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Nachschub für Horrorfans – Special

Halloween ist zwar noch eine ganze Weile hin, aber auch unter dem Jahr erscheinen viele Filme, die der absolute Horror sind – mal bewusst, mal unbewusst. curt hat sich für euch umgesehen und das (Herz-)Blut vom (Film-)Ketchup getrennt.

„Blind Alley – Im Schatten lauert der Tod“

Ein Regisseur mit Nachnamen Trashorras dreht einen Horrorfilm – alleine das lässt schon hellhörig werden. Mit einfallslosem Trash hat „Blind Alley“ zum Glück wenig zu tun und zunächst auch nur wenig mit Horror, zumindest nicht mit herkömmlichem. Diskomusik, psychedelische Hintergründe, Tanzeinlagen – beim Anblick des Vorspanns kommt schnell der Eindruck auf, im falschen Film zu sein.

Für Rosa (Ana de Armas) wäre das wünschenswert. Zu Beginn sieht es noch so aus, als würde es das Schicksal gut mit ihr meinen. Sie wird zu einem Bewerbungsgespräch für ein Fotoshooting eingeladen. Der Auftakt einer großen Modelkarriere? Ihren öden Hoteljob hinter sich lassen? Ein Traum wird wahr! Dumm nur, dass genau dann die Waschmaschine streikt und sie die Klamotten dringend für den nächsten Tag braucht. Also bleibt ihr nichts anderes übrig, als noch schnell beim 24-Stunden-Waschsalon am Ende der Sackgasse vorbeizuschauen. Ein fataler Fehler, denn schon bald taucht ein Serienmörder auf. Ein Killer vor der Tür, sie eingesperrt im Salon. Als wäre das nicht schon schlimm genug, beginnt langsam das Schlafmittel zu wirken, das sie eingenommen hat, um vor ihrem großen Tag ruhig zu schlafen.

Nicht nur der Vorspann, auch der restliche Film ist interessant inszeniert. Bild-im-Bild-Aufnahmen, ähnlich von Comicpanels, dazu ungewöhnliche Kameraperspektiven, allein das hebt den kleinen spanischen Streifen aus der Masse hervor. Auch der Thrillerteil ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass man kein hohes Budget oder weitläufige Kulissen braucht, um Spannung zu erzeugen. Leider war dies Trashorras aber wohl nicht genug und er meinte, seinen feinen Thriller am Ende etwas unnötig in eine recht alberne Horrorrichtung zwingen zu wollen. Schade um die vertane Chance. Dennoch recht kurzweilige 76 Minuten.

Regie: Antonio Trashorras; Darsteller: Ana de Armas, Jeff Gum; VÖ: 12. April 2013

„Demonic Possession“

Schreckliche Kostüme, angsteinflößende Choreografien, fürchterliche Musik – der Eurovision Song Contest ist quasi das musikalische Gegenstück zu Halloween. Insofern war es eigentlich nur konsequent, dass 2006 die finnische Quasi-Hard-Rock-Band Lordi den ersten Preis an sich nahm. Schließlich ist deren Markenzeichen eine eher außergewöhnliche Bühnenshow, bei der alle Bandmitglieder Masken tragen und als Zombies oder Monster auftreten. 2008 schloss sich der Kreis wieder und die Band drehte ihren offiziellen Lordi-Film: Das Genre? Horror natürlich!

Als Setting wählten sie einen Schauplatz, der nach den ESC-Bühnen den wohl zweitschlimmsten darstellt, den man sich vorstellen kann: ein Krankenhaus. Eben dort ist die autistisch veranlagte Sarah (Skye Bennett) eingewiesen, weil sie an einer mysteriösen Krankheit leidet. Da ihr jedoch niemand helfen kann, entscheidet sich ihr Vater Ben (Noah Huntley), die Tochter einfach mitzunehmen. Am Ende ist jedoch alles sehr viel schwieriger als gedacht und die beiden bleiben mit einer Reihe von anderen Leuten im Fahrstuhl stecken. Als sie wieder herauskommen, ist das Krankenhaus völlig menschenleer, dafür aber von Monstern überrannt. Zusammen muss die kleine Gruppe einen Ausgang finden. Doch je näher sie ihm kommen, umso alptraumhafter wird die Umgebung und umso größer die Gefahren.

