curt war da: Cupping im Mahlefitz

München ist im Kaffeefieber. Man trinkt jetzt nicht mehr irgendeinen Kaffee, sondern möchte wissen, wo die Bohnen herkommen, was den Geschmack ausmacht und was überhaupt Arabica und Robusta bedeutet. Cupping, eine Kaffeeverkostung, im Mahlefitz beantwortet all diese Fragen. Ein Erfahrungsbericht von Kathrin Stein.

Ich trinke schon so lange Kaffee, aber so richtig damit beschäftigt habe ich mich noch nie. Das soll nun anders werden! Endlich möchte ich auch zu den Leuten gehören, die keinen Cappuccino, sondern einen Flat White trinken und die Kaffee nicht im Supermarkt, sondern bei einer Rösterei kaufen.

Das Cupping im Mahlefitz kostet zehn Euro. Kann man schon mal investieren, schließlich geht es hier um meine Geschmacksknospen, denen es zusteht, besser geschult zu werden. Kann doch nicht so schwer sein, billigen Kaffee zu erschmecken, oder?

Das Mahlefitz in der Nymphenburger Straße 51 ist geräumig, ohne ungemütlich zu sein. Die Einrichtung besteht beinahe komplett aus Holz. Hinter der Bar begrüßt mich Sebastian Lösch, einer der Besitzer. Ein wenig Nervosität macht sich breit. Was ist, wenn mir der billige Kaffee am besten schmeckt? Und was, wenn ich überhaupt keinen Unterschied schmecke?

In der Rösterei erfahren wir, woher die Bohnen kommen, wie sie aussehen und riechen sollen und dürfen schon gleich die ersten Fragen losfeuern: „Woher kommt es, dass der Kaffee manchmal bitter schmeckt?“ „Ist die Farbe ausschlaggebend?“ „Was ist der Unterschied von Arabica und Robusta?“ Geduldig beantwortet Sebastian Lösch all unsere Fragen und wir erhalten ein kleinen Einblick in die verschiedenen Röstmethoden. Man kann scheinbar allein am Aussehen einen billigen, also Kaffee aus schnell erhitzten, verbrannten Kaffeebohnen, erkennen kann. Dann dürfen wir an verschiedenen Kaffeesorten riechen und unserer Geschmacksknospen schon einmal auf das „Tasting“ vorbereiten.

cupping mahlefitz

Bei der Verkostung brüht Sebastian Lösch zehn verschiedene Kaffeesorten in einer kleinen Schale auf. Zwei davon sind nicht von ihm, sondern Discount-Kaffee. Wir probieren also Schale für Schale. Und als ich so vor mich hin rieche, gurgle und schmecke, stelle ich fest, dass ich nur zwei Kaffeesorten als Kaffee identifizieren kann. Später stellt sich heraus, dass genau diese beiden natürlich die Billigsorten sind. Unser Geschmack ist bereits daran gewöhnt schlechten“ Kaffee zu trinken. Traurig, aber wahr.

Die Kaffeesorten vom Mahlefitz kosten alle etwa um die 40 Euro pro Kilo. Sie sehen in der Tasse nicht schwarz, sondern eher bernsteinfarben aus, schmecken nicht nach Kaffee, wie ich ihn kenne, sondern eher fruchtig, fast schon ein wenig wie Tee. Meine Geschmacksknospen geben mir ein Zeichen – daran müssen wir uns erst noch gewöhnen!

Und spätestens im Büro, als ich wieder die tiefschwarze Plörre in meiner Tasse anschaue, denke ich an einen Satz aus dem Mahlefitz zurück: „Verbrannte Lebensmittel schmeißen wir sofort weg. Verbrannte Kaffeebohnen aber trinken wir, ohne darüber nachzudenken, warum der Kaffee nun bitter schmeckt.“


Mahlefitz Brühkaffee München >> Homepage // Nymphenburger Straße 51 // Mo–Fr 8–18 Uhr, Sa 9–17 Uhr

 


1 Kommentare

  1. Gute Idee, einmal zusehen, wie der Kaffe geröstet, verarbeitet und dann gebrüht wird.
    Das schönste ist, man kann ihn dann gleich kosten, wo bekommt man so viele Gelegenheiten auf einmal…… Im Mahlefitz:-)

    Angelika Hintze /

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