Claudias Kinoempfehlungen für September

MONTAG, 31. AUGUST 2015

#Casablanca, #Cinecitta, #Filmhaus Kino, #Kino

Da kommt aber einiges anders als man denkt. Filme, die kein bisschen so sind wie du denkst. Da muss man danach raus und vertrocknete Blätter gucken.

FRANK
AB 03.09. // CASABLANCA
Jon schreibt seine eigenen Songs und spielt Keyboard. Er fasst das Leben in Liedtexten zusammen und dafür lieben wir ihn gleich in den ersten Minuten. Als er eine verrückte Chance bekommt, greift er zu. Er ist sich sicher, dass die Band, die in seiner Stadt spielt, was drauf hat. Er hilft aus, fährt mit den sehr speziellen Musikern nach Irland, wo er merkt, dass Albumaufnahmen anstehen. Das kann dauern, denn Frank, der Bandkopf ist exzentrisch und das Normale ist ihm nicht gut genug. Frank trägt einen Pappmascheekopf, immer. Er schafft es (und das ist toll!), über einen Teppichfaden zu singen. Im Laufe der Zeit mischt sich ungemein Lustiges plötzlich mit Ernst. Maggie Gyllenhaal und Michael Fassbender sind vermutlich dafür verantwortlich, dass „Frank“ nicht nur Feel-Good-Movie ist, sondern auch ein grandioser Film über Musiker.  
 




DIE KLEINEN UND DIE BÖSEN
AB 03.09. // CINECITTA
Ja, das Plakat springt einen an. Aber das Gute ist, dass Christoph Maria Herbst nicht einfach liefert. Ihr wartet vergebens auf sein Tourette, diesmal spielt er einfach einen anderen, so geht das manchmal bei Schauspielern. Der ganze Film ist viel ruhiger als die meisten bei diesem Plakat erwarten. Bewährungshelfer Herbst spricht gern mit sich selbst, macht sich so seine Gedanken über den Job und besonders über Hotte, dem seine zwei Kinder zugesprochen wurden, die der Bewährungshelfer retten will. Der Film legt sich Plattes vor (Impotenz, spacker Kleinkrimineller) und erzählt dann doch eine echte Geschichte. Superschön!
 



SUNRISE
AB 17.09. // FILMHAUS
Es regnet verdammt oft. Und der Inspektor rennt. Immer wieder glaubt er, seine Tochter wiederzuerkennen, die seit Jahren vermisst wird. Abgekämpft steht der Mann in der düsteren Metropole Mumbai und lässt die Bilder seine Situation erklären. Das Spiel mit Licht und Schatten hat surreale Komponenten und nennt sich Neo-Noir-Thriller. Dennoch geht es Regisseur Partho Sen-Gupta um den Inhalt, um die Brutalität, der Kinder ausgeliefert sind. Den Hauptdarsteller Adil Hussain kennt ihr aus „Life of Pi“.
 



CAPITAL C
AB 24.09. // KINO OFFEN
Wenn ein reicher Verein für einen armen ein Freundschaftsspiel veranstaltet, zahlen die Leute das Doppelte an Eintritt. So gesehen in Dresden. Das ist auch eine Art Crowdfunding, der Vergleich mag hinken, aber die Leute geben Geld für etwas, das sie sehen wollen. So ist das ja beim Crowdfunding. Oder wie es einer am Anfang des Films zusammenfasst: Wenn Geld nur Geld ist, ist es scheiße. Es soll Mittel zum Zweck sein für etwas, das dir am Herzen liegt. Es soll was Gutes möglich machen. Auf der Seite des Ideengebers fallen die Kompromisse weg, die man eingeht, wenn man seine Idee verkauft. Ist man crowdgefundet, kann man das so machen wie man will. Besonders gut funktioniert das in Nischen, da hält man zusammen, ist gut vernetzt. "Capital C" zeigt all die Spielarten, die die neue Wirtschaftsform mit sich bringt.
 



MANUSCRIPTS DON'T BURN
AB 24.09. // FILMHAUS
Noch ein Thriller, diesmal aus dem Iran. Ist schon immer komisch, wer berühmt wird und wer nicht. Jafar Panahi hat mit seinem „Taxi Teheran“ voll die Welle gemacht, nach der Berlinale kannte ihn jeder. Der Held, dem sein Beruf verboten wurde. Mohammad Rasoulof geht es genauso, nur hat keiner Mitleid, weil ihn keiner kennt. Er hat, teilweise in Hamburg und ohne die Namen seiner Schauspieler zu nennen, einen weniger nach Pop Art aussehenden Film über den Zustand seines Landes gemacht. Er tut so, als wäre das Morden normal, irgendeinen Job muss man ja machen, um sein Kind medizinisch versorgen zu können. Zwei Killer, die aussehen wie Verkäufer in der Dönerbude (oha, ich provoziere), drei Intellektuelle, die Fäden werden zueinanderfinden – und zwar auf leicht verständliche, beeindruckende Art und Weise. Morteza und Khosrow suchen die Kopien eines Manuskriptes, das eine unglaubliche Geschichte erzählt. 1995 waren 21 Schriftsteller im Bus auf dem Weg zu einer Konferenz in Armenien, und sollten dort nie ankommen. Man wollte eine Menge unbequemer Männer auf einmal loswerden. Klappte nicht und hat ein Nachspiel. Sollte man ansehen! Richtig gut sind die stillen Momente, in denen man die Gedanken der Leute spürt.
 



KLEINE GRAUE WOLKE
AB 24.09. // CASABLANCA
Eine Doku. Wenn sie gut ist, nehmen wir sie immer gern. Oder wenn sie Mut macht, wie diese. Die Regisseurin hat selbst MS, diese sonderbare Krankheit, die das zentrale Nervensystem schädigt, das eigene Immunsystem sich gegen dich wendet. Im Ergebnis ist Multiple Sklerose höchst unterschiedlich und passiert außerdem in Schüben. Im Vergleich hat Sabine fast nichts, die Interviewten finden ihre Symptome eher putzig. Doch ist der Weg ein anderer als der den sie vor hatte. Was passiert, wenn wir mit der grauen Wolke, ja, einem ganzen Regenhimmel leben müssen? Die Oma hat ihr früher zum Geburtstag immer viel Gesundheit gewünscht, das kennen wir alle. Doch wir rechnen nicht mit Krankheit. Und wenn sie dann kommt? Ignorieren oder Mund aufmachen? Ich hatte das Gefühl, diese Doku kann man universell sehen. Dankeschön Sabine, und alles Gute.
 



DER VATER MEINER BESTEN FREUNDIN
AB 24.09. // CINECITTA + CASABLANCA
Kennt Ihr das? Da dreht und wendet man was, weil man denkt, das muss doch gut sein. Da spielt Vincent Cassel und Francois Cluzet mit. Das soll eine Komödie sein. 17-Jährige verliebt sich in den coolen Papa ihrer Freundin und er tölpelt durch ihre Fallen. Hund und Schwein werden getötet, so wie jeglicher Sinn für Sinn. Mädchen, die flennen oder verführen, sind nicht besonders abwechslungsreich. Ältere Herren mögen das anders sehen. Was für ein ekliger Schwachsinn.
 
 




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