Auf DVD/Blu-ray: House at the End of the Street

In eine neue Stadt zu ziehen, ist nie besonders leicht. Man kennt niemanden, ist weit weg von alten Freunden und der Familie, alles ist einem fremd. Das gilt vor allem, wenn es einen wie Elissa (Jennifer Lawrence) in eine beschaulich-langweilige Kleinstadt verschlägt. Zu verdanken hat die Schülerin ihren nicht ganz freiwilligen Umzug ihrer Mutter Sarah (Elisabeth Shue). Frisch geschieden, will diese endlich sesshaft werden und eine normale Beziehung zu ihrer Tochter aufbauen. Und wo ginge das besser als in einer idyllischen Einöde, wo es mehr Wälder als Einwohner gibt?

Immerhin: Das neue Haus ist schön, sehr schön sogar. Und günstig. Allerdings aus einem eher unschönen Grund, fand doch einige Jahre zuvor im Nachbarhaus ein abscheulicher Doppelmord statt. Ein kleines Mädchen, die geistig zurück gebliebene Carrie-Anne, schlachtete damals seine Eltern ab und verschwand spurlos in den Wäldern. Gerüchten zufolge soll es noch immer dort sein, ein wildes Tier, das im Schatten der Bäume rastlos umhertreibt. Kein Wunder, dass die Grundstückspreise in der Gegend so niedrig sind. Wer will schon direkt neben einem Mordschauplatz wohnen, dessen Täterin nie gefasst wurde.

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Sarah und Elissa stört das hingegen weniger, sind sie doch viel zu sehr damit beschäftigt, in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen und endlich die verkorkste Mutter-Tochter-Beziehung auf Vordermann zu bringen. Und bis auf die gelegentlichen Gerüchte erinnert ohnehin nur wenig an das Verbrechen. Bis Elissa Ryan (Max Thieriot) kennenlernt, Bruder von Carrie-Anne und letztes Überbleibsel der zerstörten Familie. Ryan als Außenseiter zu bezeichnen, wäre eine nette Beschönigung, ist Ignoranz doch das Beste, auf das der junge Mann hoffen kann. Klar, dass Elissa an ihrem hübschen, schüchternen Nachbarn Gefallen findet, der ein bisschen wie ein misshandelter Hundewelpe wirkt.

Eine aufblühende Romanze auf der einen, ein brutaler Mord auf der anderen Seite – über längere Zeit weiß der Film nicht so recht, was er eigentlich sein will. Ein Liebesfilm mit sozialkritischem Einschlag? Oder doch ein richtiger Thriller? Schließlich steht immer noch die Frage im Raum, was damals wirklich mit Carrie-Ann geschah. Dass dieser Genrezwitter im Großen und Ganzen funktioniert, liegt an den durchaus sehenswerten Darstellern. Elisabeth Shue mag zwar seit ihren großen Erfolgen wie „Zurück in die Zukunft II/III“ oder dem düsteren Alkoholikerdrama „Leaving Las Vegas“ etwas in Vergessenheit geraten sein, überzeugt aber als wohlmeinende wenn auch überforderte Mutter wie eh und je.

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Und Jennifer Lawrence kann nach ihren Blockbustern „X-Men: First Class“ und „Tribute von Panem“ zeigen, warum sie derzeit als einer der größten Shootingstars gehandelt wird. Okay, einen Oscar wie für Silver Linings hat sie hier nicht abstauben können. Dafür gibt die Rolle aber auch einfach nicht genug her. Immerhin bildet sie zusammen mit dem bislang eher unbekannten Max Thieriot ein nettes und glaubhaftes Paar, dem man trotz aller Widrigkeiten die Daumen drückt. Zudem kann die Nachwuchsschauspielerin mehrfach unter Beweis stellen, dass sie auch als Sängerin über unbestreitbares Talent verfügt.

Nur: Originell ist das Motiv hübsches Mädchen trifft scheuen Außenseiter mit trauriger Vergangenheit natürlich nicht. Und das gleiche gilt auch für den Thrillerpart. Über weite Strecken hat man das Gefühl, alles schon einmal woanders gesehen zu haben. Erst zum Ende hin bauen die Drehbuchautoren David Loucka und Jonathan Mostow die eine oder andere Wendung ein. Leider geschieht das dann aber gleich wieder auf Kosten der Glaubwürdigkeit. Richtig plausibel ist das Ergebnis nämlich meist nicht. Selbst optisch gehen dem Film – nach einem sehr stimmungsvollen Rückblick auf den Doppelmord – später die Ideen aus, um noch irgendwie aus der Masse hervorzustechen. Und so ist „House at the End of the Street“ ein gut gespielter, insgesamt aber nur solider Thriller, dem die Überraschungen und damit leider auch etwas die Spannung fehlt. Genrefans können einen Blick drauf werfen, ein Muss ist es aber nicht.

Fazit: „House at the End of the Street“ vereint einige talentierte Schauspieler, die aber in dieser Mischung aus Teeanagerdrama und Thriller nicht genug Stoff bekommen, um ihre Stärken wirklich herauszuspielen. Für Genrefans dennoch einen Blick wert.

TEXT: OLIVER ARMKNECHT