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Komödien-Special – Teil 2

Schon ausgelacht? Das können wir eventuell ändern, denn hier geht es weiter mit den nächsten vier Komödien.

„Ein freudiges Ereignis“

Kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht? Diese Frage stellt sich bei „Ein freudiges Ereignis“ nicht, denn Barbara und Nicolas sind schon nach fünf Filmminuten ein Paar. Und nicht sehr viel später steht dann auch schon der erste Nachwuchs an. Wozu dann der Film? Was soll eine Liebeskomödie, bei der von Anfang an alles geklärt ist? Ganz einfach, es geht nicht um das „ob“, sondern um die Zeit danach. Um das, was nach dem Happy End auf das Paar wartet. Und das ist nicht unbedingt immer eine glückliche Geschichte.

„Wieso hatte mich niemand gewarnt? Wieso hatte meine Mutter nichts gesagt?“, fragt sich Barbara an einer Stelle und gibt damit die Grundidee des französischen Films wieder. Wie schon der gleichnamige Roman spricht „Ein freudiges Ereignis“ etwas an, was viele sich nie zu sagen trauten: Eine frisch gebackene Mutter schwebt nicht ununterbrochen auf Wolke Sieben. Im Gegenteil, aufgerieben zwischen der Verantwortung für ein kleines Wesen, ohne Hilfe, ohne Perspektive, ohne Abwechslung kann ein solches Leben scheiße sein, richtig scheiße. Was als lockere und charmante Komödie beginnt, nimmt später dann äußerst dunkle Züge an. Doch gerade dieser einfühlsame und zugleich schonungslose Tabubruch macht „Ein freudiges Ereignis“ richtig sehenswert. Das ist besonders auch ein Verdienst von Hauptdarstellerin Louise Bourgoin, die ebenso überzeugend wie eindringlich einen Menschen darstellt, der mit seinem „Mutterglück“ überfordert ist und zunehmend Depressionen verfällt. Nicht immer lustig, aber sehr gut.

Regie: Rémi Bezançon; Darsteller: Louise Bourgoin, Pio Marmai; VÖ: 16. August 2013

„Der Nächste, bitte!“

„Schnappe dir den erstbesten Deppen und heirate eben den.“ Keine sehr nette Aufforderung, die Corinne da für ihre Schwester Isabelle hat. Aber verzweifelte Zeiten erfordern verzweifelte Maßnahmen. Und Isabelle ist ziemlich verzweifelt. Eigentlich hätte sie ja allen Grund zur Freude: Pierre, ein erfolgreicher Zahnarzt, mit dem Isabelle seit Jahren schon Praxis und Bett teilt, will sie heiraten, und zwar richtig. Also alles schön und gut, gäbe es da nicht den alten Familienfluch, der besagt, dass jedes Mitglied erst eine gescheiterte Ehe hinter sich haben muss, bevor das mit dem „Bis dass der Tod sie scheidet“ funktionieren kann. Also braucht die hübsche Frau dringend einen Mann, den sie zuerst heiratet und von dem sie sich gleich wieder scheiden lassen kann. Und der soll ausgerechnet Reiseredakteur Jean-Yves sein, dem sie zufällig im Flugzeug über den Weg läuft.

„Der Nächste, bitte!“ vereint mit Diane Kruger und Dany Boon nicht nur zwei internationale Stars, sondern im Grunde auch gleich zwei Komödien in einem. Da wären neben den üblichen Zutaten einer Liebeskomödie auch die Auseinandersetzungen verschiedener Kulturen. Immer wieder wechselt der Schauplatz von Kenia zu Frankreich zu Russland und wieder zurück. Genug Anlässe, um die Eigenheiten der verschiedenen Länder gegenüberzustellen. Das sorgt zwar für tolle Aufnahmen, aber gleichzeitig auch für recht platte Witze. Insgesamt gefällt der französische Film durch eine originelle Grundidee, bleibt insgesamt aber harmlos und zu sehr Stückwerk, um wirklich zu begeistern. Ein netter Film für den Sommer.

