Auf DVD/Blu-ray: Cockneys Vs. Zombies

An Zombiekomödien mangelt es mittlerweile ja kaum mehr. Wer dann noch aus der bluttriefenden Untotenmasse herausstechen will, braucht da schon ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. „Cockneys Vs. Zombies“ setzt da völlig auf seine „Helden“: unflätig, teils selbst mit einem Bein im Grab und dabei sehr, sehr Englisch.

Man kann nicht unbedingt behaupten, dass Andy und Terry Macguire zu den großen Gewinnern im Leben gehören. Schon früh verloren die beiden ihre Eltern, weil diese es für eine gute Idee hielten, mit Sturmgewehren auf die Polizei loszugehen. Und auch jetzt, mit Mitte zwanzig, sind die Brüder nicht wirklich in der Gesellschaft angekommen. Nennenswerte Jobs haben Andy und Terry nicht, es sei denn, man möchte Kneipenschlägereien als solche bezeichnen. Eher erfolglose Kneipenschlägereien wohlgemerkt.

Immerhin: Eine Ersatzfamilie hatten die beiden schon – Großvater Ray nahm sich der Waisen an. Doch der hat jetzt ganz eigene Sorgen: Sein Altenheim soll niedergerissen werden. Nicht, dass der rüstige Rentner so wahnsinnig an dem Heim an sich hängen würde. An der Gegend jedoch schon. Seit seiner Kindheit war das East End von London seine Heimat gewesen, das traditionelle Zuhause der „Cockneys“: Vertreter der Arbeiterklasse, bekannt für einen recht eigenwilligen Dialekt und komische Reimspielchen.

Tja, und eben diese Gegend wird Ray wohl verlassen müssen und in den Nordteil der Stadt ziehen. Ein Alptraum, das ihm Andy und Terry gerne ersparen würden. Und so kommen sie auf die glorreiche Idee, sich mit anderen Verlierern zusammenzutun und eine Bank auszurauben. Es versteht sich von selbst, dass dabei alles schiefgehen muss, was schiefgehen kann, und die Polizei ihnen sofort auf den Fersen ist. Aber wie sie bald feststellen müssen, haben sie noch ein ganz anderes Problem: Die Stadt wird plötzlich von Zombies überrannt.

Cockneys Vs Zombies

Bei jeder neuen Zombiekomödie, vor allem wenn sie aus England kommt, fällt es schwer, nicht auf „Shaun of the Dead“ zu verweisen, der seit 2004 quasi DIE Blaupause für die sogenannten Zom Coms sind: Filme irgendwo zwischen Hommage und Parodie auf die Zombiestreifen von George Romero in den 1960ern. Eine gewisse Komik haftete den behäbigen Halbleichen schon vorher an, doch erst durch „Shaun“ wurden Zombies zu den heutigen Vollblutkomödianten. Ähnlich bahnbrechend kann und will der deutsche Regisseur Matthias Hoehne bei seinem Genrebeitrag nicht sein. Tatsächlich dürften Untotenconnaisseuren die meisten Szenen reichlich bekannt vorkommen.

Am originellsten ist bei „Cockneys Vs. Zombies“ sicherlich die Idee, dass nicht nur die tendenziell unfähige Jugend, sondern auch die Bewohner des Altenheims den Kampf mit den hirntoten Invasoren aufnehmen – Gehhilfe, Rollstuhl und Prothesen inklusive. Das sorgt für reichlich Lacher und bietet selbst eingefleischten Zombieaficionados noch etwas Neues. Zumal für die Rentnergang einige bekannte Gesichter gewonnen werden konnten: Alan Ford („Snatch – Schweine und Diamanten“, „Bube, Dame, König, grAS“) spielt den ständig fluchenden Kriegsveteranen Ray, für den es keinen großen Unterschied macht, ob er nun Nazis oder Zombies verprügelt. Und Honor Blackmann als Ray-Liebchen Peggy darf rund fünfzig Jahre nach „Mit Schirm, Charme und Melone“ und „Goldfinger“ beweisen, dass man sich noch immer besser nicht mit ihr anlegen sollte.

Cockneys Vs Zombies

Überhaupt gehört die durchweg sympathische Besetzung zu den Stärken des Films. Ob die erfolglosen Brüder, die resolute Cousine Katy, der aus gutem Grund „Mental Mickey“ genannte Waffennarr oder eben die schlagkräftigen Senioren – es macht einfach Spaß, ihnen beim Metzeln zuzusehen. Auch wenn „Cockneys Vs. Zombies“ insgesamt nur mäßig einfallsreich ist, gehört er so zu den besseren Vertretern der letzten Jahre. Genrefreunde auf der Suche nach neuem Futter dürfen also unbesorgt einen Blick auf ihn werfen. Wer kann, sollte dabei aber die englische Tonspur einlegen, denn die zahlreichen Flüche und Beschimpfungen kommen im dicken Cockney-Dialekt gleich noch mal so gut.