Gehört:
Angelika Express – „Alkohol“

Keine Ahnung, was der freundliche Präventionsbeauftragte von der Idee hält, ein Konzeptalbum zum Thema Alkohol aufzunehmen. Den Kölnern Angelika Express ist die Volksdroge Nummer Eins auf ihrem neuen Longplayer ganze 15 Songs wert.

Pünktlich zum Start in die neue Session werden die hochverdichteten Powerpop-Songs über Cocktails, Kurze, Kater, Euphorie und Untergang veröffentlicht. Kein leichtes Unterfangen insgesamt. Denn monothematischen Platten heftet immer ein wenig der anachronistische Geruch von Patschuli und speckigen Schlaghosen an. Die Hochzeit dieses Genres liegt gut 40 Jahre zurück und die besungenen Geschichten mussten stets ernst oder zumindest fantastisch sein. Dabei bleibt zu spekulieren, was gewesen wäre, hätte sich das Lamm nicht am Broadway niedergelegt, sondern wäre einfach in Mizzis Weißbierstüberl eingekehrt.

Sänger, Gitarrist und Songschreiber Robert Drakogiannakis wird sich bestimmt nicht anmaßen, die hohe Kunst der Rockoper ins neue Jahrtausend überführen zu wollen, aber nach vielen Jahren exzessiven Partyfeierns ist einfach genug Stoff da für ein paar schmissige Lieder rund um den Rausch. Dass der Grad dabei sehr schmal ist, dessen ist sich der Sänger durchaus bewusst. „Ich hatte mal eine ganz krasse Zeit“, erzählt Robert, „da war ich wegen gebrochenem Herzen sieben Nächte pro Woche im Kölner Sixpack – manchmal mehr unter dem Tisch als aufrecht am Tresen. Ich kann und will das gar nicht glorifizieren, allerdings habe ich in all den Kneipengesprächen sehr viel gelernt. Alkohol ist einfach ein Katalysator, er bringt die geilsten Seiten bei Leuten nach oben oder eben auch ganz fiese Abgründe.“

Die Texte, die sich wie eine gut sortierte Getränkekarte lesen, werden in den typischen Punk-Rock-Pop-Glam-Trash-Sound gehüllt, von dem die Kölner seit ihrer Gründung keinen Bierdeckel weit abweichen. Zu viel der Veränderung wäre auch nicht gut, denn es geht um mehr Spaß und mehr Hits, als sich das nachmittägliche Formatradioprogramm erträumen kann. Am Ende einer langen und schweren Nacht bleiben zwei Erkenntnisse: Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist, und Kölsch ist kein Bier!


Angelika Express: „Alkohol“ // Unter Schafen Records/Al!ve // VÖ: 11.11.2016
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