Im Gespräch: Frank Wuppinger, Mitveranstalter des NUEJAZZ-Festivals

FREITAG, 27. OKTOBER 2017

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Es ist schon beeindruckend, wie sich dieses Festival in nur fünf Jahren entwickelt hat. Seit letztem Jahr hat curt die Ehre, exklusiver Medienpartner zu sein und eine „curt-Lounge“ zu hosten. Wer hätte gedacht, dass Jazz so eine Offenheit in sich birgt? Nicht nur auf die Medienauswahl bezogen, sondern auch inhaltlich – und musikalisch sowieso! Wie es dazu kommt, erklärt uns NUEJAZZ-Gründungsmitglied Frank.

curt: Was genau macht NUEJAZZ aus? Was ist das Konzept?

Frank: NUEJAZZ macht vor allem aus, dass es ein junges Festival ist. Jung, weil es das Festival erst 5 Jahre gibt.  Außerdem machen wir ein junges Programm. Dabei ist es unser Ziel, spannende internationale Bands zu verpflichten, die gerade auf dem Sprung zu einer großen Karriere sind. Wir wollen unserem Publikum neue Impulse und Strömungen der aktuellen Jazz-Szene präsentieren und vor allem Überraschungen und Entdeckungen bieten.

curt: Was zeichnet Euch, das Veranstalter-Team aus?

Frank: Das markanteste Merkmal ist sicher, im Vergleich zu anderen Festival-Organisatoren, dass wir selbst professionelle Jazzmusiker sind. Wir haben viele Projekte und eben auch Lehraufträge, z.B. an der Berufsfachschule, Fachoberschule und Hochschule. Wir arbeiten in sehr unterschiedlichen Bereichen, wie z.B. Komposition, Unterrichten, Organisation, Live-Spielen und Studio. Ich denke, ein großer Vorteil ist, dass wir eben nicht als „normaler“ Veranstalter wahrgenommen werden. Wir wissen, was Musiker gerne haben, wenn sie zu einem Gig fahren, weil wir das ja selbst ständig erleben. Zudem kommen wir mit vielen Nürnberger Gastronomen, Veranstaltern, etc. sehr gut klar, da wir die meisten ja schon als Musiker kennen. Von daher ist es häufig wie ein kleines Familientreffen.

curt: Wieviele Menschen sind in das Festival involviert?

Frank: Das Festival selbst wird von einem sehr, sehr kleinen Kreis organisiert. Allerdings, wenn’s dann an die Umsetzung geht, sind wir auf die Hilfe von vielen angewiesen. Da kommen Helfer vom Nürnberger Jazzmusiker e.V. dazu, aber auch das Team der Kulturwerkstatt Auf AEG ist voll involviert. Zudem haben wir noch Profis, die die Technik, das Licht und teilweise organisatorische Aufgaben übernehmen. Außerdem haben wir Leute, die die Bands während des Festivals betreuen, mit den Musikern z.B. Essen gehen und auch Fahrdienste zu den Flughäfen übernehmen usw.

curt: Jazz-Fans sind in der Regel keine Youngsters. Und Euer Publikum?

Frank: Unser Publikum ist gemischt und genau das wollen wir. Natürlich ist es schon unser Ziel, ein Programm für junge Leute zu machen. Die älteren Jazzfans sind uns ganz genauso willkommen und wir freuen uns, wenn wir denen mal was ganz Neues bieten können. Die aktuellen Entwicklungen im Jazz zeigen doch, dass die Musik nicht nur was für ein älteres, elitäres Publikum mit Hang zur Hochkultur ist. Es sind ja wahnsinnig viele junge Musiker unterwegs, die super Projekte auf den Weg bringen. Die Bands, die wir präsentieren, transportieren jede Menge Energie und sind auch für Leute, die einen ganz anderen musikalischen Hintergrund haben, eine Entdeckung.

curt: Was sind die Kriterien bei den Bookings?

Frank: Naja, wie gesagt, wir suchen junge, neue Acts, die erstmal unser subjektives Ohr überzeugen. In diesem Sinne machen wir auch ein Festival für uns, denn das sind Bands, auf deren Konzerte wir auch so gehen würden. Da sind sowohl weniger bekannte Acts dabei, wie Leila Martial oder Thomas Pourquery, als auch große Namen, wie Avishai Cohen oder Vincent Peirani und Emile Parisienne.

curt: Gibt es hier auch musikalische Ausreißer?

