5. Mai
Claire in der Muffathalle

Mit ihrem Debütalbum „The Great Escape“ hatte sich die Münchner Elektro-Pop-Band Claire als eine der aufregendsten Newcomer Deutschlands 2013 in die Öffentlichkeit und die Playlists vieler Clubs gespielt. Sie tourten ausgiebig durch Deutschland, verkauften bereits früh ansehnliche Venues aus und auch im Ausland fand der Sound schnell Gefallen. In Frankreich durften sie mit Woodkid spielen, 2014 ging es als einer von drei Vertretern Deutschlands zum South by Southwest nach Texas. Das jährliche Treffen für Kreative ist ein musikalisches Olympia, denn hier ist dabei sein tatsächlich Alles und die zahlreichen Promotermine und Showcases vor internationalem Publikum sind Türöffner für die nächsten internationalen Schritte.

Einblicke vom SWSX 2014

Später sind sie in London gebucht, nicht in irgendeinem Club, sondern im Koko. Der Gig wäre sicherlich auch so in die Bandgeschichte eingegangen, doch als sie am Morgen zum Soundcheck kommen, ist vom Band-Van samt Equipment keine Spur mehr und so wird dieser Eintrag als schmerzhafter Rückschlag in die Bücher eingehen. Ein Hinweis auf das Diebesgut führt zu einem Club in Litauen, die dortige Polizei nimmt ihn hoch und Claire können einen Teil des Diebesgutes zurückholen.

Wenn man so will, ist die erfreuliche Wendung als Metapher für den zweiten Albumtitel Tides zu verstehen. Das Album handelt von Höhen und Tiefen – bezieht diese allerdings eher auf den Wellengang im Leben, in Liebesbeziehungen und Freundschaften. Es soll motivieren, zeigen dass auf Rückschläge bessere Zeiten folgen und man aus ihnen gestärkt hervorgehen kann. Nach dem großen Erfolg des Erstlingswerkes wurde das Album natürlich mit Spannung erwartet. Vielleicht hat man auch deshalb mit Dave McCracken einen namenhaften Produzenten ins Boot geholt. Der Brite hat unter anderem schon mit dEUS, Depeche Mode und Florence & The Machine an Sounds gebastelt und ist zudem als Songwriter eine große Nummer. Menschlich ist hier wohl auch der Funke übergesprungen, der mit dem ersten Single-Release von Friendly Fires ein Feuer bei den Fans entfachte:

Das Album ist in jedem Fall bedachter und tiefgreifender als sein Vorgänger, was nach den aufregenden Zeiten und prägenden Erfahrungen auf Tour nicht anders zu erwarten war. Die Freude beim Spielen zeigt sich in den zahlreichen Samples und Loops. Getragen wird das tanzbare Gesamtkonstrukt natürlich von Josies Stimme, die genauso angenehm ist wie auch im persönlichen Aufeinandertreffen.

Im Rahmen unserer Fotoreihe zu Münchner Proberäumen (curt Magazin #86) besuchten wir Josie, Matthias, Nepomuk, Fridolin und Florian in deren heiligen Band-Räumen. Knapp 45 Minuten außerhalb von München trafen wir auf eine entspannte und herzliche Band, die in einem ehemaligen Bauernhof ihre musikalische Heimat gefunden hat. Ihr Studio war voller alter Synthies, der Sound kommt also nicht von Ungefähr, sondern ist einer großen Leidenschaft geschuldet und sogar erblich bedingt.

Claire

Claire im Proberaum // Foto: Adrian Leeder // curt Magazin #86

Dass jeder der Fünf mit der Band eine zweite Familie gefunden hat, zeigte das harmonische und unterhaltsame Miteinander. Die erste Hörprobe bei der Proberaum-Session stammte übrigens nicht von Claire, sondern von Justin Bieber. Die Aufnahme war für eine Aufnahme bei Vevo eingespielt worden und kann in diesem Fall besten Gewissens empfohlen werden > Video

Was wir auch empfehlen können: Claire live am 5. Mai. Aufgrund der großen Nachfrage wurde das Konzert vom Ampere in die Muffathalle verlegt.

Claire – Tides Tour 2017 > Homepage // 5. Mai in der Muffathalle // Support: NIHILS // Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr