Auf DVD/Blu-ray: Looper

Wenn Leute sich umbringen, dann meistens, weil sie nicht weiterleben wollen. Nicht so bei Joe. Joe will sich umbringen, um weiterzuleben. Klingt widersprüchlich? Ist es auch. Aber zumindest im Fall von „Looper“ durchaus spannend.

Zeitreisen sind schon was Feines. Man kann ein paar Tage in die Zukunft fahren, um die neuesten Lottoergebnisse zu erfahren. Oder mithilfe eines Feuerzeugs einige zehntausend Jahre in der Vergangenheit vor Neandertalern ein bisschen Gott spielen. Und auch wer unliebsame Leute loswerden möchte, dem öffnen sich durch diese Technik ganz neue Vertriebswege. Wer kommt schließlich schon auf die Idee, Vermisste in einer anderen Zeit zu suchen? Und genau um dieses Entsorgen diverser Persona non grata dreht sich der Film „Looper“. Während für Otto-Normal-Verbraucher Zeitreisen selbst im Jahr 2074 unerschwinglich – weil illegal – sind, erfreuen sie sich bei zukünftigen Mafiabanden großer Beliebtheit, bieten sie doch eine schnelle und saubere Möglichkeit, Konkurrenten auszuschalten. Einfach 30 Jahre in die Vergangenheit schicken, von Handlangern abknallen und verschwinden lassen, fertig. Und das alles ohne Zeugen!

Looper DVD BluRay

Bis auf einen natürlich: der „Looper“, wie die mörderischen Müllmänner im Film genannt werden. Eine heikle Angelegenheit: Zwar werden sie für ihr Schweigen bezahlt, und das sogar nicht zu schlecht. Aber so richtig sicher kann man sich der Loyalität eines Auftragskillers ja nie sein, denn moralische Integrität ist bei diesem Job aus naheliegenden Gründen eher selten Einstellungskriterium. Also lieber für alle Eventualitäten vorsorgen. Und so werden Looper, die tatsächlich alt genug werden, wenn in 30 Jahren die Zukunft zur Gegenwart wird, ebenfalls zurückgeschickt und abgeknallt. Womit dann auch der Loop geschlossen wird, wie es in dem Film so schön heißt.

Pikanterweise obliegt es ausgerechnet dem betroffenen Looper, sein zukünftiges Ich zu töten. Womit wir wieder beim Anfangsproblem wären. Denn so kaltblütig die Killer bei ihrer alltäglichen Arbeit auch sein mögen, das 30 Jahre ältere Ich töten zu müssen, ist dann doch eine ganz andere Nummer. Und eine, an der so mancher Looper gescheitert ist, sehr zum Missfallen der Auftraggeber. Wer seinen Fehler dann nicht ganz rasch genug wieder behebt, bezahlt das mit seinem Leben. Mindestens.

Und in genau dieser Situation findet sich unser „Held“ wieder: Joe jr. (Joseph Gordon-Levitt) trifft auf Joe sen. (Bruce Willis), der so rein gar keine Lust hat, sein Leben vorzeitig beenden zu lassen. Auch nicht von sich selbst. Was zu einer interessanten Konstellation führt: Joe jr. muss sein altes Alter Ego töten, um zumindest noch 30 Jahre leben zu dürfen. Joe sen. hingegen muss sein jüngeres Ich vor Schaden bewahren, sonst stirbt er logischerweise gleich mit. Es ist diese etwas ungleiche Verfolgungsjagd, die nicht nur für Spannung sorgt, sondern auch für einen wohltuend originellen Dreh bei einem doch altbekannten Thema. Später wird jedoch ein wenig das Tempo aus dem Film genommen, an Stelle von Kampfszenen treten dann die Geschichte von Joe und interessante moralische Fragen in den Vordergrund. Reine Actionfans mögen das bemängeln, doch sie sind wichtig für den großen Showdown.

Auch bei der Besetzung gibt es nichts zu meckern. Joseph Gordon-Levitt gehört spätestens seit „The Dark Knight Rises“ zu den derzeit größten Shooting Stars. Und Bruce Willis darf beweisen, dass er – „Stirb Langsam 5“ zum Trotz – durchaus noch für launige Actionszenen zu haben ist. Emily Blunt als kämpferische Mutter und Jeff Daniels als Mafiaboss runden das Schauspielerensemble ab. Beeindruckend übrigens, wie die Maskenbildner mit Hilfe von Prothesen und einer digitalen Angleichung der Augen eine fast schon erschreckende Ähnlichkeit zwischen Gordon-Levitt und Willis geschlossen haben.

Etwas zwiespältiger hingegen ein Handlungselement, das sich ebenfalls von Anfang an durch den Film zieht: Superkräfte. Diesem Element verdanken wir zwar einige richtig coole Szenen, es lässt den Film aber auch etwas unnötig ins Fantastische abgleiten. Eine „konventionellere“ Auflösung der Handlung hätte es da auch getan. Hinzu kommen die bei Zeitreisen fast zwangsläufig auftretenden Widersprüche und Logikfehler. Anfangs halten die sich noch in Grenzen, später wimmelt es quasi von ihnen. Aber wer über diverse wenig plausible Szenen hinwegsehen kann – und ganz ehrlich, als Science-Fiction-Fan gehört das quasi zur Grundausstattung – darf sich auf einen gut gemachten und überzeugend gespielten Film freuen, der auch ohne CGI-Orgien frischen Wind ins Genre bringt.

Wer den Film im Kino also verpasst hat, sollte das schleunigst zu Hause nachholen. Oder uns eine E-Mail schicken, denn curt verlost 3 DVDs. Einfach Stichwort „Looper“ und Adresse an willhaben@curt.de mailen.

Looper“
Regie: Rian Johnson; Darsteller: Bruce Willis, Joseph Gordon-Levitt, Emily Blunt, Jeff Daniels; VÖ: 21. Februar 2013
www.facebook.com/LooperDerFilm