Auf DVD/Blu-ray:
Portrait of a Zombie

Als Außenseiter hat man es nie leicht. Wer in einer Gruppe irgendwie vom Muster abweicht – sei es durch Geschlecht, Hauptfarbe, sexuelle Orientierung oder religiöse Überzeugungen – muss im besten Fall mit Ausgrenzung rechnen, im schlimmsten mit Schikane, Verfolgung oder sogar Gewalt. Seit jeher haben sich Filme dieser Ausgestoßenen angenommen, ihnen eine Stimme gegeben, auf Missstände aufmerksam gemacht. Doch eine Randgruppe wurde dabei bislang außen vorgelassen, obwohl sie mit ebenso viel Verachtung gestraft wird wie andere Minderheiten und immer wieder Opfer von gewalttätigen Übergriffen wurde: Zombies.

Portrait of a Zombie DVD

Billy (Patrick Murphy) ist einer von ihnen. Seitdem er durch einen Virus – vermutlich eingefangen in einem Schlachtbetrieb – zu einem Zombie mutiert ist, hat er sich innerlich wie äußerlich stark gewandelt. Sein Gang ist weniger aufrecht als früher, eher schleppend. Sein Speiseplan beschränkt sich auf Fleisch, möglichst roh und direkt vom Schlachter. Oder einem anderen Menschen. Und auch sonst zeigt er sich deutlich verhaltensauffällig. „Aber er ist doch immer noch unser Sohn“, beteuert seine Mutter Lizzy (Geraldine McAlinden), die ihren leicht verfaulten Nachwuchs trotz allem liebt und zu jedem Opfer bereit ist. Jedem. Aus diesem Grund weigern sie und ihr Mann (Rory Mullen) sich auch, Billy an den wütenden Mob auszuliefern, der immer wieder vor ihrem Haus patrouilliert. Stattdessen ruft sie lieber ein Kamerateam, angeführt von einem amerikanischen Regisseur (Todd Fletcher), der auf ihr Schicksal aufmerksam machen soll. Und auch Aoife (Diane Jennings) hält zum Vater ihres ungeborenen Kindes, möchte ihn auch immer noch heiraten und lieben, bis dass der Tod – oder wie auch immer man das Beenden eines Zombiedaseins nennen möchte – sie scheidet.

Dürfen Zombies heiraten? Haben sie eine Seele? Was unterscheidet sie von anderen mit Gehirnkrankheiten? Seitdem sie in den 60ern ihren großen Auftritt in George Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ hatten, gehören die einseitig interessierten Untoten zum festen Bestandteil meist actionbetonter Horrorfilme. Aber auch im Komödienbereich fühlen sie sich nach „Shaun of the Dead“ oder „Zombieland“ mittlerweile wie zu Hause. Ja, mit „Warm Bodies“ haben selbst Liebesfilme die charmanten Menschenfresser für sich entdeckt. „Portrait of a Zombie“ nimmt einen ganz anderen Blickwinkel ein, erzählt, was Zombies eigentlich für den Alltag und die Angehörigen bedeuten und lässt das von einem (fiktiven) Kamerateam einfangen – eine Mischung aus „Fido“ und „Mann beißt Hund“.

Der Vergleich mit der belgischen Mockumentary ist noch aus anderen Gründen naheliegend. Hier wie dort geht es nicht nur um den Inhalt des Dokumentierten sondern auch die Männer hinter der Kamera. Mediengeilheit, reine Profitgier – „Portrait of a Zombie“ ist gleichzeitig auch Kritik am Sensationsjournalismus, der für eine gute Geschichte alles und jeden verkauft, sogar sich selbst. Wenn der Kameramann ganz nah ran geht, als eine Frau von zwei Zombies zerfleischt wird, und sich über seinen Knaller freut, ist das der Realität deutlich näher, als es die absurde Geschichte vermuten lässt. So ganz wird der Dokumentationsstil aber nicht durchgehalten, da wechseln sich Egoperspektiven, Interviewschnipsel und normale Aufnahmen munter ab, ohne einen roten Faden erkennen zu lassen.

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Auch sonst glänzt der Film nicht unbedingt mit Konsequenz. Will er gesellschaftskritische Satire sein? Eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Außenseitern und dem Wert ihres Lebens? Oder, wenn zum Ende der Splatteranteil stark zunimmt, doch „nur“ ein Horrorfilm? So ganz kann sich der irische Regisseur Bing Bailey nicht entscheiden und präsentiert in seinem Debütfilm eine thematische Wundertüte, eine wilde Mischung, die aber auch dadurch fasziniert, teilweise sehr lustig ist, gut gespielt und auf jeden Fall sehr eigenständig. Wer nach den mittlerweile etwas ausgelutschten Horror- und Komödieninterpretationen wieder eine einfallsreichere Herangehensweise an das Thema Zombie sucht, sollte auf jeden Fall einmal dem Low-Budget-Film eine Chance geben: Er mag nicht perfekt sein, einer der interessantesten Vertreter der letzten Zeit ist er aber sicherlich.

Fazit: Aus dem „Leben“ eines Zombies: teils gesellschaftskritische Satire im Mockumentarystil, teils Splatterhorror, wirft „Portrait of a Zombie“ einen ganz eigenen Blick auf die beliebten Untoten. Das Konzept ist nicht immer ganz konsequent, dafür gefallen die originelle Grundidee, der Humor und die guten Schauspieler.

TEXT: Oliver Armknecht