19. Internationales Figurentheater-Festival

8. MAI 2015 - 17. MAI 2015

#Kunst, #Theater, #Theater Salz und Pfeffer

65 Kompagnien, 20 Länder, 130 Vorstellungen, 10 Tage, 3 Städte, 1 Festival – Das Internationale Figurentheater-Festival gehört zu den wichtigsten Plattformen für zeitgenössisches Figuren-, Bilder- und Objekttheater in Europa.

Bei Figurentheater denken viele Menschen oft nur an Kasperle, Gretel, den Polizisten, das Krokodil, Kater Mikesch, Urmel, Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer, die Handpuppen und Marionetten aus ihrer Kindheit. Dabei ist die Welt des Figurentheaters weit mehr als nur Kasperletheater. Die Form des Theaters ist seit Jahrtausenden in fast allen Regionen der Welt als eine vielfältig geprägte Kunstform für Erwachsene zuhause. Gespielt werden klassische Dramen, Komödien, Grotesken, Trauerspiele, Operetten, Opern und vieles mehr. In ihrer Geschichte ist diese Theaterform inhaltlich und äußerlich immer modern und jung geblieben und längst haben neue multimediale Möglichkeiten Einzug gefunden. Laser- oder 3D-Video-Projektoren, Toneffekte im Surround-Sound – moderne Medien sind keine Seltenheit mehr.

Nicht ganz Unschuldig an dieser Entwicklung ist das Internationale Figurentheater-Festival in Nürnberg, Fürth, Erlangen. Seit 1979 werden alle zwei Jahre immer wieder gegenwärtige Genre-Grenzen überschritten und neu geprägt. Aus diesem Grund verweisen die Macher des Festivals gerne auf den Zusatz "Figuren. Bilder. Objekte". Denn neben dem klassischen Figurentheater, das natürlich weiterhin der Bezugspunkt des Festival ist, treffen objekt- und medienorientierte Bühnenkunst auf zeitgenössischen Tanz, Comic, Bildende Kunst und Performancekunst.

Dafür haben die Programmplaner wieder eine hochwertige Mischung weltweit gefeierte Großmeister und hoffnungsvoller Talente unterschiedlichster Genres eingeladen, so dass auch diese Mal wieder mit rund 20.000 Besuchern in den über 15 Spielstätten gerechnet wird. Das macht die Biennale zum größten Festival in Deutschland und einem der wichtigsten Festivals für zeitgenössisches Figuren-, Bilder- und Objekttheater in Europa.
Bereits zur Eröffnung wird zeitgleich in allen drei Städten schweres Gerät aufgefahren: In Erlangen lässt die weltweit berühmte Companie 111 in „Sans Objet“ Artisten mit einem tonnenschweren Roboter aus der Automobilindustrie tanzen, während die Trapezkünstlerin Chloé Moglia das Risiko als Motor künstlerischer Arbeit entdeckt. In Nürnberg drücken Nico and the Navigators und das Puppentheater Halle die metaphorische und klangliche Vielfalt der schönsten Sonette Shakespeares aus und in Fürth wagt das Puppentheater Magdeburg mit einer dämonischen Interpretation des Romans „Der Untertan“ von Heinrich Mann einen tiefen Blick in die „deutsche Seele“.

Der Altmeister des Puppenspiels und Festivalliebling Neville Tranter kommt mit seiner brandneuen Produktion „The King – Downfall of a Superstar“, die nur wenige Tage vor dem Festival Premiere feierte, in alle drei Städte.  Ebenfalls dabei sind die belgischen Großmeister des Bildertheaters, die Compagnie Mossoux-Bonté mit „Whispers“, die niederländische Band BOT mit dem visuellen und musikalischen Abenteuer „Ramkoers“, und die immer zwischen Bildender und Darstellender Kunst vermittelnde Eva Meyer-Keller mit einem Tryout ihrer neuesten Arbeit „Things on a Table“ und ihrer sehr speziellen Kochshow „Cooking Catastrophes“. Die Videoinstallation „Perhaps all the Dragons“ der belgischen Theater-Dokumentarfilmer von Berlin ist ebenso sehenswert wie die grausame und bildgewaltige Theaterüberwältigung „The Pyre“ von Gisèle Viennes. Im Bereich Comic spielt „Pinocchio Sanchez“ des Düsseldorfer Kultduos half past selber schuld, die sich damit knallbunt zwischen Splattermovie und Mockumentary bewegen, oder „Marzo“ von Dewey Dell mit seiner Verbindung aus japanischem Manga und Tanz. Noch mehr Tanz gibt es in der multimedialen Tanzinstallation „MatchAtria“ von Yui Kawaguchi und Yoshimasa Ishibashi, bei der die Herzschläge der Tänzerin direkt in die Hände der Zuschauer übertragen werden. Traumhaft ist die theatrale Traumfeldforschung „Faza REM Phase“ des Figurentheaters Wilde & Vogel und der polnischen Grupa Coincidentia. Mathematisch kommt dem Publikum des Ensemble Les Ateliers du Spectacle, das in „Zum t bei n-1“ versucht, den Sinn des Lebens mathematisch zu ergründen. Das Schauspielhaus Graz bringt  Albert Camus‘ Drama „Das Missverständnis“ als eine Mischung aus Schauspiel und Figurentheater auf die große Bühne. Lustig wird es mit Comedy-Star Michael Hatzius und seiner berühmten Echse. Den Abschluss des Festivals bilden die französischen Bilderstürmer des Théâtre de la Mezzanine, die mit „La Tragédie est le meilleur Morceau de la Bête“ ein Stück über den Ersten Weltkrieg auf die Bühne des Erlanger Markgrafentheaters wuchten.

