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Filme aus Asien – Teil 1

Martial Arts, grelle Anime und Bollywood – das fällt einem vermutlich als erstes ein, wenn man an asiatische Filme denkt. Dabei hat der Kontinent sehr viel mehr zu bieten, wenn man ein bisschen Zeit investiert und experimentierfreudig ist. Wir haben für euch ein wenig in dem Wust an Neuerscheinungen herumgestöbert und dabei eine Reihe interessanter Streifen gefunden. Einige davon sind so, wie man sie erwartet – und einige ganz ganz anders.

„Dead Mine“

Zum Auftakt unseres Specials geht es gleich tief unter die Erde: Mehrere Abenteurer, Wissenschaftler, Soldaten werden in einer Mine im Dschungel Indonesiens eingesperrt. Immerhin: Wenn die Gerüchte stimmen, soll dort eine Menge Gold auf sie warten, das legendäre Gold von Yamashita. Rie hat wiederum ihre ganz eigenen Gründe, sich der Expedition anzuschließen, vermutet sie doch, dass während des Zweiten Weltkriegs unter der Erde noch weit mehr vor sich ging als das Horten von Schätzen. Tatsächlich findet das Team dort etwas, das sie sich in den kühnsten Träumen nicht hätten vorstellen können.

Eine Gruppe von Menschen, die in den engen Gängen einer Mine nach Antworten und einem Ausgang suchen – das lässt auf eine schön klaustrophobische Atmosphäre hoffen. Tatsächlich ist die gelungene Stimmung in Verbindung mit dem interessanten Schauplatz der große Pluspunkt des indonesischen Films. Großen Anteil daran hat die verfremdete, teils metallisch klingende Hintergrundmusik, die fast schon unverschämt manipulativ eingesetzt wird. Leider hält sich dieser positive Ersteindruck aber nicht über den ganzen Film. Je näher wir der Auflösung kommen, umso alberner und unglaubwürdiger wird das Geschehen. Am Ende bleibt dann „nur“ ein durchschnittlicher Horrorfilm aus Indonesien, den sich Fans durchaus anschauen können, aber nicht unbedingt müssen.

Regie: Steven Sheil; Darsteller: Ario Bayu, Sam Hazeldine, Les Loveday, Miki Mizuno; VÖ: 28. Juni 2013

„Dragon“

„Niemand hat einen freien Willen. Wenn jemand sündigt, teilen wir diese Sünde. Wir sind alle Komplizen.“

Wer bei „Dragon“ nur einen weiteren Martial-Arts-Film erwartet, wird schon nach der ersten Viertelstunde eines Besseren belehrt. Dabei fängt auch hier alles mit einem Kampf an. Der unauffällige Papiermacher Liu Jinxi will gerade in einem Dorfladen einkaufen, als der Besitzer von zwei Banditen bedrängt wird. Liu Jinxi eilt dem Besitzer zu Hilfe und schafft es, die beiden zu überwältigen. Mehr noch, er tötet sie sogar. Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass es sich bei den beiden um gesuchte Schwerverbrecher handelt. Vielleicht sogar zu beeindruckend. Wieso kann ein einfacher Dorfbewohner so gut kämpfen? Auch Xu Baijiu, der in dem Fall ermittelt, ist misstrauisch, wittert, dass da mehr hinter dem Ganzen steckt.

Diese Ermittlungen, das Stöbern in der Vergangenheit, nimmt mindestens ein Drittel des Films ein. Wenn Xu Baijiu in bester Sherlock-Holmes-Manier Dorfbewohner befragt, Spuren untersucht und Abläufe kombiniert, wird aus „Dragon“ ein waschechter Krimi. Später tritt an dessen Stelle ein eher dramatischer Teil, der sich auf die tragischen Hintergrundgeschichten konzentriert und ganz allgemeine Fragen zu Schuld und Sühne stellt. Doch auch dieser ruhige Part hält nicht an, wird zum Ende von temporeichen und sehr gut in Szene gesetzten Kämpfen ersetzt. Diese Genre- und Tempiwechsel sind zwar ungewohnt, machen aber den besonderen Reiz von „Dragon“ aus. Der tragische Part ist zwar etwas oberflächlich, aber für offene Fans ist die bunte Mischung auf jeden Fall einen Blick wert.

