Im Gespräch: Café Unterzucker

Musik für humorbegabte Familien

Sich im Sommer samt vollgestopfter Familienkarosse in den Stau Richtung Italien zu stellen, ist meist schon schlimm genug. Dem Nachwuchs zuliebe dazu noch pausenlos Kinderlieder hören zu müssen, lässt Papas Stressader pulsieren und zerrt an Mamas Nerven. Das neue Album von Café Unterzucker bietet eine hörenswerte Alternative zu nervigem Kinderpop, präsentiert sich musikalisch vielfältig und bietet Hörern jeder Altersstufe unterhaltsame Geschichten und Wortspiele. Themenmäßig geht’s querbeet durch Sommer, Sonne und Urlaub. Von „Eis am Stecken“ bis „Sonnenbrand“ wird alles humorvoll poetisch zerpflückt und mit ohrwurmträchtigen Arrangements zu kleinen musikalischen Gesamtkunstwerken zusammengezimmert, die das urlaubsreife Gemüt erhellen.

curt traf das Gründungsduo Tobi Weber und Richard Oehmann zum Gespräch über Musik, den Sommer und Italien.

Café Unterzucker

Wer seid ihr’s?
Wir – Tobi Weber und Richard Oehmann – kennen uns schon, seit wir 18, 19 Jahre alt waren. 2012 haben wir diese Kapelle erstmals zusammengebracht für Dr. Döblingers „Xingel-Xangel“-Kasperlmusik. Wir fanden gleich, dass die Kombi Banjo-Tuba-Schlagzeug sehr gut funktioniert. Danach wollten wir eine Platte mit bayerischen Gassen-hauern machen, haben aber immer mehr eigene Lieder geschrieben. Das ging uns leichter von der Hand!

Was macht ihr?
Wir machen Lieder für humorbegabte Familien und Musik, die uns selbst
Spaß macht. Richard schreibt die Texte, Tobi die Musik. Genregrenzen gibt es dabei nicht. Wir machen Blues, Jazz, Shanties, Bluegrass … Bei Konzerten stellen wir immer wieder fest, dass unsere Musik mit in die Familienkultur einfließt. Oft können die Kinder alle Texte auswendig! Ein Vater sagte neulich: „Ihr habt ja keine Ahnung, wie präsent ihr bei uns seid!“

Wie macht ihr’s?
Meist ist der Text zuerst da, manchmal gibt es eine Melodie-Idee. Oft spielt der Zufall eine Rolle. „Autogrill“ z. B. sollte eigentlich ein Swing- oder Balkantitel werden – zu guter Letzt wurde es eine Tarantella.

„Bitte, Mammi, hol mich ab!“ – ist das eine persönliche Erinnerung?
Tatsächlich haben wir uns in einem Kinderzeltlager am Staffelsee kennengelernt. Dort waren wir und auch Greulix als Betreuer dabei. Ein Schnöselkind hat uns dann zu diesem Text inspiriert.

Seid ihr italophil?
Tobi: Ich war noch nie im Urlaub in Italien. Nur auf der Durchreise
und einmal kurz in Rom. Im Grunde verhält sich also Tobi zu Italien wie Karl May zu den USA.
Richard: Ich war oft in Italien und denke dabei vor allem an 50er-Jahre-Eisdielen-Rock-’n’-Roll à la Fred Buscaglione. Und ans Eisessen. Für unsere Lieder haben wir uns hauptsächlich das Sprachklischee zunutze gemacht. Italiener sprechen z. B. kein Ü. Aus „Felicita“ wird so „Gluckseligkeit“. Mit „Autogrill“ wollen wir italienischen Raststationen eine Hommage verpassen. Hier findet sich quasi ganz
Italien in einem Lied: Mandolinenspiel, Autogrill, Oper, Poebene … Eben diese muss man nämlich erst mal durchlitten haben! Da gibt’s nichts zu schauen, den Kindern wird’s langweilig. Und dann wird gefragt: Wann samma denn do?

Café Unterzucker – „Bitte, Mammi, Hol Mich Ab!“ (Trikont) // cafeunterzucker.de

Fotos: Stefanie Giesder >> Homepage


Neben den Köpfen Richard Oehmann und Tobi Weber besteht die „Rumpfband“ aus dem Schlagzeuger Greulix Schrank (Theatermusiker an der „Schauburg“, Portemanteau), der humoristischen Einzelbegabung Anton Gruber (Besserwisser Blues Band) und Micha Acher an der Tuba und Trompete (MS John Soda, Tied & Tickled Trio, Hochzeitskapelle).

Musikalische Gäste auf dem neuen Album: Maria Hafner – Gesang (Zwirbeldirn, Hasemanns Töchter), Evi Keglmaier – Geige, Gesang, Tuba (Zwirbeldirn, Hochzeitskapelle), Anna Hermann – Gesang

Termine in und um München
23.09. Herzkasperlzelt, Oide Wiesn, München
24.10. Kultur-Etage, Messestadt-München
05.12. Lustspielhaus, München


About Petra Kirzenberger

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Seit 2010 als Redakteurin und Lithografin bei curt. Schwerpunkte Kabarett und Theater, Fotokunst, Yoga, München – und alles was rot-weiß-rot ist.