30. Oktober
A Place To Bury Strangers @ Feierwerk

Art meets Noise. Der sensorische Exzess ist ihr Markenzeichen und nach nicht einmal zwei Jahren seit ihrer letzten Eruption in der Isarstadt sind sie zurück. Am 30. Oktober flippen A Place To Bury Strangers im Feierwerk aus.

Die erste Angriffsnote ihres Set-Openers war noch nicht gespielt, schon löste sich der Gitarrengurt von Oliver Ackermanns Gitarre, was sogleich ihr Ende besiegelte. Der Gitarrist aus Brooklyn nutzt die Gelegenheit, um jede lärmende Progression mit ekstatischem Umherschwingen seines Saiteninstruments zu akzentuieren. Danach schmeißt er sich auf die Knie, um wie ein wild gewordener Holzhacker den Bühnenboden zu bearbeiten. Das Instrument schleudert er sogleich wieder in die Luft, um auch dessen exzentrischen Aufprall zum kalkulierten Klangeffekt avancieren zu lassen. Diese erste Explosion markiert den Startschuss für eine Show, die sinnbildlich ist für all die, die APTBS so berühmt gemacht haben. Visuell wie akustisch ist das Trio aus dem Hipsterviertel New Yorks seit 2003 eine Wucht!

Zwischen ihren gewalttätigen Lärmexperimenten und der schieren Lautstärke (gebrandete Ohrstöpsel gibt’s am Merch, klar …) herrscht eine greifbare Gefahr vor. Doch A Place To Bury Strangers’ strukturierte Freilassung lässt auch flüchtige Momente des improvisierten Handelns zu. So treffen Ackermanns nunmehr zweite Gitarre und Dion Lunadons Bass in einem bizepsgespannten Stand-off aufeinander, wonach Letzterer durch die auf der Bühne abgestellten Bierflaschen panzert, schnell ein Solo performt und den Bass wieder auf die Stage hinter sich pfeffert. Lia Braswell hält indes hinter der Schießbude das Chaos zusammen.

Es ist dieser Cocktail aus Vielfalt, Energie und Musik, der dazu entworfen wurde, den Hörer zu überwältigen und zu umhüllen. Genau er macht A Place to Bury Strangers zu dem Live-Act, dessen Mythos ihm schon lange vorauseilt. Man hat das Gefühl, dass sie immer unvorhersehbar bleiben werden. Ein Eindruck, der sich verstärkt, wenn am Ende die Musiker im Publikum abtauchen und in der Mitte, über einer Holzkiste voller Lichter, Knöpfe und Ziffernblätter gedrängt, jene Art von Rave zaubern, die diese Konzerte so unvergesslich macht.

Am 30. Oktober frönen A Place To Bury Strangers diesem digitalen Schamanismus dann im Feierwerk. Ohrstöpsel nicht vergessen!


A Place To Bury Strangers > Homepage // Support: Baby in Vain // 30. Oktober // Beginn: 20:30 Uhr // Feierwerk // VVK 17,70 Euro zzgl. Gebühren