11. Dezember
At the Gates @ Backstage

Wer weiß, das eine würde womöglich ohne das andere gar nicht existieren. Hard Rock ohne Black Sabbath? Nicht dasselbe. Blues Rock ohne Hendrix? Undenkbar. Stilprägende Bands haben schon immer eine ganze Reihe von Zeitgenossen inspiriert und Nachahmer auf den Weg gebracht. Für die wunderbar dunkle Nische des Melodic Death Metal trifft diese Formel ohne Zweifel auf die Schweden von At the Gates zu.

Mitte der 90er war das westschwedische Göteborg die Brutstätte einer Szene, die klassische Hardrock-Elemente wie melodische Riffs und Clean-Gesang mit dem Grunzen und Gröhlen, den Blastbeats und hart verzerrten Gitarren des Death Metal vermengte. Eine Reihe von Bands, zu der die 1990 gegründeten At the Gates, aber auch Kapellen wie In Flames oder Dark Tranquillity zählten, tat das derart erfolgreich, dass alsbald der Begriff der Göteborger Schule des Death Metal die Runde machte. 1995 veröffentlichten die Mannen um Tomas Lindberg mit dem gefeierten Slaughter of the Soul, ihrem vierten Studioalbum, eine der massivsten Säulen des Genres. Als dann aber im Jahr darauf die Brüder Anders (Gitarre) und Jonas Björler (Bass) die Band verließen, war auf dem bisherigen Höhepunkt zunächst Schicht im Schacht.

Eine Reunion 2007 blieb dann ein kurzes Intermezzo mit einer Reihe von Festivalauftritten, setzte aber vielleicht in Gang, was 2014 die Schwermetaller in Wallung brachte: At the Gates kündigten 19 Jahre (!) nach ihrem Meisterwerk mit At War with Reality ein neues Album an, das einschlug wie eine Bombe und den Eindruck erweckte, als wäre At the Gates zwischendurch nie von der Bildfläche verschwunden. Nichts zu spüren von einem Comeback um des Comebacks willen. Denn obwohl danach Songwriting-Mastermind Anders Björler ein zweites Mal die Band verließ, blieb es nicht bei einer erneuten Eintagsfliege: At the Gates entschieden sich weiterzumachen, Jonas Stålhammar nahm Anders Platz ein und vergangenes Jahr erschien mit To drink from the night itself Album Nummer Sechs.

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https://www.youtube.com/watch?v=dhru7gT0cIE

 

Dieses startet ruhig, mit einem akustischen Intro, getragen von Streichern und sanften Frauenstimmen, trügerisch gediegen, bis das Album mit dem Titeltrack und dem folgenden A stare bound in stone in die Vollen geht. At the Gates anno 2018/2019 reminiszieren in diesem Moment ihre eigene Vergangenheit, denn unverkennbar ist es dieselbe, hart nach vorne drückende Gangart ihres 1995er-Meisterwerks, die die Band immer noch in Perfektion beherrscht und ihr eine urgewaltige Wucht verleiht.

At the Gates steht drauf, At the Gates ist drin: krachende, stakkatoartige, aber ebenso hymnische Riffs, Lindbergs machtvolle, aggressiv-keifende Vocals, Adrian Erlandssons markerschütterndes Drumming. Der Gefahr, sich selbst jedoch einfach zu kopieren, entgeht das Quintett geschickt mit einigen doomigen Midtempo-Momenten, instrumentaler Abwechslung (Piano, Steichinstrumente) oder einem pechschwarzen, bleischweren und eiskalten Closer, The Mirror Black. Das alles ist auch nach fast drei Jahrzehnten immer noch die Oberklasse des Melodic Death Metal, und daher ein fester Termin in eurem Kalender: At the Gates am 11. Dezember im Backstage.


At the Gates > Homepage // Support: Nifelheim + Deserted Fear// 11. Dezember// Backstage // Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr // VVK: 38,20 Euro zzgl. Gebühren