blendeblau – Workshops & Fotoreisen

Die Münchnerin Lena Engel ist Teil des Projekts blendeblau, das Fotoworkshops und Fotoreisen in Deutschland anbietet. Am Wochenende des 1. Oktobers findet der erste Workshop in München statt. curt traf sich mit der jungen Fotografin auf ein Bier.

Lena Engel, 29, kommt leicht abgehetzt zum vereinbarten Treffpunkt. „Ich hatte noch Fahrradstau auf der Leo“, grinst sie entschuldigend. Die lockigen braunen Haare sind zu einem wuscheligen Dutt hochgeknödelt. Dieser wippt auch leicht mit, wenn Engel über blendeblau spricht.

Das Projekt startete sie mit Detlef Szillat, einem Fotografen aus Bonn, im Jahr 2014. Langsam kommt alles ins Rollen: Die ersten Foto-Basics-Workshops finden im Herbst 2016 statt und im kommenden Mai ist die erste Fotoreise auf die Nordseeinsel Juist geplant.

Lena Engel von blendeblau

Lena Engel von blendeblau. Foto: Julia Maehner

Erzähl doch mal ein bisschen von dir und blendeblau.
Das sind natürlich eigentlich zwei paar Schuhe. Ich bin Fotografin und blendeblau hat sich aus einer Kooperation von Detlef und mir ergeben. Wir haben beide eine Zusatzausbildung zum Kulturpädagogen mit dem Schwerpunkt Fotografie gemacht und uns dort kennengelernt. Wir sehen blendeblau als schöne Schnittstelle zwischen der Kulturpädagogik und der Fotografie. Ich bin schon immer gerne gereist und hatte dann natürlich auch die Hoffnung, Reiselust und Fotografie miteinander zu verbinden.

Wie seid ihr dann speziell auf diese Idee der Fotoreisen gekommen?
Detlef hatte das Konzept für eine Reise nach Juist schon entwickelt. Dies sollte dann im Kleinen stattfinden. Wir haben jedoch ziemlich schnell beschlossen, dass wir das zusammen machen wollten. Zum einen hatte ich etwas Ähnliches auch schon immer im Kopf, zum anderen hat es einfach Sinn ergeben, die Sache zu zweit aufzuziehen. So ein Projekt fordert jede Menge Input, Zeit und Kapazität. Zu zweit erweitert man die Reichweite und ist breiter aufgestellt: Er sitzt in Bonn und kommt so auch an Köln, ich bin in München. Unser Fokus ist auch relativ schnell auf Deutschland gefallen.

Wieso?
Um sich zu spezialisieren und weil es in dem Bereich noch nicht so wahnsinnig viel gibt. Wir sind sicherlich nicht die ersten, die Fotoreisen anbieten, aber die Ziele sind dann eher Kuba, Vietnam und andere entfernte Länder. Dieser Markt ist zwar noch nicht übersättigt, aber da gibt’s einfach schon sehr, sehr viel. Außerdem kennen wir uns in Deutschland aus. Gerade im Münchner Raum kenne ich unfassbar viele Geheimtipps, weil ich hier aufgewachsen bin. Warum sollten wir das nicht nutzen? Warum ein völlig neues Feld erschließen, wenn wir weder die Zeit noch das Budget haben, ferne Ziele anzureisen? Wir wollen es richtig machen, intensiv und gut recherchiert. Das ist dann besser als so eine halbgare Sache. Es gibt auch so viele Seiten von Deutschland, die viele nicht kennen. Zum Beispiel gibt es innerhalb Deutschlands 16 Nationalparks, die wunderwunderschön sind.

Sechzehn!
Ja! Wenn man auch Fotos sieht von Deutschland und Orte anrecherchiert, denkt man sich zum Teil direkt: „Wow, das ist Deutschland, abgefahren.“ Sowohl das blaue Land als auch die Nordsee sind so spannend und vielfältig von der Natur her.

Wie seid ihr das Projekt von dem Punkt an angegangen?
Da die Juist-Reise schon stand, haben wir uns gleich gedacht: „Gut, das erste Angebot steht schon, das können wir gleich bewerben.“ Als Kontrastprogramm haben wir dann beschlossen, eine Foto-Reise ins blaue Land um Murnau anzubieten. Um leichter Teilnehmer für die Reisen zu finden, bieten wir die Foto-Basics-Workshops an. Dort gibt es tatsächlich Bedarf und außerdem ist es nicht so eine große Hürde: „Oh, wir kennen die ja gar nicht, soll ich gleich eine fünftägige Reise buchen?“ In einen kurzen Workshop investieren Menschen eher Zeit und Geld. Der Plan war also: Klein starten, die Leute für uns zu gewinnen und für unsere Fotoreisen anzufixen. Dann haben wir angefangen, To-do-Listen zu erstellen und in die Organisation zu gehen. Man unterschätzt das natürlich immer – zum Glück! Sonst würde man’s nie machen.