Regie: Pascal Chaumeil; Darsteller: Diane Kruger, Dany Boon, Robert Plagno; VÖ: 30. August 2013

„Sightseers“

Harmlos und nett ist bei diesem Film hingegen höchstens der kleine Hund, den Tina und Chris irgendwann auf ihrer Reise aufgabeln und mitnehmen. Die Sehenswürdigkeiten Englands kennenlernen, ein bisschen mit dem Wohnwagen durch die Gegen fahren, den Alltag vergessen – mehr will das Pärchen nicht. Das sollte eigentlich nicht zu viel verlangt sein, oder? Und doch stehen immer wieder andere den beiden bei ihrem bescheidenen Glück im Wege, nerven sie mit achtlos weggeworfenem Müll oder mit unsinnigen Regeln. Zunächst versteckt, dann immer offener und genüsslicher bringt Chris jeden um, der ihm in irgendeiner Form den Urlaub verdirbt. Auch Tina findet Gefallen an dem mörderischen Treiben. Und so sind die Zwei bald im ganzen Land unterwegs, mal mit einer Kamera, dann wieder mit einer tödlichen Tatwaffe in der Hand.

Es ist nicht ganz einfach, „Sightseers“ in ein Genre pressen zu wollen. Meistens wird er als Horrorkomödie bezeichnet, was beim Eröffnungsfilm des letztjährigen Fantasy Filmfests auch irgendwo naheliegend ist. Tatsächlich sind die zahlreichen und komplett überzogenen Morde so absurd, dass man schon laut auflachen will – würde einem dieses Lachen nicht regelmäßig im Hals stecken bleiben. Gleichzeitig ist der englische Film ein fast schon erschütterndes Porträt zweier Leute, die sich zwischen kleinbürgerlichen Träumen, billigem Kitsch und alltäglichen Selbstlügen komplett von der Welt isoliert haben. Und das dürfte der Realität vieler Menschen deutlich näher sein, als es deren Taten glauben machen.

Regie: Ben Wheatley; Darsteller: Steve Oram, Alice Lowe, Eileen Davies; VÖ: 20. August 2013

„Voll abgezockt“

Da kann der smarte Buchhalter Sandy Patterson noch so darauf pochen – nein, sein Name ist für einen Mann mindestens ungewöhnlich. Ein Umstand, den sich die gewiefte Kreditkartenbetrügerin Diana zunutze macht. Kurzerhand fälscht sie Ausweis und Karte, nimmt seine Identität an und lebt auf seine Kosten auf großem Fuß. Das bringt Sandy, der männliche, nicht nur in böse Finanznot, auch die Polizei ist ihm auf den Fersen, als Sandy, die weibliche, einen Gerichtstermin schwänzt. Und Probleme mit der Polizei sind in seiner Branche Grund genug, ihm auch noch seinen Job zu kündigen. Es gibt nur einen Weg aus dem Schlamassel: Sandy I. muss Sandy II. aufspüren und sie zu einer Aussage zwingen. Nicht ganz einfach, denn nicht nur der Bestohlene, sondern auch andere Parteien sind hinter ihr her. Bewaffnete, äußerst gefährliche Parteien. Parteien, vor denen sie Sandy schützen muss, wenn er die Diebin zu Hause abliefern will.

Das Bild des „Odd Couples“ – zwei sehr unterschiedliche Figuren, die sich zusammenraufen müssen – ist in Filmen ja weit verbreitet. Aber kaum ein Paar war wohl jemals seltsamer als die kleinwüchsige Wuchtbrumme Diana und der höflich-naive Sandy. Diese ungleiche Paarung funktioniert sogar recht gut und die beiden versierten Komiker Melissa McCarthy und Jason Bateman kämpfen sich tapfer durch die mäßig interessante Geschichte. Während gerade McCarthy so zu eindrucksvollen Szenen kommt, ist der Humor zu bekannt und zu altmodisch, um irgendwie in Erinnerung zu bleiben. Wirklich spannend ist „Voll abgezockt“ trotz hohen Tempos also nicht. Auf die Tränendrüse wird übrigens zwischendurch, wie zu erwarten war, auch gedrückt, was in den wenigen leisen Momenten aber durchaus gelungen ist. Hier zeigt sich, dass die beiden Schauspieler mehr verdient hätten. Insgesamt okay.

Regie: Seth Gordon; Darsteller: Melissa McCarthy, Jason Bateman; VÖ: 8. August 2013


About Mirjam Karasek

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Quasselstrippende Lektorin und Mutter eines ebenfalls sehr redseligen jungen Kerlchens. Geht gerne auf Überraschungskonzerte und Flohmärkte, liebt Kommas an der richtigen Stelle, 70er-Jahre-Lampen ... Seit drei Jahren mischt sie bei curt als Online-Redakteurin und als Lektorin/Schlussredakteurin beim Magazin mit.