Frank: Natürlich gibt es die. Letztes Jahr die Band von Stefan Parsborg mit dem Booker T. Tribute, oder Wolfgang Dauner mit seinen 82 Jahren. In den Jazz sind schon immer Einflüsse aus Rock, Blues und Pop, aber auch aus der Klassik eingeflossen. Das spiegelt sich auch in unserem Programm, logisch.

curt: Wer ist komplizierter: Die jungen Wilden oder die alten Hasen?

Frank: Bisher hatten wir noch mit keiner Band Schwierigkeiten. Leute, die viel spielen, wissen oft genau, was sie brauchen. Das macht es leichter. Die haben dann lange Listen mit Anforderungen an die Technik. Wenn diese Listen sehr knapp vor dem Festival erst zugeschickt werden, wird’s schon auch mal hektisch. Für Musiker, die mit dem Flugzeug anreisen, müssen wir oft Instrumente bereitstellen, das ist ein extra Kostenpunkt, den wir anfangs gar nicht so auf dem Zettel hatten. Bisher wollte jedenfalls noch niemand irgendwelche absurden Sonder-Locken, die auf starke Allüren schließen lassen. Es gibt ein paar Dinge, für die muss gesorgt sein, das wissen wir als konzertierende Musiker selbst. Dazu zählt – ganz wichtig – was Gutes zum Essen, gute Organisation und gute Laune – das ist die halbe Miete. Und darauf legen wir auch Wert.

curt: NUEJAZZ wächst. Was war letztes Jahr neu, was diesmal in 2017?

Frank: Seit letztem Jahr sind wir in der neuen Kulturwerkstatt Auf AEG und haben deutlich mehr Platz. Dem Umzug ist unsere geliebte Late-Night-Abhäng-Location in der Zentrifuge zum Opfer gefallen. Durch Eure curt-Lounge wurde zum Glück Abhilfe geschafften, so haben wir wieder eine schöne Bar dazugewonnen, wo sich Musiker und Besucher wohl fühlen. Dazu kommt die erweiterte Kooperation mit der Gitarrenladen-Institution BTM. Hier wird wie letztes Jahr eine Gitarrenausstellung geboten, wo Gitarrenliebhaber selbst in die Saiten greifen können. Außerdem haben wir dieses Jahr eine zweite Bühne, das Labor, auf der wir bei freiem Eintritt hauptsächlich Nürnberger Bands präsentieren. Dann gibt es noch zwei super Workshops, ein Drum-Workshop mit Amir Bressler und eine Gitarren-Masterclass mit Matthew Stevens. Und eine super Sache wird sicher auch unsere 5-Jahres-Jubiläumsparty mit Beat Thang und Filastine und Nova.

curt: Auch ohne Tickets kann man bei NUJAZZ Musik und Programm genießen, wenn man möchte ...

Frank: Richtig. Da lohnt, wie gesagt, ein Blick ins „Labor“ Auf AEG. Parallel zu den Main Acts im großen Saal kann man sich hier vorwiegend Nürnberger Bands anhören. Das Ganze bei freiem Eintritt. Am Freitag gibt‘s zu später Stunde eine Jam Session in der Weinerei. Außerdem feiern wir am Samstagabend Auf AEG im Anschluss an die Konzerte eine Jubliäumsparty mit den Jungs von Beat Thang, die Filastine & Nova dazugebucht haben. Darauf freuen wir uns schon total!

curt: Schwieriges Thema „Kulturförderung“. Ist die Stadt im Boot, oder seid Ihr komplett auf Sponsoren angewiesen?

Frank: Da fahren wir mehrgleisig, anders wäre das gar nicht zu stemmen. Die Stadt ist im Boot und das ist gut so. Der Freistaat Bayern gibt auch ein bisschen was. Wir haben aber auch große Unterstützung aus der freien Wirtschaft. Ohne die Sponsoren könnten wir das Festival nicht realisieren, ganz klar. Für die Sponsoren ist das Engagement der Stadt aber auch ein wichtiges Signal, denn die Tatsache, dass die Stadt als stabiler Partner langfristig im Boot ist, motiviert auch Firmen, sich zu engagieren. Die Kalkulation ist trotzdem total auf Kante genäht, das liegt einfach in der Natur der Sache. Wir wollen die Eintrittspreise moderat halten, das ist uns wichtig. Dann gibt es uns ja auch erst fünf Jahre, da muss man sich auch erst mal beweisen. Andere Jazz Festivals wie etwa Moers, Saalfelden oder Burghausen gibt es ja mittlerweile schon seit mehr als 30 Jahren.

curt: Jazz und Nürnberg: Man kann von einem echten Aufwärtstrend reden. Woran liegt‘s?