Ein Horrorfilm mit einer Hardrockgruppe, der Jahre später unter einem anderen Namen neu aufgelegt wird – das lässt auf ein Machwerk schließen, für das C-Movie wohl noch geschmeichelt wäre. Umso überraschender, dass „Demonic Possession“ (im Original „Dark Floors“) durchaus solide geworden ist. Über weite Strecken auch recht stimmungsvoll. Und manchmal sogar richtig clever. Aber das ist eher die Ausnahme, meistens hält sich der teuerste finnische Film aller Zeiten (4,2 Millionen) an bewährte, reichlich ausgetretene Horrorpfade. Das bedeutet umgekehrt aber auch, dass man als Horrorfan hier nichts wirklich verkehrt macht – solange man es schafft, nicht ständig an den ESC denken zu müssen. Immerhin wird nicht gesungen, dafür gibt es eine Menge Pluspunkte.

Regie: Pete Riski; Darsteller: Noah Huntley, Skye Bennett, Lordi; VÖ: 5. April 2013

„Devil’s Spawn“

Und noch ein Film, der Jahre später und unter einem anderen Namen hier erscheint. „Hyenas“, wie er im Original heißt, war da sicherlich die direktere Variante, denn um genau die hundeähnlichen Raubtiere mit dem charakteristischen „Lachen“ dreht sich hier alles. Oder besser, es geht um eine Art Werhyäne: Menschen, die sich in Hyänen verwandeln. Im Gegensatz zu ihren entfernten Verwandten, den Werwölfen, können sie das sogar ohne jede Einschränkung und zu jeder Tageszeit. Meist entscheiden sie sich dazu, wenn sie hungrig sind und Futter wollen. Was eigentlich fast immer der Fall ist.

Gleich zu Beginn fällt das zähnefletschende Rudel auch gleich einmal über eine Frau her, auch das Kleinkind auf der Rückbank muss daran glauben. Der Hyäne von Welt ist es schließlich egal, was da in ihre Fänge gerät; Hauptsache, es füllt den Magen. Nur von einer Frau hätten sie dabei besser die Klauen gelassen: Als sie über die Ehefrau von Gannon (Costas Mandylor) herfallen, schwört diese Rache und macht sich mit dem alten Crazy Briggs (Meshach Taylor) nun seinerseits auf die Jagd. Oberstes Ziel: Alphaweibchen Wilda (Christa Campbell).

Parallel wird noch eine zweite Geschichte erzählt, die zweier verfeindeter menschlicher Gangs. Die trägt zwar nur marginal zum Hauptplot bei, stört aber auch nicht weiter. Überhaupt lässt sich an dem Grundgerüst nur wenig meckern. Die Schauspieler sind solide, die Story zwar nicht originell, aber für einen Horrorfilm brauchbar, auch die Spannung ist da. „Devil’s Spawn“ hat jedoch ein Problem: Die Special Effects sind schlecht. Und damit meine ich so richtig schlecht. Das trifft vor allem auf die Hyänen selbst zu, die so offensichtlich per Computer reinmontiert wurden, dass sie den Rest des Filmes runterziehen. Wer auch immer behauptet hat, das Furchteinflößendste eines Horrorfilms wäre das Unsichtbare, wird hier eines Besseren belehrt. Schafft man es an den Stellen ein Auge zuzudrücken – oder besser gleich beide –, ist die Jagd auf die Werhyänen aber zumindest einen Blick wert.

Regie: Eric Weston; Darsteller: Costas Mandylor, Meshach Taylor, Christa Campbell; VÖ: 12. April 2013

„Silent Hill: Revelation“

Wer kennt nicht diesen Alptraum: Man ist auf der Flucht vor bösartigen Kreaturen – wilden Bestien zum Beispiel, Monstern, vielleicht auch der Steuerbehörde –, kommt aber nicht vom Fleck. Unsere Beine wollen einfach nicht. Bis wir dann schweißgebadet aufwachen. Vor der Steuerbehörde ist Heather (Adelaide Clemens) zwar sicher, dafür sind ihr Krankenschwestern und andere Ungeheuer auf den Fersen. Und ein Erwachen gibt es auch für sie nicht. Vielmehr muss sie sich ihren Alpträumen stellen und die führen sie in die Kleinstadt „Silent Hill“. Glücklicherweise steht ihr dabei Mitschüler Vincent zur Seite (Kit Harington), der viel mehr über die schrecklichen Vorkommnisse weiß, als er anfangs zugeben will.

