DIY-Label Woodland Recordings in der Nordkurve

8. APRIL 2016 - 13. MAI 2016, NORDKURVE

#Ausstellung, #DIY, #Musik

Wir trafen uns mit Stephen, dem Musiker, und Steffi, der Dame von der Nordkurve, um über eine äusserst charmante Ausstellung zu plaudern. Stephen Burch ist ein studierter Maler aus Brighton, der als Musiker sein eigenes Label betreibt und von Berlin nach Nürnberg zog, der Liebe wegen. Er entschied sich schliesslich, hier zu bleiben. Der Mann hat also Geschmack – und diesen darf man in der Galerie Nordkurve überprüfen.

Was hat Dich angetrieben, ein Label zu gründen?
STEPHEN: Ich habe mit meiner eigenen Musik angefangen, als ich in Brighton im Süden Englands lebte, und dort habe ich auch ab und zu ein paar kleinere Konzerte gespielt. Im Verhältnis zur Größe der Stadt gibt es dort einen Haufen Musiker und auch genügend Orte, wo man auftreten kann. Als ich dann irgendwann meinen regulären Job verlor, kam mir die Idee für meinen Freund und Musiker Laurence Collyer eine Single zu veröffentlichen. Er stimmte unter der Voraussetzung zu, dass ich auch mit im Boot bin, und da mir zu dem Zeitpunkt glücklicherweise ein wenig Geld zur Verfügung stand, entschieden wir uns, das Ganze von Anfang an „ordentlich“ anzugehen und aus meiner Idee ein gemeinsames Projekt werden zu lassen.
Wir nahmen alles zu Hause auf, entwarfen und druckten das Artwork selbst und luden ein paar Freunde ein, um das Ganze in einem Nachmittag fertigzustellen - 300 Exemplare einer Doppel-CD unserer Bands The Diamond Family Archive und The Great Park. Wir lernten, wie man eine Webseite programmiert, baten unabhängige Plattenläden unsere erste Veröffentlichung zu verkaufen . Am Ende hatte sogar Rough Trade unsere CDs in deren „Covent Garden Store“ auf Lager und ein paar der Songs liefen auf BBC Radio. Es war alles in allem eine eher spontane Geschichte, die aber eine fundierte Vorlage schaffte, auf der wir aufbauen konnten.
Wie viele andere Musiker auch, hatten wir bereits zuvor selbstgebrannte CDs auf unseren Konzerten verkauft und fanden, dass man das einfach besser organisieren sollte, um später vielleicht auch eine Plattform für andere Künstler bieten zu können. Als der Stein einmal ins Rollen gekommen war, fragten wir uns, weshalb eigentlich nicht alle so arbeiteten, denn es war wesentlich einfacher, als wir uns das Ganze vorgestellt hatten.

Was hebt Dein Label von anderen ab?
STEPHEN: Ich denke es gibt bereits sehr viele Leute, die ähnlich vorgehen und auch eine in einem gesunden Verhältnis zu den großen Plattenfirmen stehende Menge an Micro- und DIY-Labels – sie sind lediglich etwas schwieriger zu finden. Andere Labels wie etwa Fence Records aus Schottland oder Stolen Recordings in London waren damals für uns sehr hilfreich und haben unsere Anfänge beeinflusst, aber heutzutage scheinen mehr und mehr Labels sehr ähnlich zu arbeiten, wie zum Beispiel Very Deep Records hier aus Nürnberg.
Einerseits liegt die Einstellung, alles von Hand und in limitierten Auflagen zu veröffentlichen, darin begründet, dass es sich schlichtweg als sehr praktikabel erwiesen hat, alles zu Hause zu produzieren. Andererseits spielt dabei auch die Tatsache, dass Laurence und ich beide eine Kunstakademie besucht haben und gerne Dinge machen wollten, die als reine Objekte interessant sind, eine große Rolle. Es ging uns am Anfang nicht darum, uns von anderen abzuheben - wir wollten etwas tun, was Spaß macht und uns selbst überraschen kann.

Was ist die Philosophie Deines Labels?
STEPHEN: Mich spricht ernsthaftes Zeug ziemlich an, aber ich werde auch gerne einfach von Musik überrumpelt. Ich versuche auf möglichst ansteckende Art und Weise zu teilen, was mich selbst begeistert und überrascht hat. Gleichzeitig versuche ich gedanklich Woodland Recordings stets von der Person Stephen Burch zu trennen und bin der Ansicht, dass das Label mit der Zeit ganz selbstverständlich seine eigene Identität entwickeln sollte. Ich stelle mir das Label heute beinah wie einen eigenen Charakter vor, mit dem ich nicht immer der gleichen Meinung bin und welcher zwar wahrscheinlich eher arrogant und nicht sehr umgänglich ist, dafür aber einen wahnsinnig gut ausgeprägten Sinn für Musik und Kunst hat.

