Fast echt

9. MäRZ 2016 - 8. MAI 2016, KUNSTHAUS

#Ausstellung, #Fotografie, #Kolumne, #Kunst, #Kunsthaus, #Natalie de Ligt

Wer eine Fotografie von Oliver Boberg (*1965, lebt in Fürth) einmal gesehen hat und um ihre Entstehung weiß, wird sie nicht mehr vergessen. Das liegt nicht unbedingt an den Motiven. Die Fotografien zeigen meist Orte, die aus dem städtischen Alltag bekannt sind, aber in der Regel nicht in die bewusste Wahrnehmung vordringen: Es sind architektonische oder landschaftliche Nicht- bzw. Unorte, die zu Hauf im urbanen und suburbanen Umfeld vorkommen oder sich dort ergeben – und denen meist kein expliziter Gestaltungswille zugrunde liegt. Graue Betonwände, Ränder von Fahrbahnen, Treppenaufgänge, dunkle Flucht- oder Erdschächte usw.

Wer eine Fotografie von Oliver Boberg (*1965, lebt in Fürth) einmal gesehen hat und um ihre Entstehung weiß, wird sie nicht mehr vergessen. Das liegt nicht unbedingt an den Motiven. Die Fotografien zeigen meist Orte, die aus dem städtischen Alltag bekannt sind, aber in der Regel nicht in die bewusste Wahrnehmung vordringen: Es sind architektonische oder landschaftliche Nicht- bzw. Unorte, die zu Hauf im urbanen und suburbanen Umfeld vorkommen oder sich dort ergeben – und denen meist kein expliziter Gestaltungswille zugrunde liegt. Graue Betonwände, Ränder von Fahrbahnen, Treppenaufgänge, dunkle Flucht- oder Erdschächte usw.
Das Bemerkenswerte und zugleich Unvergessliche an den Fotografien ist, dass die scheinbar realen Orte in Wirklichkeit nur als Modelle existieren, die Boberg zuvor in akribischer Kleinarbeit baut und dann fotografiert oder fotografieren lässt. Die vermeintliche Echtheit des Abgelichteten entpuppt sich als „wahrer“ Betrug oder trügerische Wahrheit. In jedem Fall spielt der Künstler mit der Information zur Entstehung der Fotomotive. Denn ohne das Wissen um ihre eigentliche Existenz als Kulisse wäre das Ganze nur halb so spannend, womit den Fotografien ihr ästhetischer Reiz und die Qualität nicht abgesprochen werden soll. Genau so wahr ist auf der anderen Seite, dass die Genauigkeit und Detailversessenheit, mit der Boberg die Modelle kreiert und inszeniert, für sich genommen als inhaltlicher Bestandteil und gewissermaßen als intellektuelle Basis der Fotografien gelten muss.

Die Realität ist Bobergs größter Ideengeber und Lehrmeister. Ausgangspunkt seiner Arbeiten sind selbst aufgenommene oder gesammelte Fotografien, die ihm als Quellen dienen. Allerdings setzt er eine Fotovorlage nicht eins zu eins in ein Modell um, vielmehr filtert der Künstler Merkmale heraus, die als typisch für diese Nichtorte angesehen werden können. Jedes Modell und sodann die Fotografie des Modells ist gleichsam eine Typologie, eine Art Prototyp oder gar das Ideal eines solchen Ortes. Die Berücksichtigung und entsprechende Umsetzung von Strukturen der verschiedenen Materialien wie Beton, Blech, Stahl oder Laub, von Verwitterungszuständen, technischen Anbringungen oder Übergängen zwischen Gebäudeteilen u.v.m., spielen hierbei ebenso eine Rolle wie Überlegungen zu Bildachsen, Komposition und die Wahl der Lichtatmosphäre und Lichtführung. Alles zusammen dient der Typologie, die auch ein Wiedererkennen beim Betrachter hervorruft, und es dient der Erzeugung des authentischen Moments. Die Fotos sind wie eine Fata Morgana. Selbst wenn Oliver Boberg keine real existierenden Orte ablichtet, sehen sie real und echt aus. Und ihre potentielle Existenz macht die Täuschung authentisch. Dass Boberg lediglich ein Modell abfotografiert, ändert nichts an der Tatsche, dass am Ende das Foto etwas zeigt, das es genau so oder so ähnlich gibt. Boberg zeigt uns einen Ausschnitt aus unserer urbanen Realität. Er inszeniert Wirklichkeit so, dass die Inszenierung nicht mehr von der Wirklichkeit zu unterscheiden und im Grunde auch nicht mehr davon zu trennen ist. Das Medium Fotografie wird hierbei einer Quadratur des Kreises unterzogen. Einerseits dient sie als Echtheitsbeleg – denn erst die Fotografie des Modells macht, dass wir das Abgelichtete als real wahrnehmen und den Fake gerne abkaufen – anderseits und gleichzeitig werden hier Täuschbarkeit und Manipulierbarkeit des Mediums und des Betrachters vorgeführt.

Fazit: Man sollte generell nichts glauben, was man nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Aber die Ausstellung mit den Werken Oliver Bobergs, der sich im übrigen schon vor Jahren überregional und international einen Namen gemacht hat, sollte man unbedingt anschauen.

[Text: Natalie de Ligt]

Eröffnung: Mittwoch, 9. März 2016, 20 Uhr.
Es spricht Anne Fritschka, Kuratorin am Kunsthaus und der Ausstellung.


OLIVER BOBERG: FAST HIER
10. März bis 8. Mai 2016
Kunsthaus. Königstraße 93, Nbg.
Di-So 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr.
kunstkulturquartier.de/kunsthaus




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