Auf DVD: Die Wahrheit über Männer

Ob Krimis („Das Verbrechen“), harte Dramen („Breaking the Waves“, „Das Fest“) oder schwarze Komödien („In China essen sie Hunde“, „Adams Äpfel“), Dänemark hat sich in den letzten 20 Jahren als zuverlässiger Lieferant überaus bissiger Filme etabliert. Dass unser nordischer Nachbar aber auch leichtfüßige Liebesgeschichten erzählen kann, beweist „Die Wahrheit über Männer“.

„Warum machst du eigentlich Filme?“
„Ich mag es, wenn Dinge einen Anfang, eine Mitte und ein Ende haben.“

Ganz klar, Mads schätzt klare Strukturen, im Beruf, aber auch zu Hause. Und auf den ersten Blick scheint bei dem 34-Jährigen auch tatsächlich alles nach Plan zu laufen. Als Strukturprofi ist der Drehbuchautor bei der Arbeit unverzichtbar und privat steht der Umzug in ein schickes Haus mit seiner langjährigen Freundin Marie an. Also alles gut. Und doch: Die große Housewarming-Party wird für ihn zu einem absoluten Alptraum. Er weiß zum Teil nicht mal, wer diese ganzen Leute sind, und will eigentlich nur noch weg. Das Kalte-Füße-Syndrom könnte man meinen. Aber für Mads steckt da mehr dahinter: Während er so über sein Leben nachdenkt, schwant ihm, dass da doch so einiges im Argen liegt. Dass alles ganz anders gekommen ist, als er es sich als Jugendlicher vorgenommen hatte.

Die Wahrheit über Männer

Auch wenn Mads für eine Midlife-Crisis eigentlich noch etwas zu jung ist, entschließt er sich dennoch, Tabula rasa zu machen. Er verlässt Marie, zieht in eine eigene, reichlich heruntergekommene Wohnung und schmeißt auch seinen Job hin, um das Drehbuch seiner Träume zu schreiben. Das Ziel: endlich selbstständig zu sein! Nur hat Mads dabei ein Problem: Selbstständigkeit ist so ziemlich die letzte Eigenschaft, die man ihm zuschreiben kann. Eine Zeit lang scheint dennoch alles gut zu gehen, vor allem als er Julie kennenlernt. 19 Jahre, wild, kunstbegeistert, unberechenbar – also alles, was der Liebesdoktor empfohlen hat. Als sich diese jedoch wieder von ihm trennt, um in Berlin eine Band zu gründen, stürzt Mads komplett ab und muss erst einmal herausfinden, was er wirklich in seinem Leben will.

Beziehungsfilme gibt es bekanntermaßen wie Sand am Meer. Und zunächst sieht es auch nicht danach aus, als hätte Regisseur und Drehbuchautor Nikolaj Arcel dem Thema wirklich etwas Neues hinzuzufügen. Doch der Eindruck trügt. Nicht nur, weil der Däne auf ein völlig überzuckertes Ende verzichtet. Vor allem strotzt der Film voller ironischer Selbstverweise. Mads ist das Drehbuchschreiben für eine erfolgreiche, aber mäßig originelle Krimiserie so sehr ins Blut übergegangen, dass er gar nicht mehr anders kann, als das Leben als einen großen Film zu betrachten. Wenn er am Anfang von „Die Wahrheit über Männer“ den Zuschauer darüber aufklärt, aus welchen Bestandteilen ein erfolgreiches Drehbuch besteht, könnte er genauso über sein eigenes Leben reden. Was vor allem deshalb ironisch ist, weil es Mads’ erklärtes Ziel ist, mit seinem Film die Wahrheit über das Leben abzubilden.

Die Wahrheit über Männer

„Wenn dein Leben ein Film wäre, würdest du ihn sehen?“, lässt Mads einen seiner Charaktere im Drehbuch fragen und wir wissen dann schon gar nicht mehr, wer diesen Satz wirklich sagt. Immer mehr verschwimmen sein geplanter Film, sein Leben, aber auch seine Träume und Erinnerungen miteinander. Doch dabei bleibt „Die Wahrheit über Männer“ immer charmant und zugänglich, einen allzu verkopften Film über einen Film im Film braucht hier keiner zu befürchten. Auch die Figuren mögen etwas verkorkst und umständlich sein, nicht ganz ehrlich zu sich selbst, weinerlich und im Fall von Mads sogar elendig hypochondrisch veranlagt, bleiben dabei aber durchgängig sympathisch – was sicher auch den Darstellern zu verdanken ist. Insgesamt ist Arcel damit ein wirklich netter Beziehungsfilm gelungen, der die Klischees des Genres ein bisschen aufs Korn nimmt und deshalb auch denen zu empfehlen ist, die mit kitschiger Romantik wenig anfangen können.

„Die Wahrheit über Männer“

Regie: Nikolaj Arcel; Darsteller: Thure Lindhardt, Tuva Novotny, Rosalinde Mynster; VÖ: 22. Februar 2013

Text: Oliver Armknecht


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