Udo Kloos und das Design #1: Gestaltung

MONTAG, 1. JUNI 2015

#Design, #Kolumne, #Neoos, #Udo Kloos

curt macht sich Gedanken ums Design. Glaubhaft ernsthaft, und irgendwie schon immer. Und darum wollen wir in unser
magazin einen neuen Pflocken einschlagen – im Form einer Kolumne über Design. Über Design im weitesten Sinne und in
unserem alltag. Ob das so einfach gelingt?

 

„DIE GESTALTUNG“ – EIN SCHÖNES WORT. JEDER SPRICHT DESIGN, ODER?

Jeder rührt bekanntlich in seiner Suppe: unmittelbar nachvollziehbar wird der schöpfende Prozess vor dem weißen Blatt Papier, das einen anstarrt und herausfordert. Hier mein versuchter Schulterschluss mit den Schreibern und Textern. Der Designer sollte die Prosa sich nicht zur Aufgabe machen. Als Gestalter bin ich aber von Natur aus neugierig, also ein erster Versuch. Ich ziehe dabei den Hut vor Kolumnisten, denen – wie mir scheint – mit leichter Hand gelingt, die Leser bei der Stange, sprich an der Zeile kleben, zwischen den Zeilen lesen und mit einem bereichernden Gedanken in die Welt ziehen zu lassen.

Seit wenigen Monaten passt curt, der ehemalige Eventradar, nicht mehr in die Hosentasche. Und das ist besser so. (Nicht, dass mit dem Umstieg auf das neue Format nur das Erwachsensein zum Ausdruck gebracht wurde. Denn das war ja schon davor gelungen, indem man z.B. den Egers zuverlässig in die Pflicht nahm. Oder Natalie de Ligt, die sich gut darin versteht, die Kunst und Kultur im Großraum treffend abzubilden.) Denn Kultur braucht Platz. Also wächst das Magazin und wird konzeptionell sowie inhaltlich stetig neu gestaltet. Gestaltung, quasi auf der Metaebene. Und das, während andere Printmedien abspecken.

Gut gut, nicht genug. Nun darf, kann, soll sich also im Seitenspiegel auch das frische Pflänzchen Design fest einnisten. Ausgerechnet Design - in der Wahrnehmung Fachkundiger ein oft zu unrecht strapazierter Begriff: „Jetzt, mit neuem Design?“ Und fragt dann beispielsweise der gemeine Durchschnittsjemand, wozu das Etwas an dem Gegenstand da so sei, und die Antwort würde quittiert mit „Das ist halt das Design“, dann könnte es für den Designer kaum eine geringschätzendere Beurteilungen geben. Denn das Dings wird nicht verstanden. Im Gegensatz dazu steht die glanzlose Plausibilität – in meinen Augen die Krönung. Man begreift bei dem Selbstverständlichem nicht unbedingt mehr, aber es passt – und irgendwie mag man es.

„Begreifen“, ein schönes Wort. Jenseits des Ärmelkanals tun sich die Insulaner mit dem Designbegriff leichter. Design ist enger und selbstverständlicher an die Handlung, nämlich das Gestalten, geknüpft. Gestaltung, auch ein schönes Wort. Es kommt von der Gestalt, so wie die Handlung von … egal.

Ist etwas gestaltet, nur weil es den Begriff Design trägt? Oder ein Designer Hand angelegt hat? Schärft man seine Sinne, dann ist tatsächlich vieles gestaltet, irgendwie. Besser noch: jeder kann es, und jeder tut es. Mit umfangreicher Baumarktausstattung oder in kleinen Handlungen. Selbst in der Stadtplanung mit Entscheidungen wie darf da noch ein Parkplatz hin, oder gleich ein ganzes Parkhaus? Oder vielleicht ein kleiner Park, wenn statt Parkhaus eine Tiefgarage? Da wird der Entscheidungsträger, egal, ob Stadtverwaltung oder Bauträger, zum Gestalter. Ein mutiger Bürgermeister in Lyon hat es z.B. vorgemacht: alle Parkhäuser wurden zu einem offenen Platz mit Tiefgaragen darunter - das geht, wo der Wille antreibt.

Was bietet die Europäische Metropolregion Nürnberg in punkto Design, wo walten bei uns sichtbar die gestaltenden Kräfte? Man liest, es sei ein attraktiver Standort. Tatsächlich? Oder eine aufschlussreiche Diskrepanz von Innensicht und Außenwahrnehmung? Bekanntlich halten die Mittelfrankendesigner den Ball flach, ganz im Gegensatz zu den „mia san mia“-Oberbayern. Die scheinen – von der umgebenden barocken Bilderwut her dem blau-weißen Himmel näher – ihr eigenes Selbstverständnis zu haben. Und hier? Der Designer versteckt sich zwar nicht, will aber eher entdeckt werden. Das ist nicht der Rede wert, oder doch?* Mit einem Loblied an die Gestaltung will ich die Lust befördern, am stetigen Wandel unmittelbarer teilzuhaben - nichts anders ist das Leben. So, wie ich mich an dieser Kolumne versuche!

Und Du, lieber Leser, was machst jetzt Du? Stell Dir einfach mal was vor. Wünsch es Dir. Und handle. In anderen Städten wurden Unorte wie Park-hausdächer mit urban gardening begrünt. Das geht in unserer Stadt einiges, da ist bei uns noch viel Luft nach oben … zumindest gedanklich. Unser Unort Plärrer zum Beispiel: wie wäre es mit einem kleinen, temporären Eis-Pavillon im Sommer, oder eine Halfpipe im Kreis, während der Verkehr es dem Skater gleich tut. Eine Kletterwand mit Ausblick, quasi diametral zum Querverkehr. Oder eine Autoscooterbahn - während die einen drumherum griesgrämig im Verkehrsstau verharren, entlädt sich Freude am Fahren direkt daneben ...

Abschließend sei ein Grafitti neben dem Kaugummiautomaten in der Rosenau erwähnt: „Denk nach, tu was!“ (frei nach Hegel?) Sprich: Denken ist wichtig - Handeln die Folge. Macht Euch die Welt, so wie-di-wie sie Euch gefällt!

* Doch, natürlich. Mehr zu unseren Designern sicher in dieser Kolumne.


UDO KLOOS UND CURT – WIE KOMMT´S?
curt und Udo sind schon lange in Kontakt, direkt und indirekt. Direkt, denn über die wechselnden Aktionen in seinem  neoos Schauraum hatten wir schon immer berichtet – zuletzt über den wunderbaren, jedoch nur temporären Einzug des Inklusionskiosks HEIMAT.
Und indirekt. Mit seinem neoos Planungsbüro gestaltete und konzipierte er u.a. die Räumlichkeiten der Mischbar, der BLOK Bar, des glore Stores ... Wie schön, das sind zufälligerweise alles curt-Freunde.
Auch als curt letztes Jahr Medienpartner von FRISCHES DESIGN auf AEG war, war Udo unser Ansprechpartner. Kurz & gut: für unsere schon lange geplante Kolumne zum Thema Design war er unser Wunschkandidat. Schön, dass Du nun dabei bist, Udo, alter, neuer Freund!

Mehr dazu: Hier bei uns und auf www.neoos-design.com.




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