Die regionale Figurentheater-Szene ist mit mehreren bekannten Stücken und zwei Premieren vertreten. Thalias Kompagnons blasen zur „Elchjagd“, bei der einige untote Puppenköpfe aberwitzige und gespenstische Einblicke ins alltägliche Leben inklusive Beziehungen, Ehe, bürgerliche Ideale und Geister der Vergangenheit geben. Das Theater Salz+Pfeffer sagt „Mahlzeit“ und nimmt das Publikum mit auf einen kulinarischen Streifzug durch die Kulturgeschichte des Essens von österreichischen Spezialitäten über Mohammeds Knoblauchgelüste bis hin zu kannibalischen Riten und dem Publikum Gastgemüseschnibbler. Das Papiertheater Nürnberg inszeniert in „Unerhört“ den Turmbau zu Babel und sucht nach Verständigung zwischen  Gebärdensprache, Sprache der Bilder und der Sprache der Musik. Das Theater Kuckucksheim zeigt erstmals ihre fränkische Fassung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ und Stefan Drücke aus Erlangen ergründet ebenfalls zum ersten Mal in „Parzival – Ich habe den Faden verloren“ den Sehnsuchtsort Theater. Eine Premiere für das Festival ist auch der in Nürnberg stattfindende Puppetry Slam, der von Jana Heinicke und dem aus Theater und Fernsehen bekannten René Marik moderiert wird!
In Kooperation mit dem Institut für Theater- und Medienwissenschaft der FAU Erlangen-Nürnberg gibt das Junge Forum Studierenden die Gelegenheit, eigene Arbeiten zu präsentieren und sich mit dem zeitgenössischen Figurentheater auseinanderzusetzen. Mit rund 20 Vorstellungen spielt auch das Kindertheater eine wichtige Rolle. Im Rahmenprogramm des Festivals werden auch Workshops und Diskussionen angeboten, wie der „double-Diskurs“, das Gründungstreffen der AG Puppenspiel der Deutschen Dramaturgischen Gesellschaft und Inszenierungsgespräche.

Für das 19. Internationale Figurentheater-Festival wird der österreichische Choreograf, Medienkünstler und Komponist Klaus Obermaier in Erlangen ein Parcours entwerfen, der fünf interaktive Installationen an verschiedenen Orten vereint, darunter zum Beispiel „Dancing House“, bei dem Passanten vor dem Palais Stutterheim aufgefordert sind, sich selbst und das ganze Gebäude zum Tanzen zu bringen.  Anlässlich der Ausstellung „#catcontent“ des Kunstpalais Erlangen beschäftigt sich die Berliner Choreografin und bildende Künstlerin Antonia Baehr in ihrer Performance „Abecedarium Bestiarium“ mit einem ABC ausgestorbener Tiere.

Insgesamt werden über 130 Stücke aufgeführt, deren Aufzählung und Sortierung den Rahmen des Artikels sprengen würden. Zu viel und zu gut. Dafür empfiehlt sich das aufmerksame Studium des dicken Programmheftes, das es auch zum Download auf der Webseite des Festivals gibt.

19. INTERNATIONALES FIGURENTHEATER-FESTIVAL
Vom 8. Mai bis 17. Mai 2015, in Erlangen, Nürnberg und Fürth.
figurentheaterfestival.de

TICKETS:  
Die Tickets für die jeweiligen Veranstaltungen sind jeweils einzeln zu kaufen. Es gibt eine Festivalkarte für 9,90 Euro, mit der auf fast alle Vorstellungen 20% Rabatt gewährt wird.




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