15. April
Baloji @ Ampere

Was bringt einen Musiker eigentlich dazu, die Musik zu machen, die er macht? Wie spiegelt sich seine Persönlichkeit und Geschichte in dieser Musik wider? Und, vice versa, was löst die Musik dabei möglicherweise wiederum selbst im eben jenem Künstler aus, der sie ersonnen hat? Hinter den richtig guten, den bemerkenswerten Musikern und ihren Werken steckt jedenfalls zumeist mehr als ein Casting und ein paar Recalls. Denn die wirklich Guten haben meistens auch wirklich etwas zu erzählen mit ihrer Musik. 

Ein besonderes Juwel aus eben dieser Spezies bemerkenswerter Künstler ist der in der südkongolesischen Millionenstadt Lubumbashi geborene und in Belgien aufgewachsene und lebende Rapper Baloji. Damit mögen zwar die großen, geschweiften Klammern, die das Leben dieses 40-jährigen Mannes umfassen, gesetzt sein. Der Inhalt dieses Lebens ist allerdings in solch einem Maße vielschichtiger und ereignisreicher, dass es auch für zwei Leben reichen würde: Der Umzug in die belgische Diaspora erfolgte als gerade mal 4-jähriger Knirps zusammen mit dem Vater. Die jahrzehntelange Trennung von der Mutter verstrich ohne jeglichen Kontakt zu ihr. Das Heranwachsen und der schwierige Prozess der Selbstfindung sind für einen jungen Menschen bekanntlich ja eh schon kompliziert genug, noch dazu in einem fremden Land. Ein Land, das zwar als einer der europäischen Schmelztiegel der Kulturen bekannt ist. Dessen Städte wie Lüttich oder Ostende – jene, die Baloji als neue Heimat dienten und dienen – aber auch nicht das Wirklichkeit gewordene Paradies auf Erden sind. Eine Ausgangslage, bei der es nicht überrascht, dass in Balojis Vergangenheit nicht alles ganz reibungslos ablief.

Nachdem der Vater sich aus dem Staub gemacht hatte und er selbst wegen ein paar Kleinigkeiten mit der Polizei aneinandergeraten und von zu Hause abgehauen war, lebte Baloji als Teenager eine Zeit lang in einer Einrichtung für straffällige Jugendliche. Dort, als eine Art Ventil für den angestauten Druck, begann dann auch die musikalische Karriere Balojis als Mitglied des in Belgien sehr erfolgreichen French-Rap-Kollektivs Starflam, mit denen er für “Survivant” immerhin Platinstatus erreichte. Es war aber schließlich und vor allem ein urplötzlicher Brief seiner Mutter mit der Frage, was er denn eigentlich in den letzten gut 20 Jahren überhaupt gemacht habe, der ihn dazu bewegte, Selbstreflexion in Form einer musikalischen Solokarriere zu suchen. Mit den anderen Mitgliedern von Starflam hatte er sich eh überworfen.

Der Weg war also frei für ein Album, das persönlicher kaum sein konnte und die bereits damals überbordend gefüllte Lebensgeschichte eines gerade mal 30-Jährigen nachzuzeichnen vermochte: Vom Abschied von der Vergangenheit und dem Kongo (“Tous ceci vous ne rendra pas le Congo”) und dem Zurechtfinden im Heimleben (“Entre les lignes”) über das Ankommen in der Gegenwart (das fantastische “Liège Bruxelles Gand”) bis zur Rückkehr in die alte Heimat – im wahrsten Sinne des Wortes. “Nakuenda”, was in etwa “Rückkehr” bedeutet, war nicht nur ein einfacher letzter Track, sondern vielmehr ein metaphorischer Abschluss dieses überragenden Albums namens “Hotel Impala” (2008).

“I’m going home to see my mother” war tatsächlich wörtlich zu nehmen, denn Baloji machte sich in der Folge tatsächlich auf in den Kongo, um seine eigenen Wurzeln zu erkunden. Die musikalische Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit hatte ihre Wirkung auf den Künstler nicht verfehlt. Das Wiedersehen mit der Mutter geriet zwar mehr oder weniger zum Fiasko, wie Baloji vor einigen Jahren mal in einem Interview zu verstehen gab. Aus dem anderen Vorhaben jedoch, dort mit lokalen Musikern wie Hotel Impala die musikalische Geschichte seines Lebens an online slots canada real money ihrem Ausgangspunkt nochmal aufzunehmen, entstand plötzlich ein halbes Dutzend gänzlich neue Songs, die zusammen mit Neuinterpretationen einiger Tracks des Albums gewissermaßen Album Nummer 1b, “Kinshasa Succursale”, ergaben.

Am 15. April kommt Baloji ins Ampere, um diese – seine – Geschichte zu erzählen. Mit im Gepäck hat er dabei Songs vom kommenden, neuen Album “137 Avenue Kaniama”, welches noch im März erscheinen soll, wie das Dance-lastige und endlos groovende “Soleil de volt”. Dass in diesem Mann ein immenses künstlerisches Mitteilungsbedürfnis über die Musik hinaus steckt, zeigt sich auch daran, dass sich sein kreatives Schaffen zudem noch in der Poesie, Schauspielerei, Tätigkeiten als Model, Regiearbeiten und als Visual Artist äußert. Ein ebenso facettenreiches Gemisch aus verschiedensten musikalischen Stilen ist auch Balojis Musik selbst. Afrobeat, französischer Hip Hop, Reggae, Soul, Dance: Eine derart wilde und elektrisierende Mixtur, die auch noch trotz all dieser Vielfalt symbiotisch perfekt funktioniert, findet man äußerst selten. Und sie verdient daher ohne Frage das Prädikat “besonders wertvoll”.


Baloji // 15. April // 20.30 Uhr // Ampere // VVK 18 Euro zzgl. Gebühren, AK 22 Euro
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