Auf DVD/Blu-ray:
Filme aus Asien – Teil 2

Und hier der zweite Streich: noch mehr interessante Neuerscheinungen aus Asien!

„Kikis kleiner Lieferservice“

Dieser Film ist zwar eigentlich ein alter Hut – Kikis kleiner Lieferservice ist von 1989 und seit Jahren auf DVD erhältlich –, erscheint die Tage aber erstmals auf Blu-ray. Und da es sich bei dem Kinderfilm um einen der großen Klassiker des Animes handelt, hat er es mehr als verdient, auch hier erwähnt zu werden.

Hauptfigur ist die erst 13-jährige Kiki, die einmal eine große Hexe werden will. Doch dafür muss sie ein Jahr lang allein in einer neuen Stadt zurechtkommen und so ihre Unabhängigkeit beweisen. Am Anfang scheint alles zu klappen, ihr Lieferservice – wozu kann eine Hexe schließlich fliegen? – läuft gut und auch eine Bleibe hat sie schnell gefunden. Doch bald muss sie sich mit ersten romantischen Gefühlen und ihren eigenen Kräften auseinandersetzen.

Trotz seines Alters versprühen die liebevollen Charaktere und die detaillierten, von Hand gezeichneten Bilder noch immer mehr Charme als ein Gros der derzeitigen Animationsfilme aus dem Computer. Die Geschichte um ein Mädchen und dessen langsames Erwachsenwerden richtet sich zwar insgesamt eher an jüngere Semester. Aber auch Erwachsene, die das Kind in sich bewahrt haben oder einfach schöne Zeichentrickfilme zu schätzen wissen, werden mit Kikis Geschichte ihre Freude haben. Animefans sollten den Klassiker eh schon im Schrank stehen haben.

Regie: Hayao Miyazaki; VÖ: 5. Juli 2013

„Phoenix Wright – Ace Attorney“

Den Film haben wir zwar schon letztes Jahr zum Fantasy Filmfest vorgestellt, er ist aber so ungewöhnlich – und lustig –, dass wir euch die Videospielverfilmung ein zweites Mal ans Herz legen wollen. Ein tollpatschiger Rechtsverteidiger, der nur drei Tage Zeit hat, um seine Mandanten freizuboxen, das hört sich gefährlich nach Barbara Salesch & Co. an. Dabei hat sich Phoenix Wright, Hauptfigur der ersten drei „Ace Attorney“-Spiele, seit seinem Debüt anno 2001 auch im Westen zu einer absoluten Kultfigur entwickelt. Grund dafür ist die Mischung aus absurdem Humor und cleveren Kriminalfällen, die immer in einem dramatischen Showdown im Gerichtssaal enden.

Zwei dieser Fälle baute Starregisseur Takashi Miike nun in Filmform nach und hielt sich dabei recht nahe an die Vorlage. Fans können sich also auf ein Wiedersehen mit vielen liebgewonnen Figuren freuen. Neulinge werden hingegen ein wenig brauchen, um sich an die verrückten Geschichten und skurrilen Charaktere zu gewöhnen. Spätestens wenn Phoenix Wright nämlich mithilfe eines Mediums mit seiner verstorbenen Mentorin spricht oder einen Papagei in den Zeugenstand ruft, dürfte auch dem letzten klar sein, dass hier erst gar nicht so getan wird, als wäre all das real.

Da Miike auch bei der optischen Umsetzung einige nette, comichafte Einfälle hatte, ist „Phoenix Wright – Ace Attorney“ für eine Videospielverfilmung etwas unerwartet nicht nur kein Schrott geworden, sondern sogar richtig gelungen. So gelungen, dass auch Nichtspieler, die schrägen Humor japanischer Machart schätzen, diesem Gerichtssaal einen Besuch abstatten können. Für Phoenix-Fans ist der Streifen ohnehin ein Muss.

