16. Mai
Algiers @ STROM

Eine der wichtigsten musikalischen Stimmen unserer Zeit und dennoch eine Art Geheimtipp gastiert endlich wieder in München. Die Rede ist von den aus Atlanta stammenden Algiers, die mit Sänger und Multiinstrumentalist Franklin James Fisher und seinen geschliffenen Lyrics futuristischen Post-Punk-R&B in die Wunden unserer Zeit legen. 2020, noch kurz vor der Pandemie, setzte die Band mit dem von Randall Dunn produzierten Album There is no Year einen Meilenstein. Die Stimme von Algiers ist in den beiden Folgejahren jedoch nie leise geworden und wir dürfen uns am 16. Mai über ein weitere politisch musikalische Predigt der Algiers im STROM freuen.

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https://www.youtube.com/watch?v=lGZXzmM1smM

 

Der Sound von Algiers lässt sich nur schwer greifen. Industrial-Gehämmer trifft auf soulig einfühlsame Gesangspassagen, die immer wieder durch klagende Wut unterbrochen werden. Hier und da vernimmt man auch ein wenig Post-Punk heraus, der die Songs trotz meterhoher Soundwände direkt in die Hüften fahren lässt. Jahrelang tourten Fischer, Lee Tesche, Ryan Mahan und Matt Tong (Ex-Bloc Party-Drummer) um den Globus, spielten u.a. als Support von Depeche Mode oder wahren auf dem Brecht- und Reeperbahn-Festival viel gelobte Höhepunkte des Rahmenprogramms. Und mit Sicherheit liegt auch schon ein dicker Ordner mit ihrem Namen auf einem der vielen Schreibtische des FBI. Ihr drängender Sound ist von fiebriger Intensität gekennzeichnet, wenn schneidende Lyrics auf wummernde Synthesizer treffen. Angetrieben werden Algiers live vor allem durch ihre Rhythmus-Sektion um Matt Tong und den völlig ausrastenden aber kongenialen Ryan Mahan.

Die in Klang gepresste Kriegsansage von Algiers erinnert bisweilen an Ikonen wie Scott Walker, Iggy Pop, den Berlin-Bowie, Marvin Gaye und Fever Ray . Fakt ist: Algiers zeigen sich immer wieder als wichtige und laute Stimme in Zeiten politischen Irrsinns. Ein mehr als nötiger Finger in der Wunde, denn Bands wie Algiers braucht es auch nach der Ära Trump leider mehr denn je. Erst kürzlich veröffentlichten Algiers eine 7“ Sonderedition ihres 2020er Albums There Is No Year und arbeiteten mit Massive Attack an deren audiovisuellen EP Eutopia, welche unter anderem die Ansprache der Autorin des UN-Klimaabkommens von Paris, Christiana Figueres, zur globalen ökologischen Krise enthält. Bassist/Synthesizer-Malträtierer Ryan Mahan macht ferner mit einem Arikel in “The Quietus“ über die Zerstörung der strukturellen weißen Vorherrschaft mit dem Titel “Why Monuments Are More Than Racist“ von sich Reden.

Und trotz aller politische Anklage, sind Algiers allem voran eine Band, die die Bühne für wichtige Themen nutzt, aber vor allem eins nicht vergisst: Die Musik. Die Konzerte der Jungs aus Atlanta sind aufwühlend, tanzbar und elektrisierend, auch wenn einem bei näherer Betrachtung der inhaltlichen Themen der Groove in der Adern gefriert. Am 16. Mai beehrt uns das Quartett zum bereits dritten Male im STROM und wir können diesen ganz besonderen Abend kaum erwarten.


Live: Algiers > Homepage // Support: Quinquis // 16. Mai 2022 // STROM // Beginn: 20 Uhr // VVK 25 EUR zzgl. Gebühren