9. März
curt präsentiert: Austra @ Ampere *ausverkauft*

Ich stelle mir die Zukunft vor, doch die Beste aller Welten will sich kaum einer denken – warum eigentlich? Dystopien finden statt und häufen sich in ihrer Blackness, scheinen von jeher schicker zu sein, so ernsthaft, so avantgardistisch und Klugscheißer-sicher – quasi unschlagbar! Und wenn du dir doch das Blaue vom Himmel saugst, ohne besoffen zu werden? Wo haben sich nur die Utopisten versteckt, wenn man sie braucht? Zyniker würden mauscheln: „Die hängen bei den Naiven ab …“

Mutige Menschen würden sagen: Jeder kann sich engagieren, um den Untergang der Menschheit und damit der Menschlichkeit entgegenzuwirken. Und da wären wir schon mittendrin in „Future Politics“, dem dritten, hoch ambitionierten Album von Austra. Puh-ha *Luft-schnapp!*

Die Bandleaderin Katie Stelmanis ist so eine aktive Utopistin geworden – ganz ohne Chichi und Bling-Bling. Zentrales Thema des neuen Albums „Future Politics“, O-Ton Katie: „Es geht nicht nur darum, Hoffnung in die Zukunft zu setzen, sondern darum, dass jeder gefordert ist, an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken. Die Grenzen, wie die Zukunft aussehen wird, sind ebenso faszinierend wie endlos. Das hat weniger damit zu tun ‚politisch’ zu sein, sondern über Grenzen hinaus zu denken – und das in jedem Bereich.“

Schön gesagt – und man möchte mehr davon hören; freut sich, dass sie das Ganze singt, und diesmal mit Unterstützung von Maya Postepski (aka Princess Century) als Co-Produzentin. Abgemischt wurde das Album von Alice Wilder und gemastert von Heba Kadry in New York. Außerdem am Start: Dorian Wolf und Ryan Wonsiak. Wieder diese brillanten, darkwavigen Synthpop-Hymnen, elektrisierende Beats und darauf die großartig, chorale Stimme der Bandleaderin – unbedingt tanzbar! Am liebsten allein unter Kopfhörern, weil’s so eindringlich ist, so deep – einfach interstellar! Doch „Future Politics“ ist vehement in seiner Aussage. Es möchte viel mehr erzählen, als bewundert werden, möchte aktivieren. Ein Credo: „Wir sind unbedingt verpflichtet, uns eine bessere Welt vorzustellen.“

Was wir denken, wird Realität, Gedanke zu Materie. Zuletzt erst Trump, Brexit, der Hass wächst und wir sehen zu, so wie auf einer großen Kinoleinwand mit einigen Werbeunterbrechungen. Dazwischen lässt sich was essen, bevor es weitergeht … das große Welt-Theater. Erschaffen durch unsere schnelle „Like“- und „Unlike“- Kultur.

Katie Stelmanis erklärt dazu: „Ich wusste, dass das Schreiben dieses Albums zunächst einmal nichts mit Musik zu tun haben würde (…) Es bedurfte einer anderen Zielsetzung als nur meines eigenen Egos.“

Beispielhaft hierzu das Kernstück des Albums: „I’m a Monster“ wie auch „Angel in Your Eye“ beschäftigen sich mit jener Gratwanderung aus persönlicher Depression und kollektiver Verzweiflung. In „Utopia“ kondensiert dieser tiefe, unwiderstehliche Pop, der so völlig extrasolar daherkommt. „Freepower“ steht im Zeichen der bedrohten, grotesken Welt sowie dem gleichzeitig rasend wachsenden kollektiven Bewusstsein, dass unsere Abhängigkeit von Systemen und voneinander zeigt.

Doch Austra begannen mit ihrem dritten Album „Future Politics“ quasi bei null. Nach ihrem Debüt „Feel It Break“ (2011) und dem erfolgreichen Nachfolge-Album „Olympia“ (2013) war die Chefin mit ihrer Entourage eigentlich nur auf Tour, lebte fünf Jahre ohne Zuhause von Termin zu Termin. Die Sängerin erzählt, das sie sich ihrer zunehmenden inneren Einsamkeit stellen musste: „Ich steckte in einem Prozess, meinen eigenen Zynismus zu bezwingen.“

Inspiration zu ihrem aktuellen Album gaben ihr neue Perspektiven von Philosophen und Ökonomen, die reale Möglichkeiten aufzeigen, konkret in die Realität einzugreifen, um verändernd schöpferisch tätig zu werden.

Sie las Texte wie „Inventing the Future: Postcapitalism and a World Without Work“ von Nick Srnicek und Alex Williams, „This Changes Everything“ von Naomi Klein oder „Rebel Cities“ von David Harvey. Gleich der Opener von „Future Politics“ beschäftigt sich damit, den apathischen Zustand der Handlungsunfähigkeit zu überwinden. In „We Were Alive“ heißt das für sie, vor allem ehrlicher zu werden – zu sich selbst und damit zu anderen.

Um das Album fertigzustellen, zieht Stelmanis 2015 nach Mexiko City. Ah ja, werdet ihr jetzt denken. Deshalb auch dieses rote Album-Cover-Artwork mit dem Sombrero-Typ. Genau! Auf dem alten Anwesen von Cuadra San Cristóbal werkelte die Künstlerin weiter und traf auch eine Reihe lateinamerikanischer Produzenten.

Katies mutige, radikale Attitude hat nichts von der Strahlkraft ihrer Jugendjahre verloren. Gut so! Fans werden wissen, dass sie damals in Toronto zusammen mit Maya Postepski und Emma McKenna die Riot-grrrl-Band Galaxy am Start hatte. Warum sollten radikale Geister auch langweiliger werden? Vielleicht ist das ja in München so, wo die Clubszenen, Subkultur und Partys immer leiser werden müssen, damit keiner aufwacht, und dabei immer mehr einem langweiligen Stadtmarketing Platz machen, das sich Kreativwirtschaft nennt.

Man kann nur hoffen, dass es immer Freigeister wie Austra und so viele andere Künstler geben wird, die ihren eigenen Dickkopf, ihr Schicksal in die Hand nehmen, um Eigenständiges zu schaffen. Die mutig genug sind, den Mainstream weiträumig zu umschiffen. Vielfalt ahoi! Schließlich hat eine gewisse Radikalität noch keinem geschadet. Kinder kommen mit Neugier und Abenteuerlust zur Welt. Genau die Neugier und Lust, dass es noch irgendwas zu entdecken gibt auf diesem Planeten, Schönes zum Beispiel … Over & Austra!

Stopp! Wir hätten da ja noch eine Verlosung anzubieten: 3 x 2 Tickets für lau. Procedere ist sicherlich bekannt: eine freundliche E-Mail an willhaben@curt.de mit Betreff “Austra”. Unsere Glücksfee waltet ihres Amtes und curt drückt euch die Daumen.

Unsere Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden informiert.


curt präsentiert: Austra – Future Politics Tour 2017 // 9. März // AUSVERKAUFT!! // 21 Uhr // Ampere // VVK 22 Euro zzgl. Gebühren, AK 26 Euro
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