Auf DVD:
Idiots and Angels

Gewalttätig, selbstsüchtig, skrupellos – Angel ist trotz seines himmlischen Namens niemand, dem man im Dunkeln begegnen möchte. Und bei Tageslicht auch nicht. Den fröhlich singenden Vogel am Morgen erschlägt er schon mal mit seinem Wecker. Als ihm kurze Zeit später ein Mann den Parkplatz wegschnappt, zündet er einfach dessen Wagen an. Und die Bedienung in seiner Stammkneipe ist für ihn auch nicht mehr als ein schönes Stück Fleisch, das er sich einfach krallen kann. Dass sie mit dem Wirt verheiratet ist, der direkt daneben steht, stört ihn nicht weiter. Ein hoffnungsloser, von Grund auf schlechter Mensch also.

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Umso ironischer, dass ausgerechnet ihm eines Tages Engelsflügel wachsen. Zuerst sind es nur kleine Stummel, die er mit aller Gewalt auszureißen versucht. Aber am nächsten Tag schon sind anstelle der blutigen Stummel schon wieder weiße Federn zu finden. Das sorgt nicht nur für Spott bei Angels Umfeld, sondern hat noch einen ganz anderen Nachteil: Diese Flügel haben ein Eigenleben, hindern Angel an seinen üblichen Missetaten – sehr zu seinem Missfallen. Und als wäre das nicht genug, entdecken die anderen Leute schon bald, dass man mit diesen ungewöhnlichen Körperteilen doch gut Geld verdienen könnte; der unfreiwillige Engel wird nun selbst zu einem Objekt, das von den Menschen nach Belieben ausgenutzt wird.

Etwa fünf Jahre hat es gedauert, bis der Zeichentrickfilm „Idiots and Angels“ auch bei uns erschien. An den komplexen Synchronisationsarbeiten hat das sicher nicht gelegen, denn der eigenwillige Regisseur Bill Plympton verzichtete bei seinem neuesten Werk komplett auf Dialoge. Musik gibt es ein wenig im Hintergrund, gesprochen wird dazu aber nicht, höchstens gegrunzt, gegrummelt, gejauchzt. Sprache ist hier aber auch nicht notwendig, denn die Handlung wird ohne genauso deutlich. Sofern man bei einem derart surrealen Film überhaupt mit Begriffen wie „Handlung“ und „deutlich“ arbeiten kann. Grotesk und düster – stellenweise wirkt es so, als hätten sich Tim Burton und Sylvain Chomet zusammengetan und ein Drehbuch von Franz Kafka verfilmt. Kindgerecht ist hier trotz der überschaubaren Geschichte also fast gar nichts, wie bei seinen anderen Filmen richtet sich Plympton an ein erwachsenes Publikum.

„Idiots and Angels“ ist aber nicht nur inhaltlich, sondern auch formal ungewöhnlich. Handgezeichnete Bilder sind bei Zeichentrickfilmen inzwischen leider selten geworden. Und selbst unter den wenigen, die es noch gibt, würde der hier hervorstechen: Die schraffierten Zeichnungen wirken wie Storyboards oder Karikaturen aus Magazinen, weniger wie ein Film. Die dunklen, schmutzigen Farben verstärken die düstere Stimmung.

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Zu einem Drama oder gar einem Thriller wird die Geschichte um einen unfreiwilligen Engel aber nie – dafür hat sie zu starke satirische Züge und ist oft zu lustig. Um diesen doch speziellen Humor genießen zu können, sollte man aber schon eine gewisse Experimentierfreudigkeit mitbringen. Wer das tut, entdeckt einen der ungewöhnlichsten Zeichentrickfilme der letzten Jahre, auf den sich das Warten allemal gelohnt hat. Animationsfans sollten „Idiots and Angels“ allein schon wegen seiner eigenwilligen Bilder ins Auge fassen.

Fazit: „Idiots and Angels“ ist ein surrealer, satirischer Zeichentrickfilm, der völlig ohne Sprache auskommt. Für ein jüngeres Publikum ist das eher nicht geeignet, dafür sind die Zeichnungen zu düster und der Inhalt zu grotesk. Ein ungewöhnlicher Film für Animationsfans und experimentierfreudige Erwachsene im Allgemeinen.

TEXT: Oliver Armknecht