27. April
curt präsentiert: Benjamin von Stuckrad-Barre

Alle guten Dinge sind 3. Ganz vierzehn Jahre hat uns Benjamin von Stuckrad-Barre warten lassen, ehe er mit “Remix3″ seinen detailverliebten Blick wieder nach Außen richtet. Nach seinem Magnus Opus, der selbstfiletierenden Autobiographie “Panikherz” wendet der einstige Rockstar deutscher Tinte seine scharfe Zunge ab von sich selbst und wieder den “Anderen zu”. Boris Becker, Madonna, Jürgen Fliege und na klar, Helmut Dietl und Thomas Bernhard kommen vor in seiner nunmehr dritten Abrechnung mit dem Medienzirkus, der uns parasitär wie eine Helikoptermutter, die nur Fast Food und “Erdbeerkäse” kennt, tagtäglich begleitet.

Ich glaub, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen“, lautet dabei nicht nur der Buchtitel des einstigen King of Popliteratur, sondern auch das Fazit welches er seit Jahren koks- und alkoholfrei nicht minder hibbelig und aufgeregt zieht. Benjamin von Stuckrad-Barre hat den Wahnsinn tatsächlich schon immer angezogen, sei es in früher Pastorensohns-Kindheit, später als Musikjournalist zur goldenen Stunde von L’âge d’Or und Co. oder eben als Speerspitze wortgewandter und stets in feinstes Tuch gekleideter deutschsprachiger Pop-Literaten. Die einen lasen Christian Kracht, die anderen, die Beknackten, eben Benjamin von Stuckrad-Barre.

Und so steht wie bei so vielen natürlich sein Erstling und Durchbruch in Personalunion mit dem Namen “Soloalbum” im Regal, die Die-Hards kennen ihn jedoch auch von MTV, Gastauftritten bei Helmut Schmidt und seinen ausufernden Lese-Tourneen. Mit 43 keine 20 mehr, ergeht und erging es ihm jedoch erschreckend ähnlich, wie seinen beiden musikalischen Ziehvätern Udo Lindenberg und Noel Gallagher. Fulminantes Erstwerk geknüpft an eine steile Karriere, nichts auslassend und in den Drogensumpf tauchend, ehe einige eher unbedeutende Relevanz hinterherhechelnde Werke am Ende doch, geläutert und nüchtern, von nicht zu unterschätzenden Achuntgserfolgen abgelöst werden. Puh, nochmal Schwein gehabt ihr drei!

Und so blicken wir mit dem nimmermüden Genie von damals in eine düstere, aber nicht minder unterhaltende Zukunft. Denn nachdem er sich selbst vor uns allen auszog, rupft er wieder uns und all den Clowns und Katzenbergers die Klamotten vom Leib. Er zwingt uns mit seinen präzisen Worten gepaart mit kongenialer Beobachtungsgabe zynisch zum Seelen-Striptease. Und das meist, ohne, dass wir es mitbekommen. Ganz egal, ob an sich selbst oder der Medienwelt abarbeitend, Benjamin von Stuckrad-Barre ist ein Chronist, wie es keinen zweiten gibt. Mit fast schon autistisch anmutendem Gedächtnis, muss er jede Schlagzeile ausgechnitten, jeden Fernsehbeitrag auf Kassette oder im Youtube-Ordner gespeichert haben, um sie uns schließlich so fein aufbereitet erneut vor Augen führen zu können. “Stimmt ja, da war was! Ohje…”.

Genau zu solch einem Stagedive quer durch die Schlagzeilen von heute und damals lädt uns Benjamin von Stuckrad-Barre am 27. April, wieder im Leben und auf Level angekommen, ein. Gemeinsam fleddern wir in der Muffathalle alte Feuilleton-Leichen und stellen fest, es hat sich rein gar nichts geändert. Vielmehr widerholt sich alles, und wir können einen Abend wenigstens herzlich darüber lachen.

Live: Benjamin von Stuckrad-Barre – REMIX 3 LIVE TOUR 2018 > Homepage // 27. April 2018 // Muffathalle // Beginn 20 Uhr // AUSVERKAUFT!


Die Gewinner unserer Kartenverlosung wurden informiert!