30. Januar
Amorphis + Soilwork

Am 30. Januar gastieren zwei jener Bands im Backstage, ohne die das wunderbare Genre des Melodic Death Metal praktisch undenkbar wäre.

Amorphis aus dem finnischen Helsinki begann 1990 noch als weitgehend typische Death Metal Band, aber bereits mit dem zweiten Album, dem oft als Meilenstein nicht nur der Band-, sondern auch der Genre-Geschichte bezeichneten Tales from a Thousand Lakes, hielten verstärkt melodische und progressive Elemente wie Keys Einzug, wechselten sich die Growls mit Klargesang-Passagen ab. Der Beginn einer von nun an extrem vielseitigen Bandgeschichte. Massive Stilwechsel riefen Kontroversen hervor in der Szene. metal.de beispielsweise sah Amorphis sich mehr oder weniger um des kommerziellen Erfolgs wegen selbst zu verraten. Alben wie Am Universum und Far From The Sun klangen tatsächlich, als handele es sich um eine ganz andere Band, die unter anderem auch die vollständige Abkehr vom gutturalen Gesang vollzog. Ein metallisches No-go in vieler Augen (und vor allem Ohren).

Mitte der 2000er allerdings, einhergehend mit den neueren Werken ab Eclipse (2005) und dem Wechsel zu Sänger Tomi Joutsen, besann sich Amorphis wieder mehr auf seine schwarzen Wurzeln. Die Gangart wurde wieder härter, Tomi Joutsen erwies sich mit seinen markerschütternden Growls als Jackpot und auch die dem finnischen Nationalepos Kalevala entliehenen Folk-Einflüsse, derer sich die Band früher bereits ausgiebig bedient hatte, waren nach und nach wieder stärker zu hören. Amorphis wären mit ihrer Experimentierfreude allerdings heute nicht da, wo ihnen die Verehrung sowohl der Schwarzmetaller als auch progressiver Rocker gleichermaßen zuteil wird.

Für das jüngste Album Queen of Time (2018) holten sich Amorphis erstmals ein Orchester mit Chor ins Boot. So kommt zum Beispiel mit The Bee ein Bombast-Opener zustande, der einen aus den Schlappen weht. Organische Instrumente wie Orgeln, Flöten oder Saxophon, Chöre, finnisch-folklorische und orientalische (!) Klänge verpackt in erhabenen Melodien zwischen Blastbeats, Tomis urgewaltigen Gowls und 7/4-Taktstrukturen – 2018/2019 ist mal wieder alles drin in Amorphis, was Spaß macht.

 

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https://www.youtube.com/watch?v=xf_4uvymwRw

 

Aber auch der Co-Headliner des Abends kann getrost, spätestens ab A Predator’s Portrait (2001), als stilprägende und herausragende Band der Göteborger Schule des Melodic Death Metal bezeichnet werden, auf einer Stufe mit Größen wie In Flames. Die aus Helsingborg stammenden Schweden von Soilwork waren dabei in der Vergangenheit vielleicht stilistisch nicht so experimentierfreudig wie ihre Kollegen von Amorphis, dafür haben sie ihren eigenen Stil zweifellos perfektioniert.

Bastian Thusgaard, würdiger Nachfolger des 2016 zu Megadeth abgewanderten Dirk Verbeuren, schreddert an den Drums ein massives Blastbeat-Fundament für die darüber schwebenden, wunderschönen Melodien dahin, woraus sich ein hinreißender Kontrast aus Brutalität und Leichtigkeit ergibt, verstärkt durch den Wechsel von Bjørn Strids überragendem Clean- und gutturalem Gesang und anderen Stilelementen wie symphonischer Instrumentalisierung und Chören. The Beauty and The Beast des Melodic Death Metal. Seit dem letzten Album The Ride Majestic sind schon wieder einige entbehrungsreiche Jahre ins Land gezogen, daher wird es höchste Zeit, dass nun Anfang 2019 der Nachfolger Verkligheten in den Startlöchern steht, dessen Songs wir am 30. Januar im Backstage sicher lauschen dürfen. Zwei Singles erschienen dazu bisher vorhab, die zum einen in die wohlbekannte und lieb gewonnene Highspeed-Soilwork-Kerbe schlagen (Arrival), aber ebenso zeigen, dass die Band sich auch im Midtempo-Bereich durchaus wohl fühlt (Full Moon Shoals).

 

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https://www.youtube.com/watch?v=nuItul-D0PA

 


Live: Amorphis + Soilwork // Support: JinjerNailed to Obscurity // 30. Januar im Backstage // Einlass: 17:30 Uhr, Beginn: 18:15 Uhr // Preis VVK: 32,00 zzgl. Gebühren