Auf DVD: A Lego Brickumentary

Man findet sie im Kinderzimmer, auf Messen, im Kino und im heimischen Fernseher – die Kultbauklötze von Lego haben längst sämtliche Mediengrenzen hinter sich gelassen und sind zu einem alters- und ländergrenzenden Phänomen geworden. Kaum zu glauben, dass der dänische Spielzeughersteller vor rund 10 Jahren beinahe sein vorzeitiges Ende gefunden hätte: Eine Reihe von Fehlentscheidungen hätte fast zum Bankrott geführt, die Lego-Gruppe stand kurz vor dem Aus. Verschwiegen wird die tiefe Krise in „A Lego Brickumentary“ nicht, ebenso wenig die turbulenten Anfänge. Im Mittelpunkt der Dokumentation steht aber die unglaubliche Erfolgsgeschichte, welche das Unternehmen zu einem der größten seiner Art gemacht haben.

Das birgt natürlich immer die Gefahr der Einseitigkeit. Und tatsächlich: Durch den Mangel an kritischen Gegenstimmen meint man manchmal, einen überlangen Werbespot zu sehen. Den Steinen selbst Sympathie gegenüberzubringen ist daher schon sehr hilfreich, aber auch als Nicht-Fan ist es teils beeindruckend, welche weiten Kreise das einstige Spielzeug mittlerweile zieht, in welche Bereiche des alltäglichen Lebens der Einfluss inzwischen ragt.

Am Anfang steht trotz allem die kindliche Freude am Bauen und Erschaffen. Und diese kann sich bis ins Erwachsenenalter halten, wie man hier zu sehen bekommt. Offizielle Lego-Sets-Designer kommen ebenso zu Wort wie Musik-Superstar Ed Sheeran und „South Park“-Erfinder Trey Parker, aber auch „normale“ Fans dürfen erzählen, wie sie zu den Steinen gekommen sind. Und besser noch: was sie damit anfangen. Zwischen Erstaunen und Entsetzen schwankt man als Zuschauer, wenn man mitansieht, wie in monatelanger Kleinstarbeit das aus „Herr der Ringe“ bekannte Bruchtal nachgebaut wird. Der während eines Wettbewerbs entstandene Schweineroboter hingegen regt eher zum Lachen an.

Überhaupt darf Humor hier nicht fehlen. Zwar wird es nie so umwerfend und generationenübergreifend komisch wie bei „The LEGO Movie“ oder auch den „Lego Star Wars“ Filmen, ein paar animierte nette Zwischensequenzen – die im Original von Jason Bateman erzählt werden – gibt es dann aber schon. Weniger amüsant sind andere Momente, in denen es etwa darum geht, die Steine auch zu therapeutischen Zwecken einzusetzen. Und spätestens bei einem Herren, der Waffen moderner Armeen originalgetreu für die ewig lächelnden Figuren nachbaut, läuft es einem schon unangenehm kalt den Rücken hinunter.

A Lego Brickumentary

Wem sich das jetzt ein wenig wahllos zusammengewürfelt anhört, hat nicht unrecht: Hier wird munter von Thema zu Thema gesprungen, ohne dass es über die Steine hinaus eine Verbindung gäbe. Und dabei ist es nicht einmal so, dass dabei alles gesagt würde: Manche Abschnitte geraten ein wenig kurz, die zweite Karriere von Lego in Form von Videospielen, Filmen und Serien wird fast völlig ignoriert. Dafür ist „A Lego Brickumentary“ unterhaltsam, wird durch die ständig wechselnden Themen nie langweilig. Sofern man sich mit dem recht werblichen Ton abfinden kann, wird einem also schon recht viel Stoff in dem Dokumentarfilm geboten, der einem in der Form bislang unbekannt gewesen sein dürfte.

Fazit: Legosteine sind reines Spielzeug? Mitnichten, wie „A Lego Brickumentary“ zeigt. Zwar springt der Dokumentarfilm etwas wahllos hin und her, ist manchmal seicht, oft auch recht werblich. Dafür stimmt die Abwechslung, es werden viele Anekdoten und Geschichten geboten – von lustig über faszinierend bis zu erschreckend.

Regie: Kief Davidson, Daniel Junge; Sprecher: Jason Bateman; VÖ: 6. November 2015