16. September
ABAY – Everything’s Amazing And Nobody Is Happy

Sag mal, ist das nicht die Stimme von Blackmail? Genau. Obwohl Aydo Abay seit 2008 nur noch als Solo- und Projektkünstler unterwegs ist, wird er wohl auf lange Sicht mit seiner Ex-Band Blackmail in Verbindung gebracht. 14 Jahre lang Teil einer der kreativsten und unverkennbarsten Gitarrenbands gewesen zu sein bleibt eben in den Köpfen hängen. Ohnedies gäbe es schlimmere Referenzen.

Lassen wir die Vergangenheit ruhen und beschäftigen uns mit der Gegenwart. Everything’s Amazing And Nobody Is Happy steht als Bilanz von vier Jahren harter Arbeit mit unzähligen Stunden im Proberaum und in verschiedenen Studios. 80 Songs wurden insgesamt komponiert von denen es letztlich 10 auf das hier vorliegende Album geschafft haben. Begonnen hat das Ganze mit einer zufälligen Begegnung in Berlin. Aydo Abay läuft eines Nachts an irgendeinem Kiosk dem Gitarristen Jonas Pfetzing in die Arme. Dieser erkennt sein Jugendidol und labert ihn spontan an, ob Abay nicht Bock hätte gemeinsam ein paar Stücke zu zocken. Der Sänger ist ein feiner Kerl und zeigt sich wenig geschockt davon, dass Pfetzing ansonsten bei der Deutsch-Pop Band Juli am Start ist.

Aber hinter jeder weichen Schale verbirgt sich ein harter Kern und Pfetzing hat seine Noise-Rock Lektionen durchaus gelernt. Die Stücke verbinden Vergangenheit und Gegenwart, spielen mit Elementen aus New Wave, Post-Punk, Pop und Gitarrenkrach. Das von Abay geschätzte Elektrogefrickel findet sich in den Kompositionen dagegen kaum wieder. Dafür gibt’s jede Menge unwiderstehlicher Indie-Rock Monster mit viel Pop-Appeal, die Aydos unverkennbare Stimme wunderbar in Szene setzten. Schon bei den ersten Takten von The Queen Is Dead wird klar, wie sehr man dieses Timbre vermisst hat. Wenn dann die zarten Klavierakkorde von der ersten Wall Of Sound zerschossen werden ist klar, hier ist man näher an Troisdorf als an Giessen. Die beiden Musiker haben ein sicheres Gespür für den entscheidenden Moment. Siehe das Riff in Easy Ease oder die Harmonien des Titel Tracks. Etwas flach fällt dagegen das Stück 1997 aus, mit dem die Band im ZDF Fernsehgarten zu sehen war. Aber man muss ja auch nicht alles verstehen.

Die Tour zum Album führt die Band am 16. September in die Kranhalle des Feierwerks. Hier könnt ihr euch dann auch selber ein Bild davon machen, welche Kraft und Spielfreude hinter diesem Projekt steckt.

ABAY >> Facebook // Everything’s Amazing And Nobody Is Happy // Unter Schafen Records / Alive // VÖ: August 2016