Gehört: Acht Eimer Hühnerherzen – s/t

Was sich anhört wie der Traum einer thailändischen Grillstandbesitzerin respektive der Albtraum eines überzeugten Veganers, ist keine Charmeoffensive der Geflügelinnereien-Lobby, sondern der Name eine durchweg unterhaltsamen neuen Band aus Berlin.

Unbekümmert, rotzefrech und mit Berliner Schnauze – Kreuzberg-Style eben. Und obwohl mit Johnny Bottrop ein Mitglied meiner persönlich sehr unbeliebten Terrorgruppe ein Drittel von Acht Eimer Hühnerherzen ausmacht, hat diese herrlich infantile Scheibe mein Herz im Sturm erobert. Denn Kindermund tut Wahrheit kund. Der schnodderige Gesang von Apocalypse Vegas hat vielleicht noch nicht das Timbre einer Hildegard Knef, aber hey: Janz Berlin is eene Wolke und für uns soll‘s letzten Endes rote Rosen regnen!

Zur groben Einordnung. Das was Apocalypse Vegas, Sen. Bottrop und Bene Diktator auf Acht Eimer Hühnerherzen in einer konzentrierten Aktion an zwei Tagen aufgenommen haben klingt nach der singenden Säge eines Richy Guitar, der großen Harmonieschule der Kassierer und der Grandezza einer Marlene Dietrich. Acht Eimer Hühnerherzen spielen einen komplett verzerrer-freien, prä-unplugged, Pro-tools verachtenden und Foo Fighters dissenden Sound, der dir trotz allem und auch gerade deswegen mächtig an deinen Arsch tritt. Oder wie sie selber ihre Musik beschreiben, „Powerviolence-Folk mit Kakophonie und Bindungsangst oder auch Wandergitarren-Hardcore, ein post-dadaistischer Soundtrack-of-our-Lives für die drei großen „A“s der Städte: Alleinerziehende, Alkoholiker und Allergiker … und alle anderen Lost Souls“.

Das kann man durchaus so sehen und alle die, die bei letzten wirklich großen Sause im Musikcafe Beauty, Schöneberg, Berlin dabei gewesen sind und noch stehen können kriegen einen magenschonendwarmen Boonekamp on top.


Acht Eimer Hühnerherzen – s/t // Destiny Records / Broken Silence // VÖ: 23.03.2018 // > Facebook