ACAB – All Cops Are Beautiful

Seit Frühjahr 2017 hat der Freistaat ein typisches Erkennungszeichen weniger: Als letztes Bundesland legt die bayerische Polizei ihre in die Jahre gekommene grün-gelbe Dienstkleidung ab. Wir haben uns von der Pressestelle der Polizei München die neue Uniform zeigen lassen.

Klar erkennbar war die Polizeiuniform bis heute. Typisch deutsche Polizei eben. Die Sexyness hingegen hat mit den Jahren gelitten. Dass das Aussehen der Uniform nicht mehr zeitgemäß ist, sieht auch die Polizei so. Nachdem alle anderen Bundesländer bereits eine modernisierte blaue Version eingeführt haben, ziehen nun endlich auch die Bayern nach.

Eine eigene Projektgruppe „Neue Dienstkleidung der Bayerischen Polizei“ hält dabei die Fäden in der Hand. Sie führte zunächst eine Online-Umfrage durch, ob die bayerischen Beamten lieber in Grün oder Blau eingekleidet werden wollen. Die Mehrheit entschied sich für Blau. Die Bayern haben aber nicht einfach die Uniformen der anderen Bundesländer übernommen, sondern eine eigene Kollektion entworfen. Eine erste Abstimmung ergab, dass als Grundlage die Dienstkleidung der österreichischen Polizei verwendet werden soll, ergänzt durch Uniformteile aus Sachsen-Anhalt (Mützen und Pullover) sowie der Bundespolizei (Strickjacken).

500 ausgewählte Polizisten trugen diese Uniform versuchsweise ein Jahr lang und testeten die Tauglichkeit im Einsatz. Dabei kam es auch auf Kleinigkeiten wie genügend Taschen für alle Utensilien – bis hin zum Kugelschreiber – an. Der Schnitt musste der Form des weiblichen Körpers angepasst werden, damit im Gegensatz zur alten Kollektion auch bei den Beamtinnen die Uniform gut sitzt. Moderne Fasern wurden verwendet, um die Stoffe belastbar und funktionell zu machen.

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Foto: Achim Schmidt

27.500 uniformierte Polizistinnen und Polizisten in Bayern werden jetzt neu eingekleidet. Sind sie froh darüber, dass sie zukünftig nicht mehr in Senfgelb auf Streife gehen? Elizabeth Matzinger von der Pressestelle der Polizei München weiß, dass einige wenige Kollegen zwiegespalten sind. Sie befürchten, die Erkennbarkeit von Polizisten könne sinken, da inzwischen viele Institutionen wie etwa Sicherheitsfirmen ihre Angestellten ebenfalls in Dunkelblau einkleiden. Insgesamt freut sich die bayerische Polizei aber über die modernere und schickere Dienstkleidung. Ab März werden die Uniformen in München ausgeliefert. Es wird aber bis zu 18 Monate dauern, bis alle Dienststellen in ganz Bayern versorgt sind.

Die Kollegen, die der alten Uniform hinterhertrauern, können sie nach der Umstellung behalten – müssen natürlich dafür sorgen, dass sie nicht missbräuchlich genutzt wird. Der abgegebenen Uniformen nehmen sich die Barmherzigen Brüder an. Sie fertigen aus den Stoffen limitierte Taschen, Turnbeutel und Yogakissen. Die Entwürfe sind ab Herbst 2017 erhältlich, können aber schon jetzt unter 110-shop.de bewundert werden.

Wir danken der Pressestelle der Polizei München für ihre Mithilfe!


INFO:

Entworfen wurde die deutsche Polizeiuniform 1972 von dem Modedesigner Heinz Oestergaard. Eine wohlüberlegte Entscheidung, denn Oestergaards Markenzeichen war die „Mode für Millionen“.

Während im Nachkriegsberlin die Trümmer beseitigt wurden, gründete er aus dem Nichts ein Modeatelier. Aus Mangel verwendete er Stoffe aus Fallschirmen und Wehrmachts-Decken wieder. Bezahlt wurde mit Whiskey und Zigaretten. Die erste zahlungskräftige Kundschaft waren Prostituierte – kurze Zeit später folgten deutsche Stars wie Romy Schneider und Hildegard Knef.

Oestergaards Mode wurde dann auch für Millionen Deutsche tragbar, als er in den 60er-Jahren in den Dienst des Versandhauses Quelle trat und mit seiner Arbeit große Erfolge feierte. Es folgten diverse Entwürfe für Uniformen – unter anderem für die Polizei, welche die Dienstkleidung deutschlandweit vereinheitlichen wollte. Der Designer entschied sich für die Farben Senfgelb und Förstergrün,
da diese bürgernah wirken und gleichzeitig auffallen. In Oestergaards Worten: „Die Uniform muss praktisch sein, klar erkennbar, Respekt einflößend und zugleich sexy.“


> Dieser Artikel ist in der curt Ausgabe #86 erschienen. > Fotos: Achim Schmidt