Gab’s irgendwann einen Moment, bei dem du dir gedacht hast: „Ich muss das hinschmeißen“?
Ne.

Warum nicht? Weil es deine Leidenschaft ist?
Ja, und weil es unglaublich motiviert, so etwas zu zweit zu machen. Fotografen sind oft als Einzelkämpfer unterwegs und eher Konkurrenten als Kollegen. Aber wenn man grad bei so einem Projekt an einem Strang zieht und sich über Hürden hinweghilft, ist dann schon sehr, sehr motivierend.

Was ist jetzt der Status quo des Projekts?
Buchbar ist jetzt Juist, buchbar sind alle Workshops in München, Köln und Bonn. Das blaue Land hab ich jetzt erst angereist, das ist dann auch bald buchbar. Sprich, nächstes Jahr haben wir zweimal Juist, einmal das blaue Land, eine Städtereise und die Workshops im Angebot. Diese werden wir übrigens dann auch noch mit bestimmten Thematiken wie blaue Stunde, Langzeitbelichtung und Ähnlichem erweitern.

Wie sieht dann die ideale Fotoreise für dich im blauen Land aus?
Im besten Fall haben wir eine sehr nette, gut durchmischte Gruppe, motivierte Teilnehmer, die sich wohlfühlen und am Ende mit neuen Erfahrungen und viel Input zufrieden abreisen. Das Wetter spielt natürlich auch eine große Rolle, also viele, viele gute Lichtsituationen.

Und was wäre der Inhalt?
Auf Juist ist alles fußläufig zu erreichen, also sind da Tages- oder Halbtagesausflüge geplant, die erwandert werden können. Im blauen Land ist es ein bisschen vielseitiger, weil wir auch unterschiedliche Facetten aufzeigen wollen. Sprich, nicht nur Landschaften. Wir haben also eher eine Art Fotoreportage geplant und beleuchten das blaue Land unter verschiedenen Gesichtspunkten. Einmal Landschaft, mit Murnau, dem Moos und dem Seengebiet. Dann aber auch Kunst und Kultur, da dort sehr viele Künstler und Kunsthandwerker leben, die man vor Ort treffen könnte. Aber auch Kulinarisches: In Murnau gibt es beispielsweise eine Kaffeerösterei und eine Schokoladenmanufaktur, so könnten wir also auch das Thema „Food“ einbeziehen. Vorstellbar wäre zum Beispiel auch, morgens mit einem Fischer auf den See rauszufahren, das Morgenlicht einzufangen und den frischen Fisch abends zu grillen. Hier kommt dann also auch das Erleben noch ein bisschen mehr dazu. Wir reisen dann nicht alle Natursehenswürdigkeiten nur ab und das war’s. Wir machen ein Gesamterlebnis draus.

Für wen sind die Fotoreisen geeignet?
In erster Linie für Einsteiger und Fortgeschrittene. Es sind aber auch Profis willkommen, die die Reise als Rahmen nutzen wollen, um mal wieder frei zu fotografieren.

blendeblaumuenchen

Es geht nicht nur um Technik und darum, dass man jede einzelne Funktion seiner Kamera versteht. Natürlich sollte man am Ende mit den Grundfunktionen vertraut sein und diese gezielt einsetzen können. Ebenso wichtig ist es uns aber, den Teilnehmern das „Sehenlernen“ zu vermitteln, um Motive bewusst zu suchen und zu finden und diese in einem professionellen Bildaufbau festzuhalten. Also Wahrnehmungsschulung. Aber auch ein entschleunigtes Arbeiten: Eben nicht nur knipsen und konsumieren, sondern innehalten und bewusst fotografieren, um im Anschluss die Bilder gemeinsam zu besprechen und zu reflektieren.

Der erste Foto-Basic-Workshop findet am 1. und 2. Oktober in München statt. Die Teilnahme am Workshop kostet 225 Euro, mehr Informationen findet ihr auf blendeblau.de. >> Homepage

Die Gewinner unserer Workshop-Verlosung sind gezogen und informiert!

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