Welche Künstler kommen zu Dir?
STEPHEN: Alle möglichen Künstler nehmen mit uns Kontakt auf - seit 2007 gab es mehr als 60 Veröffentlichungen und wir haben bereits mit hunderten Musikern aus der ganzen Welt zusammengearbeitet. Sofern ich etwas benennen soll, was all diese Künstler gemein haben, würde ich sagen, dass sie wahrscheinlich mögen, was wir machen und dass sie einfach gerne ein Teil davon sein möchten. Sie möchten in unserem Katalog auftauchen. Meistens sind das Leute, die nicht erwarten, Millionen von Platten zu verkaufen, aber interessiert daran sind, schöne Dinge für ein Publikum herzustellen, das sich ernsthaft etwas aus ihrer Musik macht.

Wie kamst Du darauf, eine Label-Ausstellung machen?
STEPHEN: Die Betreiber der Galerie waren so nett, mich zu fragen, ob ich Interesse an einer Ausstellung hätte, da sie mein Label kennen, bzw. ein paar der Künstler, die damit in Verbindung stehen. Da ich Malerei studiert habe, hatte ich zwar schon öfter mit Ausstellungen zu tun, da es nun jedoch das erste Mal ist, dass die Arbeit des Labels dabei im Mittelpunkt steht, habe ich zugestimmt und versucht, ein paar Sachen zusammenzutragen.

Was erwartet uns bei Deiner Ausstellung – vor allem bei der Eröffnung?
STEPHEN: Ich werde unsere Arbeit rund um die Veröffentlichungen der letzten acht Jahre vor allem auf Papier zeigen. Zu sehen sein werden dabei hauptsächlich CD- und Vinyl-Artwork, Konzertposter und einige Dinge, die sich in diesem Zusammenhang angesammelt haben. Man wird auch Filmmaterial zu sehen bekommen und natürlich wird es Musik geben, auch live aufgeführt in der Galerie. Am Eröffnungsabend werden Vincent von Flieger aus Nürnberg, der eng mit Woodland Recordings verbunden ist, und ich selbst unter meinem Bandnamen „The Great Park“ spielen. An einigen anderen Abenden werden noch weitere Künstler auftreten und auch Euch vom CURT-Magazin haben wir für einen Abend während der Dauer der Ausstellung zu Besuch.

Wie und wo siehst du Dich und Dein Label in der Zukunft?
STEPHEN: Es wäre toll, irgendwo ein Label-bezogenes Konzertprogramm zu etablieren. Als ich noch in Brighton wohnte, veranstalteten wir einmal im Monat einen Abend in der Stadt, zu welchem wir Leute einladen konnten, um zu spielen. Mit der Zeit hatten wir ein großartiges Publikum und diese Abende machten immer extrem viel Spaß. Auch in Berlin gab es eine Zeit lang eine ähnliche Geschichte und es wäre schön, auch hier in Nürnberg oder irgendwo in der Nähe so eine Veranstaltungsreihe zu starten – ich würde gerne mehr Musiker, mit denen ich arbeite, dazu einladen, die Stadt zu besuchen und ihnen die Gelegenheit bieten, ein Konzert zu geben.
Daneben hoffe ich natürlich, dass Woodland Recordings bis dahin einen super umfangreichen und spannenden Katalog vorweisen kann. Aber das Label wurde vor allem aus Spaß an der Freude gegründet und deshalb gibt es auch keinen wirklichen Langzeitplan.

Ist Dein Label ein Non-Profit-Konzept? Wovon lebst Du?
STEPHEN: Es handelt sich nicht um ein Non-Profit-Konzept im eigentlichen Sinne. Es steckt vielmehr die Idee dahinter, dass die Einnahmen aus einer Veröffentlichung mindestens ausreichen sollten, um die nächste Veröffentlichung finanziell mitzutragen. Ich selbst lebe von meiner Arbeit als Musiker und das Label erlaubt mir eben auch, meine eigene Musik herauszubringen, wie und wann ich es möchte.

Wieso Nürnberg?
STEPHEN: Im Jahr 2007 hatte ich das erste Mal Konzerte hier in Deutschland und auch in der Schweiz. Später bin ich dann nach Berlin gezogen und habe das Label von dort aus alleine betrieben. Nach drei oder vier Jahren hat es mich allerdings etwas ermüdet in Berlin zu leben. Als ich dann eine bezaubernde junge Dame aus Nürnberg kennenlernte, lag es nahe, hierher umzuziehen und Woodland Recordings zog natürlich mit. Nach gut fünf Jahren, in denen ich jetzt schon hier lebe, bleibt mir zu sagen, dass ich sehr gerne von hier aus arbeite!


WOODLAND RECORDINGS: DIY-AUSSTELLUNG
Vernissage am 08. April ab 19 Uhr.
Ausstellung von 08. April bis 13. Mai 2016

NORDKURVE
Rothenburger Str. 51, Nbg

Mehr Infos: www.barfreitag.de und www.woodlandrecordings.com




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#Ausstellung, #DIY, #Musik

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