Gehört: Black Rebel Motorcycle Club – Wrong Creatures

Nach einer nahezu ausverkauften Europa-Tour und drei fulminanten Deutschland-Konzerten lassen Black Rebel Motorcycle Club mit “Wrong Creatures” zwölf langersehnte und auf Platte gebannte Dämonen von der Kette. Konnte man sich von gut einem Drittel des Albums schon live überzeugen, kommen nun auch all diejenigen in den Genuss, die den Ride-Out des Clubs im Herbst verpasst haben.

Knappe fünf Jahre nach ihrem Schwergewicht „Specter At The Feast“ steigen Black Rebel Motorcycle Club wieder aus der Asche hervor. Kaum eine Band, so hört man, stand in ihrer Laufbahn so oft vor dem Aus und fing tiefe Schläge mit der Magengrube auf. Der Tod von Mentor und Vater Michael Been steckte noch tief in den Knochen, Drummerin Leah Shapiro lief sprichwörtlich das Hirn aus der Rübe und für Peter Hayes gab es noch nie ein verständliches Readme-File.

Allem Chaos zum Trotz, hat sich das schwarzgewandete Trio mit Produzent Nick Launay (Yeah Yeah Yeahs, Arcade Fire and Nick Cave & The Bad Seeds) jedoch aufraffen können, ein neues Album aufzunehmen. Dabei herausgekommen sind nicht einfach nur „Wrong Creatures“, sondern ein emotional hochkomplexes Werk inmitten von Lo-Fi Garagen-Rock, hymnischer Freisetzung, und stampfendem Gitarren-Schamanismus. Geheimnisvoll brodelnd, aber nicht minder frisch und berauschend treiben Black Rebel Motorcycle Club die Geister aus.

Zwar ist es bei Black Rebel Motorcycle Club im Jahre 2018 nicht mehr die in Fuzz und Acid getränkte Rotzigkeit, die den Ton angibt, vielmehr nimmt einen die pechschwarze und in Slow Motion aus allen Ecken triefende Coolness in einem Bad aus Hall, bedrohlichem Wabern und befreienden Gitarren-Riffs gefangen. Beeindruckende Zeugen dieser seit ein paar Jahren fortschreitenden Wandlung sind diesmal die beiden von Peter Hayes beigesteuerten Songs „Question Of Faith“ und „Carry From The Start“, wobei „Haunt“ aus der Feder von Robert Levon Been, live dargeboten schon 2016 die amerikanischen Fans mit auf eine Reise in Poe’sche Düster-Romantik entführte.

Die vorab als Single veröffentlichte und nicht minder dunkle, dennoch vor Rock-Ästhetik schwitzende, Abfahrt „Little Thing Gone Wild“ präsentiert sich als Lautstärke-Peak des Albums, wenn auch die anfängliche Sperrigkeit für eine klassische Auskopplung zu verwundern schien. Im Kontext des Albums zündet der Track mit einem der visuell prägnantesten Videos der Band erst so richtig. Die Opener „Spook“ und „King Of Bones“ tauchen einen wiederum in altbekannte BRMC-Gefilde und dürften jeden Fan zufrieden Schmunzeln und die Nackenmuskulatur angenehm Wippen lassen.

Experimente gehen Robert, Peter und Leah insofern ein, als dass sie gekonnt platzierte Synthesizer-Pointen setzen, wobei hinter „Circus Bazooko“ und seiner alptraumhaften Jahrmarkts-Stimmung wohl der polarisierende Moment des Albums steckt. Für die einen pure Geisterbahn, andere werden den Kick wiederum zu schätzen wissen.

„Wrong Creatures“ erfindet den Rock n Roll weder neu, noch stehlen Black Rebel Motorcycle Club das Feuer vom Rock-Olymp. Doch neben den stilstiftenden Lederkutten, hält uns ihre hell lodernde Flamme in für dieses Genre eher eisigen Zeiten immer noch verlässlich warm.

Fazit: Auf „Wrong Creatures“ werfen die zwei, drei Leute aus San Francisco alle richtigen Zutaten in den Kessel und präsentieren ihr bis dato reflektiertestes Album. Auch wenn es an einem definitiven Hit mangelt und es nur selten so richtig laut wird, dürfen sie ihren Über-Song durchaus an das breite Publikum zurückwerfen: „Whatever happened to YOUR Rock ‘n‘ Roll?“ Für Black Rebel Motorcycle Club ist er seit nunmehr 17 Jahren ihr treuester Begleiter.

8.5/10

Black Rebel Motorcycle Club – Wrong Creatures // Vagrant Records // VÖ: 12.01.2018 > Homepage

Foto: André Habermann / nofokus > Homepage