigen Musikbusiness des 21. Jahrhunderts normalerweise nach der ersten Platte qualitativ bergab geht oder es eine Band erst gar nicht zu dem Welten entfernten sechsten Werk schafft. Biffy Clyro müssen also vieles richtig gemacht haben, und das nicht zuletzt mit „Opposites“‘ hymnenumschmeichelnden Alternative-Rock-Sound zwischen Abgrund und Herrlichkeit.

Ihre ersten drei Alben wurden über das Indie-Label Beggars Banquet veröffentlicht, wo man den drei Schotten die Möglichkeit gab, sich kreativ zu entfalten, mit Heimweh,Reisestress und Erwartungshaltungen umzugehen und die eigenen Grenzen auszutesten.

Drummer Ben Johnston sagt: „Wir nahmen einige weniger kommerzielle Platten auf, Alben mit Ecken und Kanten, die eine große Plattenfirma so wahrscheinlich nicht veröffentlicht hätte.“ Als es dann zum Major-Deal im Jahr 2006 kam, hatte das Trio mit seinem experimentellen Rock- und Post-Hardcore-Songs bereits eine Anhängerschaft um sich gescharrt. Ben sagt: „Wenn es irgendwelche Verbesserungsvorschläge vonseiten Warner Musics gab, entgegneten wir immer: ,Wir möchten keinen Input von außerhalb.‘ Das ist bis heute so geblieben. Außer uns Dreien bekam niemand ein Mitspracherecht.“

Entsprechend ließen sich die Jungs auch nicht reinreden, als es um die Veröffentlichung eines Doppelalbums ging. Bassist James sagt: „Die kommerzielle Seite konnte uns nicht mehr egal sein. Bei Biffy Clyro ist es uns immer um die Musik gegangen und wir dachten uns, dass die Hörer mit einem Doppelalbum am meisten für ihr Geld bekommen würden. Musikalisch war es eine mutige Entscheidung.“

Er gibt zu, dass die Plattenfirma zu Zeiten ganz schön mit dem Doppelalbum zu kämpfen hatte, sie schlussendlich aber dabei unterstützt hätte. Besonders prägnant ist die Arbeitswütigkeit, mit der Simon Neil, James und Ben Johnston Biffy Clyro herangingen. So nahmen sie unzählige Support-Slots u. a. im Vorprogramm von Queens of the Stone Age, Muse und Metallica wahr. Sie spielten beim Reading und Leeds Festival acht Mal, ehe sie im neunten Jahr als Headliner zurückkehrten. Und auch jetzt steht eine Europatour mit 27 Konzerten an. Besonders Simon Neils Aussage, dass „sie auf Tour nur existieren, aber nicht wirklich ‚leben‘ wuürden“, wirft die Frage auf, wie man das als Band durchhält. James sagt: „Der Rock ’n’ Roll findet nur auf der Bühne statt. Dort passieren die aufregenden Dinge. Der Rest ist ziemlich banal.“

Außerdem erwähnen sie Pläne, eine mehrtägige Pause inmitten der Europa-Tour einzulegen und täglich etwas Zeit für sich selbst einzukalkulieren. „Diese Annehmlichkeiten sind sehr wichtig. Viele Bands, die nicht darauf achten, lösen sich am Ende auf. Es ist schade, weil sie die Gefahr des Burn-outs oftmals nicht kommen sehen. Wir sind aber auch über den Punkt hinaus, auf Fußböden zu schlafen und den ganzen Tag im Van zu sitzen. Anfang zwanzig kann man das noch machen. Da ist man enthusiastisch und aufgeregt und vor allem bekommt man noch nicht so starke Rückenschmerzen.“

Ben beschreibt die schottische Mentalität als ernst, pessimistisch und tatkräftig und sich und seine Bandgefährten als erwachsene Abziehbilder. Bis auf letztere Eigenschaft ist das nicht augenscheinlich. In Sachen Lyrics und Artwork schon eher. „Schottland ist dafür bekannt, eine fleißige, erfinderische und industrielle Nation zu sein, und wir sind eine ‚industrielle‘ Band“, sagt Ben. Sein Zwillingsbruder fügt an: „Die Tatsache, dass Schottland über England liegt, gibt uns Schotten das Gefühl, Außenseiter zu sein. Deswegen sind wir wahrscheinlich frei von jeglichem Anspruchsdenken und haben ständig das Gefühl, uns alles erarbeiten zu müssen. Ehrgeiz wird dort aber nicht gern gesehen.“

Was die beiden neben den recht negativen Charakterzügen allerdings nicht erwähnen, ist, wie erfrischend herzlich und vor allem bescheiden Biffy Clyro sind. Ben sagt: „Es ist unglaublich, dass es eine so merkwürdige kleine Band wie wir so weit gebracht hat.“

curt präsentiert: Biffy Clyro am 5. Dezember im Zenith

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biffyclyromerch

TEXT: Ines Punessen // FOTO: Tom Oxley