Frank: Ich habe schon auch das Gefühl, dass Jazz gerade wieder mehr als „coole“ Musik wahrgenommen wird und nicht mehr so in der angestaubten Ecke steht. Das liegt eben an den Bands, die heutzutage nicht mehr ausschließlich Standards spielen, sondern den Jazz eher als große Etüde sehen und mit ihren musikalischen Fähigkeiten auch ganz andere Felder wie Pop, Rock, Elektro, etc. bearbeiten und das dann auch zeitgemäß verpacken. Außerdem gibt es immer Festivals, die solche Bands präsentieren. Andere Veranstalter sehen das auch und haben dann den Mut, vermehrt Jazz zu veranstalten. Wir hoffen sehr, mit NUEJAZZ hier Impulse setzen zu können. Das ja quasi unsere Kernkompetenz.

curt: Vor dem Festival ist nach dem Festival. Plant Ihr bereits an 2018?

Frank: Wir arbeiten durch. Natürlich nicht auf allen Baustellen, aber ich habe meine Liste mit interessanten Bands und mit denen nehme ich Kontakt auf, wenn es gerade passt. Auch den Termin für das Opernkonzert müssen wir ziemlich früh festmachen, die Bühne hat ja ihre eigenen Planungszyklen. Die Messe Jazzahead in Bremen im Februar ist immer noch ein wichtiger Meilenstein. Da treffen wir Musiker, Agenturen, andere Profis aus dem Bereich. Die Sponsoren brauchen aktualisierte Konzepte, die Kinderkonzerte in den Kindergärten und Tagesstätten wollen organisiert sein. Uns geht die Arbeit das ganze Jahr lang nicht aus.

IM GESPRÄCH MIT CURT: FRANK WUPPINGER, 44
1991 - 1995  Indie & Rockprojekte, Touren/Auftritte bundesweit
1995 - 1997  Studium an der Neue Jazzschule in München
1998 - 2005  Studium an der HfM Nürnberg
2002 - 2005  Gründungsmitglied des „Treibhaus am Himmel Festivals“  (heute Brückenfestival)
2002 - 2007  diverse Touren durch Europa mit Wuppinger & l‘Orchestre Europa
2007  Verleihung des Kulturstipendiums der Stadt Nürnberg an Wuppinger & l‘Orchestre Europa (heute Frank Wuppinger Arkestra)
2007 - heute  nat./internat. Auftritte mit dem F. Wuppinger Arkestra + anderen Projekten
2013 - heute  Gründungsmitglied NUEJAZZ Festival
2014 - heute  Div. Projekte, u.a. Coskun Wuppinger Duo, TeleCommander Music, NUEJAZZ for Kids


NUEJAZZ 2017 - Internationales Jazz Festival Nürnberg.
Vom 8. bis 12. November in der Kulturwerkstatt Auf AEG und im Staatstheater Nürnberg/Oper, Nbg.
www.nuejazz.de
Tagestickets ab 17,50 (norm.) im VVK (über die Website) und AK.

PRÄSENTIERT VON CURT – darum vergeben wir Tickets:
Einfach eine E-Mail mit dem Betreff “NUEJAZZ Festival” und den oder die gewünschten Konzerttage(n) an Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst senden und Daumen drücken. Teilnahmeschluß ist der 1. November 2017.


PROGRAMM

MITTWOCH, 8. NOVEMBER
19:30  Grußwort
19:30  Shai Maestro Trio
21:30  Thomas de Pourquery Supersonic

DONNERSTAG, 9. NOVEMBER
18:30  Coskun Wuppinger Duo (Labor)
19:30  Max Andrzejewski’s Hütte & Homegrown Organic Gospel Choir
21:00  Coskun Wuppinger Duo (Labor)
21:00  Vincent Peirani & Emil Parisien
22:00  Koala Kaladevi (Labor)
22:00  Harold Lopez Nussa Trio

FREITAG, 10. NOVEMBER
15:00  Amir Bresler Workshop
19:30  Mark Guiliana Quartet (Opernhaus)
21:00  Avishai Cohen Quartet (Opernhaus)
23:00  Late Night Session (Weinerei)

SAMSTAG, 11. NOVEMBER
15:00  Workshop Matthew Stevens
18:30  Flinkfingro  (Labor)
19:30  Leïla Martial „Baa Box“
21:00  Flinkfingro (Labor)
21:00  Matthew Stevens Preverbal Trio
22:00  Flut (Labor)
22:00  The Bellevue Nurses
23:00  5 JAHRE NUJAZZ Party

SONNTAG, 12. NOVEMBER
15:00  NUEJAZZ for Kids: Tin Men and the Telephone
19:30  Christian Elsässer Jazz Orchestra




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