Auf DVD/Blu-ray: On the Road – Unterwegs

Endlos weite Straßen, ein rauschhafter Mix aus Sex, Drogen und harten Jazz-Klängen – das Buch „On The Road“ gilt für viele bis heute als Fibel der Beatnik-Generation. Und doch hat es über fünfzig Jahre gedauert, bis der Klassiker verfilmt wurde. Was taugt die Leinwandfassung?

Wenn Bücher zu Bestsellern werden und über Jahre hinweg neue Anhänger gewinnen, liegt ein Gedanke nahe: Lasst uns einen Film daraus machen und richtig viel Geld verdienen! Umso verwunderlicher, wenn genau dies nicht passiert. In einigen Fällen mögen es die Autoren sein, die sich gegen eine kommerzielle Zweitverwertung wehrten. Oft hat es aber auch inhaltliche Gründe, sind die Geschichten zu komplex oder zumindest anspruchsvoll konstruiert.

Auf „On the Road“ trifft weder das eine noch das andere zu. Auch wenn dessen Autor Jack Kerouac sich zunehmend schwer tat, als Beatnik-Leitfigur herhalten zu müssen, spätestens seit seinem Tod 1969 stand einer Verfilmung eigentlich nichts im Wege. Und auch der eher spärliche Inhalt – eine Gruppe Jugendlicher fährt quer durchs Land, trifft Leute, feiert kräftig – spricht nicht unbedingt gegen einen Sprung auf die Leinwand. Im Gegenteil: Vor allem die ausgedehnten Fahrten durch die abwechslungsreichen Landschaften der USA sind geradezu dafür geschaffen, im Großformat gezeigt zu werden. Und eines vorweg: Die schönen Landschaftsaufnahmen gehören sicherlich zu den Höhepunkten des Filmes.

Das ist gleichzeitig aber auch ein Problem von „On the Road – Unterwegs“, denn das Buch sollte sicher vieles sein, aber eben nicht „schön“. Natürlich, ganz fair ist der Vergleich zwischen Buch und Film nicht. Als Kerouac 1957 seinen stark autobiografisch gefärbten Roman veröffentlichte, waren die Moralvorstellungen noch andere. Jugendliche, die Drogen nehmen, Autos klauen und recht wahllos mit anderen ins Bett steigen – das war seinerzeit noch weitaus skandalöser, als es heute der Fall ist. Insofern hätte der Film schon recht drastische Mittel auffahren müssen, um heute noch schockieren zu können. Dennoch würde man sich wünschen, dass der über zwei Stunden lange Film manchmal etwas mutiger oder überraschender in seiner Inszenierung wäre.

On the Road DVD BluRay

Die eigentliche Schwierigkeit – und damit vermutlich der Grund, warum die Verfilmung so lange auf sich warten ließ – liegt nämlich in der eigentümlichen Erzählweise des Buches. Impressionistisch, episodenhaft, zu keinem Zeitpunkt vergessen wir dort, dass wir uns in der Sinnes- und Gedankenwelt von Erzähler Sal Paradise befinden. Und die ist nun mal alles andere als gradlinig. Davon bleibt bei der Umsetzung durch Walter Salles nur wenig zurück, der Blick erfolgt hier nur von außen, ist eher nüchtern. Zwar prallen auch im Film Episoden unvermittelt aufeinander, tauchen Personen urplötzlich auf, um dann wieder zu verschwinden, aber das sorgt eher für Verwirrung, weniger für Rasanz und das Gefühl von Rastlosigkeit. Nur hin und wieder, etwa als Sal und Dean Moriarty in Mexiko um die Häuser ziehen, wird das Gefühl eines Rausches mit schnellen Schnitten glaubhaft vermittelt.

Dafür ist das Ganze durchaus ansprechend gespielt. Vor allem Neuling Garrett Hedlund als Dean gefällt. Er mag zwar ein wenig zu gut und zurechtgemacht aussehen, um tatsächlich als wild durchzugehen, punktet aber durch seine unbestreitbare Präsenz und sein Charisma, das Gefühl der Unberechenbarkeit. Lobenswert auf jeden Fall, dass der Versuchung widerstanden wurde, ihn oder die anderen Hauptfiguren mit Publikumsmagneten zu besetzen. Gerade bei Figuren, die so viel Wert darauf legen, mit Konventionen zu brechen, wären etablierte Stars sicher etwas fehl am Platz gewesen. Bekannte Gesichter gibt es aber dennoch genügend: Unter anderem treten Kirsten Dunst, Steve Buscemi und Viggo Mortensen in Nebenrollen auf und erledigen ihre Aufgaben gewohnt souverän.

Ein eigenständiger Klassiker ist „On the Road – Unterwegs“ damit nicht geworden, dafür bleibt er über weite Strecken dann doch zu gefällig. Sehenswert ist der Roadmovie aber schon, vor allem dank seiner schönen Bilder und der soliden Schauspieler.

„On the Road – Unterwegs“
Regie: Walter Salles; Darsteller: Sam Riley, Garrett Hedlund, Kristen Stewart; VÖ: 14. Februar 2013

TEXT: Oliver Armknecht