Sechs Jahre hat es gedauert, bis die Fortsetzung des ersten Silent-Hill-Films in die Kinos kam. Eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass letzterer mit einem nicht ganz so netten Cliffhanger endete. „Silent Hill: Revelation“ soll dies nun beheben und erzählt, wie es mit den Charakteren weiterging. Das ist für Fans zwar gut, macht es Neueinsteigern aber auch schwer, der Handlung zu folgen. Wer weder Teil eins gesehen, noch „Silent Hill 3“ (das Videospiel, auf dem dieser Film basiert) gespielt hat, wird vermutlich nicht viel verstehen und die Geschichte als großen Quatsch abtun. Interessierte sollten also vielleicht besser vorher noch schnell den Gang in die Videothek antreten und sich „Silent Hill“ (der Film, nicht das Spiel) zu Gemüte führen.

Kenner werden sich hingegen fragen, wie sich der neue Film im Vergleich zum alten schlägt. Antwort: gemischt. Wie gehabt wird Silent Hill von bizarren Kreaturen heimgesucht, die einzelnen Kulissen wirken noch immer wie die Höllenvariante unserer Welt und auch von der Geschichte her geben sich beide Verfilmungen nicht viel. Dafür ist „Silent Hill: Revelation“ deutlich geradliniger geworden. Verschwunden sind die verfremdeten Geräuschkulissen und die ungewöhnlichen Kameraperspektiven. Stattdessen wurde am Tempo gedreht. Ein besonderer Reiz des ersten Teils war es, wie die verlassene Stadt sich immer wieder urplötzlich in ihre Höllenvariante verwandelte. Im neuen Film ist die Hölle der neue Standard, Ruhepausen sind Mangelware. Actionfans mögen das begrüßen, persönlich fand ich den Wechsel von beklemmend zu alptraumhaft aber spannender.

Regie: Michael J. Bassett; Darsteller: Adelaide Clemens, Kit Harington, Sean Bean; VÖ: 18. April 2013

Zombie Dead/Undead“

Fünf Jugendliche, die ihren Urlaub in einem kleinen Hotel verbringen wollen, irgendwo im Nirgendwo. Da muss man nicht allzu viele Horrorfilme gesehen haben, um zu wissen, dass das nicht gut ausgehen kann. Tatsächlich dauert es nicht sehr lange und die meisten von ihnen sind tot, hingemetzelt von blutrünstigen Zombies. Die große Überraschung: Für den Film spielt das keine große Rolle, denn im Mittelpunkt stehen nicht die fünf, sondern eine paramilitärische Einheit, die sich den halbtoten Aggressoren in den Weg stellt. Und das, obwohl deren Mitglieder selbst nicht wirklich lebendig sind.

„Nur eine Armee von Vampiren kann die Zombie-Apokalypse stoppen!“ steht auf dem Cover von „Zombie Dead/Undead“ – da bekommen selbst versierte Connaisseure des gepflegten Zombie-Trashes große Augen. So ganz kann der Film sein Versprechen aber nicht halten. Absurde Ideen kommen da noch einige mehr, so absurd, dass man sie selbst gesehen haben muss, um sie glauben zu können. Und selbst dann mag man Schwierigkeiten haben. Diese sonderlichen Einfälle kann man großartig finden oder beschissen, zumindest geben sie dem Film eine eigene Identität.

Leider taugen dafür die Kämpfe nur wenig. Orthodoxe Zombiefans werden sich alleine daran schon stören, dass die Untoten hier äußerst gut zu Fuß sind. Genauer sieht der Ablauf des Filmes so aus, dass alle paar Minuten eine Zombieschar aus dem Nichts auf die Vampire zurennt (jawohl, rennt!) und diese mit ihren Armeewaffen – wo auch immer sie die herhaben – alles abknallen. In den Momenten degradiert sich „Zombie Dead/Undead“ zu einem reinen Actionfilm ohne Horror. Und leider ohne Spannung. Im Gegensatz zu den oben erwähnten Ideen kann man hierüber nicht einmal wirklich lachen, da sich die Kampfszenen zu oft wiederholen, ohne groß zu variieren. Das erwartete Trashhighlight ist der Film also nicht geworden. Ein Faible fürs Absurde und das ein oder andere Bier vorausgesetzt ist er aber zumindest für diverse Lacher gut.

Regie: Matthew R. Anderson; Darsteller: Luke Goss, Cameron Goodman; VÖ: 17. April 2013

Aus die Maus: Unser Horror-Special-Verlosung ist beendet, das Paket wurde verschickt.

TEXT: Oliver Armknecht