Regie: Peter Chan; Darsteller: Donnie Yen, Takeshi Kaneshiro, Tang Wei, Jimmy Wang, Kara Hui; VÖ: 31. Mai 2013

„Himizu“

Eine Mangaverfilmung, das muss doch bunt, grell und voller Monster oder Roboter sein. Dass das ein Vorurteil ist, beweist dieses japanische Drama. Wir alle haben sicher noch die erschreckenden Bilder vom März 2011 im Kopf, als erst ein Erdbeben und dann ein Tsunami das High-Tech-Land in die Knie zwang. Mit eben diesen Bildern beginnt auch „Himizu“. Auch im Leben des 14-jährigen Yuichi liegt vieles in Trümmern, nicht nur sein physisches Zuhause. Der Vater verprügelt ihn, sagt seinem Sohn regelmäßig, wie viel besser es wäre, wenn Yuichi tot wäre. Die Mutter kümmert sich mehr um ihre wechselnden Liebhaber statt um ihren Sohn. Und die Klassenkameradin Keiko ist dermaßen besessen von Yuichi, dass sie alles, was er im Unterricht sagt, aufschreibt und auf großen Schriftrollen in ihrem Zimmer aufhängt.

Feierte vor einigen Wochen „Beasts of the Southern Wild“ das Leben inmitten eines Müllberges, ist „Himizu“ das komplette Gegenteil. Hoffnung? Freude? Zukunft? Davon ist hier nur wenig zu spüren, nahezu jede Figur hier ist innerlich komplett zerstört. Eines der beeindruckendsten Bilder ist auch, als Keikos Mutter zu Hause einen Galgen errichtet, ihn in leuchtenden Farben anstreicht und dekoriert. Ein Galgen, an dem sich die Tochter erhängen soll, damit sie dem Glück der Familie nicht mehr im Weg steht. „Himizu“ gleicht damit mehr einem Höllenritt durch die Abgründe der menschlichen Seele. Das ist durchweg düster, trostlos, meistens hart, sogar brutal, aber gleichzeitig auch faszinierend und beeindruckend. Ein etwas anderer Coming-of-Age-Film, der sich tief in die eigene Seele gräbt.

Regie: Sion Sono; Darsteller: Shôta Sometani, Fumi Nikaidô; VÖ: 28. Juni 2013

„Jet Li Edition“

Wem „Dragon“ zu unkonventionell ist und lieber gute alte Kampffilme sehen mag, sollte einen Blick auf die „Jet Li Edition“ werfen, die gleich drei neuere Filme des chinesischen Actionstars („Hero“, „The Expendables“) vereint.

„The Warlords“ versetzt uns ins China der 1860er, als blutige Bürgerkriege das Land teilen und drei Männer dem ein Ende setzen wollen. Höhepunkt des Kriegsfilms sind natürlich die epischen Kämpfe und die tolle Ausstattung. Bemerkenswert auch, dass die drei Hauptfiguren nicht als strahlende Helden dargestellt werden, sondern als Menschen, die bei dem Versuch, Frieden zu schaffen, mindestens ebenso fragwürdige Entscheidungen treffen wie ihre Gegner.

Nicht minder episch fallen die Kämpfe in „Flying Swords of Dragon Gate“ aus, dem Remake eines Martial-Arts-Klassikers aus den 1960ern. Hier läuft es auf einen großen Showdown zwischen gleich fünf Parteien hinaus, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen in einer Herberge mitten in der Wüste wiederfinden, als ein großer Sandsturm aufzieht. Das ist inhaltlich konfus, teils unnötig kompliziert, aber toll anzusehen – vor allem bei den spektakulären Kämpfen, bei deren Inszenierung auf Ballast wie Schwerkraft verzichtet wird.

Im Vergleich dazu fällt der dritte Film „Die Legende der weißen Schlange“ etwas ab. Zwar sind die Kämpfe auch hier sehenswert, aber vergleichsweise selten. Stattdessen steht hier eine Liebesgeschichte um einen Menschen und einen Dämon im Mittelpunkt. Die Fantasy-Martial-Arts-Romanze kann mit schönen Bildern punkten, ist aber recht theatralisch, zumal die Computereffekte nur teilweise überzeugen.

Ein Best of Jet Li ist die Sammlung insgesamt nicht, bietet aber die Möglichkeit, für recht wenig Geld seine Sammlung um drei solide bis gute Filme des Schauspielers zu erweitern.

Regie: Peter Chan, Tsui Hark, Ching Siu-tung; Darsteller: Jet Li; VÖ: 14. Mai 2013

TEXT: Oliver Armknecht