Auf DVD/Blu-ray:
Robot & Frank

Ungleiche Charaktere, die aufeinandertreffen und sich irgendwie zusammenraufen müssen – Buddyfilme haben gerade im amerikanischen Kino schöne Tradition. Aber so ungleich wie diese beiden waren noch selten welche: ein kleptomanischer Rentner und ein Roboter. Das ist manchmal wunderbar lustig. Und manchmal unglaublich traurig.

Endlich Rente? Von wegen! Wer immer für seinen Beruf gelebt hat, steht oft vor der Schwierigkeit: Was fange ich mit dem Rest meines Lebens an? Und dabei spielt es keine Rolle, ob man nun vorher als Banker gearbeitet hat, als Polizist – oder auch als Einbrecher. So wie Frank (Frank Langella). Zugegeben, so richtig erfolgreich war er bei seinen Diebestouren nicht immer, musste dafür sogar richtig lange ins Gefängnis. Aber er war immer mit Herz und Langfinger bei der Sache! Kein Wunder also, dass er seiner früheren Tätigkeit nachtrauert, jetzt, da seine große Zeit eindeutig vorbei ist. Seifen in Form von Hunden und Katzen, die er in einem Laden mitgehen lässt, viel mehr als das springt bei seinen kleinen Streifzügen nicht mehr raus.

Doch seine mangelnde Auslastung als Dieb aus Leidenschaft ist nicht das einzige Problem von Frank. Zunehmend lässt sein Gedächtnis nach, vergisst etwa, dass sein Lieblingsrestaurant „Harry’s“ schon vor geraumer Zeit geschlossen wurde und sein Sohn Hunter (James Mardsen) nicht mehr aufs Princeton College geht. Hunter ist es dann auch, der sich des alten Mannes annimmt, ihn regelmäßig besucht. Als er aber selbst am Ende seiner Kräfte ist, kauft er seinem Vater einen Roboter, der sich um ihn kümmern soll, den Haushalt macht und darauf achtet, dass Frank nur noch Gesundes isst. Ein Alptraum für den stolzen Eigenbrötler! Immerhin, zwei Lichtblicke gibt es in seinem Leben: Die hübsche Jennifer (Susan Sarandon) aus der Leihbücherei erwidert tatsächlich seine Avancen. Und es stellt sich heraus, dass im Programm seines neuen Haushaltsgehilfen kein Platz für Emotionen oder Moral war, der dafür äußerst geschickte Hände hat – ideale Voraussetzungen, um seine alten Diebestätigkeiten wiederaufzunehmen,

Ein vergesslicher Rentner, der mit einem Roboter auf Beutezüge geht, da sind lustige Szenen natürlich vorprogrammiert. Dass das Prinzip dahinter eigentlich aus zahllosen anderen Buddy Movies mehr als bekannt ist, fällt angesichts der originellen Konstellation nur wenig störend auf. Ohnehin ist „Robot & Frank“ nur zum Teil Komödie. Vor allem der Aspekt von Franks beginnendem Alzheimer lädt nicht unbedingt zum Lachen ein. Man mag am Anfang noch darüber schmunzeln, wenn er seinen fast 40-jährigen Sohn fragt, wie es im College läuft. Aber je weiter der Film fortschreitet, umso schwieriger wird es. Und wenn an einer bestimmten Stelle klar wird, wie weit Franks geistiger Verfall schon ist, tut die anfangs so harmlos wirkende Komödie auf einmal richtig weh.

Im Mittelpunkt des Filmes stehen deshalb auch nicht die wissenschaftlichen Errungenschaften, die Roboter, allgegenwärtige Bildtelefone, sondern die Menschen. Die Frage, was mit uns passiert, wo unser Platz ist. Das zeigt sich exemplarisch am Konflikt zwischen Franks Kindern: Hunter sieht in der Technik eine selbstverständliche Erleichterung für den Alltag, Madison (Liv Tyler) warnt ihren Vater davor, zu abhängig davon zu werden. Am deutlichsten wird der Wandel aber in der Bibliothek, das zu einem Kulturzentrum umgewandelt werden soll, einer Art Treffpunkt. Die Bücher? Digitalisiert. Liest ohnehin keiner mehr wirklich. So werden nicht nur sie, sondern auch Frank und Jennifer zu den Relikten einer vergangenen Zeit.

Robot & Frank DVD

Zehn Jahre war der kleine Indie-Film in Planung und stellt auch das Debüt von Regisseur Jake Schreier und Drehbuchautor Christopher D. Ford dar. Umso beeindruckender, dass die beiden für ihr Erstlingswerk gleich diverse namhafte Darsteller gewinnen konnten. James Marsden („X-Men“) und Liv Tyler („Herr der Ringe“) geben souverän das ungleiche Geschwisterpaar und Susan Sarandon sorgt für reichlich Warmherzigkeit. Aber letztendlich ist „Robot & Frank“ eine Ein-Mann-Show und lebt von dem facettenreichen Spiel von Frank Langella, dem man sowohl seine mürrischen, aber auch verletzlichen Momente abnimmt und der einem trotz seiner Schwächen bald ans Herz wächst.

Fazit: Eine Einbrecherkomödie mit Science-Fiction-Elementen, verbunden mit einem Drama übers Altwerden, Einsamkeit und Alzheimer – das hört sich an, als hätte sich da jemand nicht entscheiden können, was er eigentlich drehen will. Eigenwillig ist „Robot & Frank“ auch und bestimmt nicht für jedermann geeignet, verbindet aber sehr schön witzige Situationskomik mit nachdenklichen, einfühlsamen Momenten und kann letztendlich auch durch tolle Darsteller überzeugen.

Die Verlosung ist beendet und die DVDs wurden bereits verschickt!