1. Oktober
Between the buried an me

Schlägt man in der allseits bekannten freien Enzyklopädie unter dem Stichwort Progressive Metal nach, was denn die prägenden Stilelemente dieses Subgenres sind, erfährt man etwas über komplexe und kunstvolle Songstrukturen, Tempowechsel, Polyrhythmik und Songs in Überlänge. Repräsentative Bands tragen geläufige Namen wie Dream Theater, Fates Warning oder Tool, der jüngst wieder aus der Versenkung aufgetauchte Mythos. Eine Gruppe aber treibt das, was man weitläufig unter Progressive Metal versteht, auf die Spitze: Between the buried and me. Wäre man des Englischen nicht mächtig, könnte man meinen, die Übersetzung des Bandnames des Quintetts aus North Carolina lautete Zwischen Genie und Wahnsinn. Genau so klingen Sänger Tommy Rogers und Konsorten nämlich seit nun inzwischen 17 Jahren und, je nach Sichtweise, acht bis neun Studioalben.

Vergangenes Jahr erschien mit dem geteilten Doppelalbum Automata I und Automata II das jüngste Werk der Virtuosen aus den Staaten. Warum zehn Songs auf zwei Alben aufgeteilt wurden, konnte zwar selbst die Band nicht vollends überzeugend darlegen. Aber angesichts dessen, was BTBAM auf ein Neues ablieferten, trat diese Frage ganz schnell wieder in den Hintergrund. Vor allem der zweite Teil hielt mit dem 13-Minuten-Longtrack The Proverbial Bellow und dem völlig durchgeknallten Vollgas-Metal-Swing-Mashup Voice of Trespass Songs bereit, der die Freudentränen bei uns Proggern nur so kullern ließ. “This is not perfection” heißt es in den Lyrics des Letztgenannten, kurz bevor das Thema und der Titel des Openers von Automata I, Condemned to the Gallows, aufgenommen wird. Aber genau das ist es, die Perfektion des Prog Metals, in all seinen eingangs genannten Facetten.

Tommy Rogers wechselt wie kaum ein anderer seiner Gesangskollegen von brettharten Growls zu feinstem Cleangesang in einer unheimlichen Souveränität. Blake Richardson an den Drums kann alles, was ein Drummer nur können kann und legt zusammen mit Bassist Dan Briggs ein Fundament mathematischer Präzision, dem die Seele dennoch nicht fehlt, dass es eine wahre Pracht ist. Paul Waggoners Leadgitarre ist einmal der melodiöse Antagonist, dann wieder vermilzt sie zusammen mit Dustie Warings Rhythmusgitarre zu einem dampfwalzengleichen Riffgewitter. Nichts für Headbanger. Aber der Heilige Gral für all jene, denen irre Stilwechsel, hämmernde Riffs, epische Melodien und fette Growls die Synapsen kitzeln und ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

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https://www.youtube.com/watch?v=Ja0EWloqsKo

 

Es sind ein paar Jahre ins Land gezogen, seit BTBAM auf Headliner-Tour Europa die Ehre erwiesen. Dennoch ist der letzte Aufschlag in München nicht mal ein Jahr her, als sie zusammen mit Plini im Vorprogramm zu TesseracT’s Sonder-Tour im Backstage aufschlugen und bereits damals das heimliche Highlight des Abends waren. Eine knappe Stunde ist jedoch für solch eine Band eindeutig zu wenig Zeit, weshalb nun die Rückkehr in besonderem Rahmen erfolgt: Der Abend des 1. Oktober wird aus zwei Sets bestehen, die die gesamte Bandgeschichte umspannen werden. BTBAM auf allen Kanälen, mit voller Breitseite, so wie es sein muss.


Live: Between the buried and me > Homepage // // plus Special guest (t.b.a) // 1. Oktober// Backstage Halle// Einlass: 19 Uhr, Beginn: 19:45Uhr // VVK: 29 Euro zzgl. Gebühren