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7 Psychos

Dass in uns allen irgendwo ein Psychopath steckt, der raus will, ist keine wirklich neue Erkenntnis – es braucht dafür lediglich den geeigneten Katalysator. Der wiederum kann von Mensch zu Mensch recht unterschiedlich sein. Verlust von Arbeit und Familie sind ein bewährter Anlass, um Amok zu laufen. Demütigungen durch das Umfeld. Bei anderen reicht es vielleicht, wenn der eigene Parkplatz besetzt ist, damit sie zur Waffe greifen und sich durch die Stadt morden. Auch Charlie Costello hat so einen Katalysator. Bonny, ein kleiner Shih Tzu. Charlie liebt den kleinen Kläffer über alles. Und Charlie ist ein skrupelloser Gangsterboss. Genau dem seinen Hund zu klauen und dafür Lösegeld zu verlangen, ist also vielleicht nicht die schlauste aller Ideen.

7 Psychos DVD

Außer natürlich man ist selbst ein Psychopath. Wie Billy Bickle und Hans Kieslowski, die recht gut davon leben können, „entlaufene“ Hunde zu finden und gegen eine dicke Belohnung zurückzugeben. Außerdem sind Erfahrungen mit echten Psychopathen eine gute Inspirationsquelle, wenn man gerade an einem Drehbuch zu genau diesem Thema sitzt. Titel: „7 Psychos“. Autor: Marty Faranan, Ire, Alkoholiker und bester Freund von Billy. Vermutlich auch der einzige, denn der arbeitslose Schauspieler hat ein Händchen dafür, sein Umfeld von einer chaotischen Situation in die nächste zu befördern. Aus dem Grund will Marty meist auch gar nicht so genau wissen, was Billy im Einzelnen treibt. Einfach in Ruhe an seiner Geschichte schreiben, das sollte doch eigentlich nicht zu viel verlangt sein.

Wir als Zuschauer ahnen aber schon: Das kann er sowas von vergessen! Tatsächlich verstricken sich die beiden Geschichten im Laufe des Filmes zunehmend, sodass man nicht mehr weiß, wo die eine aufhört und die andere beginnt. Wenn Hans beispielsweise bemängelt, dass die Frauen in „7 Psychos“ nichts zu sagen haben, wissen wir nicht von welchem „7 Psychos“ er eigentlich spricht. Der Film, den wir anschauen? Oder der geplante Film im Film? Bloßes Beiwerk sind die nicht weniger angeknacksten Damen nämlich in beiden. An Selbstverweisen mangelt es also nicht, an doppelten Böden und unerwarteten Verwicklungen genauso wenig. Und glücklicherweise auch nicht an Selbstironie. Keine Sorge übrigens, wer bei der Beschreibung verkopftes Arthouse erwartet. Selbst wenn sich das Konzept – Drehbuch und Realität, die sich überlappen – ambitioniert anhören mag, will der Film in erster Linie nur eins: unterhalten. Und das tut die Komödie ziemlich gut.

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Zu verdanken hat sie dies vor allem der hochkarätigen und glänzend aufgelegten Besetzung. Colin Farrell, Sam Rockwell, Woody Harrelson, Christopher Walken und Tom Waits, sie alle spielen mal mehr, mal weniger gestörte Mitmenschen, die bei den richtigen Voraussetzungen – und manchmal auch den falschen – zur Waffe greifen. Auch hinter der Kamera versteckt sich ein profilierter Name des Genres: der irische Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh, der schon mit „Brügge sehen… und sterben?“ einen hoch gelobten Gangsterfilm in die Kinos brachte und auch damals auf seinen Landsmann Farrell in der Hauptrolle setzte. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an die zweite Zusammenarbeit. Erwartungen, die zum Großteil auch erfüllt wurden.

Zu bemängeln gibt es bei „7 Psychos“ nämlich nur wenig, vorausgesetzt man erwartet eben keinen komplexen Beitrag über das Filmedrehen an sich. Größtes Manko ist sicherlich, dass das furiose Tempo nicht bis zum Ende durchgehalten wird, dafür sind einige Szenen zwischendurch etwas zu langatmig geworden. Und auch das Zusammenbringen der Einzelfäden ist nicht in allen Fällen richtig geglückt. Wer über diese kleineren Mängel hinwegsehen kann, erlebt jedoch knapp zwei Stunden lang überdrehte Charaktere, schwarzen und absurden Humor und unvorhergesehene Plotwendungen.

Freunde böser Komödien, unsere Verlosung ist leider vorbei, die Filme wurden verschickt.

TEXT: Oliver Armknecht