Regie: Takashi Miike; Darsteller: Hiroki Narimiya, Takumi Saitô, Mirei Kiritani; VÖ: 14. Juni 2013

„Saya Zamurai“

Mächtig, gefährlich, hoch angesehen – bis heute umweht Samurais der Ruf gnadenloser Kampfmaschinen. Doch was passiert mit einem Samurai, der nicht kämpfen will? Der sogar sein Schwert weggeworfen hat? Todesstrafe, eindeutig. Eine letzte Chance erhält Kanjuro Nomi jedoch: Schafft er es, innerhalb von 30 Tagen dem Fürstensohn ein Lächeln zu entlocken, wird er begnadigt. Das hört sich leichter an, als es ist, denn der Adlige ist seit dem Tod der Mutter depressiv. Und auch Nomi hat einen Verlust zu beklagen, den seiner Frau. Seither hat er nicht nur seinen Kampfes-, sondern auch den Lebenswillen verloren.

Wer schon einmal versucht hat, jemanden zum Lachen zu bringen, der das gar nicht will, weiß, wie schwer das sein kann. Und so werden aus den anfangs albernen kleinen Nummern – Grimassen schneiden, kleine Liedchen singen – mit der Zeit immer groteskere und aufwendigere Spektakel; wie eine Mischung von „Jackass“ und „Takeshi’s Castle“. Dass zumindest auf der Zuschauerseite bald lauthals gelacht wird, liegt auch am kauzig-antriebslosen Hauptdarsteller Takaaki Nomi. Der steht zwar zum ersten Mal vor der Kamera, hätte aber seine eigene Comedyshow verdient.

Bei aller absurden Komik spart „Saya Zamurai“ jedoch nicht an leisen und sehr traurigen Elementen; eine Nicht-ganz-Komödie über zwei, die einen geliebten Menschen verloren und sich in ihrer Trauer eingeschlossen haben. Regisseur und Drehbuchautor Hitoshi Matsumoto ist damit ein ganz eigener, überaus warmherziger Film gelungen, über Würde, Trauer und die heilende Kraft des Lachens – und das auch noch völlig ohne Kitsch.

Regie: Hitoshi Matsumoto; Darsteller: Takaaki Nomi, Sea Kumada; VÖ: 21. Juni 2013

„Warriors of the Rainbow“

Taiwan, 1930: Die Japaner haben die Insel besetzt, roden Wälder und errichten Schulen, Krankenhäuser und Geschäfte. Den Eingeborenenstämmen bleibt, frei nach dem Motto „Friss oder stirb“, nichts anderes übrig, als sich anzupassen und zu versuchen, sich in der japanischen Gesellschaft ein zweites Leben aufzubauen. Einigen gelingt das recht gut. Andere, vor allem der ehemalige Stammesführer Mona Rudao, hadern deutlich mehr mit ihrem Schicksal. Als sein ältester Sohn Tado Mona mit einem japanischen Polizisten aneinandergerät, entschließt sich Mona Rudao, den Zustand nicht mehr hinzunehmen, und organisiert einen bewaffneten Aufstand gegen den übermächtigen Feind – die alles entscheidende Schlacht steht bevor.

Auf der einen Seite die hysterischen, tyrannischen und feigen Japaner, auf der anderen die besonnenen, gerechten und mutigen Eingeborenen – ein neutrale, wertfreie Wiedergabe der Kriegsereignisse ist in dem taiwanesischen Film nicht zu erwarten. Auch an Pathos wurde nicht gegeizt. Dafür wurde bei den Kämpfen und der Darstellung der Stämme und ihrer Gepflogenheiten viel Wert auf Authentizität gelegt. Auf diese Weise sind viele Szenen von „Warriors of the Rainbow“ von einer ungeschminkten, geradezu brutalen Intensität, das gilt gerade für die expliziten Gewaltakte. Lediglich die offensichtlich künstlichen Computereffekte wirken da fehl am Platz.

Regie: Wei Te-Sheng; Darsteller: Lin Ching-Tai, Tian Jun, Masanobu Ando, Hsu Yi-fan; VÖ: 22. März 2013

TEXT: Oliver Armknecht