So ein Theater ... im September

FREITAG, 1. SEPTEMBER 2017

#Dieter Stoll, #Gostner Hoftheater, #Hubertussaal, #Kultur, #Opernhaus, #Staatstheater Nürnberg, #Stadttheater Fürth, #Tafelhalle, #Theater, #Theater Erlangen

Nach der grossen Bühnensommerpause mit unfreiwilliger Fastenkur für Theaterfreunde ist das Publikumsbauchgefühl jedes Jahr um diese Zeit für Aufbaukost empfänglich. Am Opernhaus wird vorsichtig mit Koloratur-Pralinen, dem „Norma“-Naschwerk der vorigen Saison angefüttert, das Nürnberger Schauspiel und das Fürther Theater proben lieber noch ein wenig hinter verschlossenen Türen. Dafür haben das Gostner Hoftheater und die Tafelhalle wieder mit den ersten ambitionierten SaisonPpremieren die Nase vorn, gefolgt von zwei neuen Produktionen des Erlanger Theaters, wo Friedrich Dürrenmatts Zwangsjacken für Wissenschaftler vom Garderobenständer der klassischen Moderne gelüftet werden. Es bleibt zuvor genug Freizeit, um schon mal begehrliche Blicke hochrechnerisch auf die vermutlichen Highlights der kommenden zehn Monate zu werfen.


LEICHTE ZWANGSJACKEN FÜR WISSENSCHAFTLER UND AUSBLICK AUF HÖHEPUNKTE

STAATSTHEATER NÜRNBERG
SAISON-START: Man kann und mag sich Vincenzo Bellinis Kehlkopfartistik der Oper NORMA ohne Extrem-Stimme für die Titelrolle gar nicht vorstellen. Muss man in Nürnberg auch nicht, denn die Sopranistin Hrachuhí Bassénz, in der neunten (und vermutlich letzten) Saison Mitglied im Opernhaus-Ensemble, bevor sie zur entfesselten Opernweltkarriere aufbricht, gehört zur überschaubaren Auslese der Sängerinnen, die den exorbitanten Ansprüchen dieser Partie gewachsen sind. Ehe sie wieder als Mimi mit den eiskalten Händchen zu Puccinis „La Bohéme“ wechselt, nimmt sie nochmal für allerdings nur zwei Vorstellungen (22.09. und 09.10.) die besondere Herausforderung an. Am 30.09. und 03.10. springt Katia Pellegrino, die gefeierte Norma vom Opernhaus Essen, ein. Dass das vorchristliche Tragödienspiel um eine zölibatäre Priesterin mit zwei Kindern und wankelmütigem Liebhaber in der Pariser Leihinszenierung des doch etwas überschätzten Regie-Stars Stéphane Braunschweig nicht recht zündet, kann dem musikalischen Genuss nicht viel anhaben. Die legendäre Callas-Rolle, zuletzt auch von Cecilia Bartoli in Salzburg erobert, hat im dunklen Timbre der Bassénz-Stimme (und laut Kritiken auch bei Pellegrino) unverwechselbare Qualitäten. GMD Marcus Bosch leitet die Wiederaufnahme mit dann bloß noch drei Folgeaufführungen.
Termine: 22. und 30. September, 3. und 9. Oktober im Opernhaus.

EINFÜHRUNGEN: Für die Einstimmung zur Neuinszenierung von Ödön von Horvaths „Kasimir und Karoline“ tritt das Team um Regisseur Georg Schmiedleitner im Schauspielhaus-Foyer zur Sonntags-Matinee an: 24. September, 11 Uhr. - - - Regiegast Calixto Bieito und Generalmusikdirektor Marcus Bosch erklären, was sie mit der speziellen Nürnberger Schrumpffassung der nach allen Richtungen ausufernden Grand Opéra „Die Trojaner“ des Hector Berlioz vorhaben: 27. September, 19 Uhr, Gluck-Saal im Opernhaus. - - - Am 1. Oktober stellt Ballettdirektor Goyo Montero mit seiner Compagnie unter „Auftakt!“ die Pläne der neuen Saison und ihre Akteure im „offenen Training“ vor: 11 bis 13 Uhr Opernhaus.

SAISON-HÖHEPUNKTE IM OPERNHAUS: Schon die erste Premiere könnte die Spektakulärste werden. Hector Berlioz‘ DIE TROJANER, wegen der Ansprüche an Musiker, Stimmen und Szenen gelegentlich als „der französische Ring“ gerühmt. Nürnberg hatte das kolossale Werk noch nie im Spielplan, jetzt soll der große, internationale Regie-Aufmischer Calixto Bieito, von dem wir am Opernhaus die spektakulären Inszenierungen „Turandot“ und „Aus einem Totenhaus“ sahen, für eine aufregende Erstbegegnung sorgen (ab 18. Oktober). - - - Bernd-Alois Zimmermanns Jahrhundert-Oper SOLDATEN, immer noch Inbegriff der Moderne, galt nach der Entstehung etliche Jahre als „unaufführbar“, aber nach Köln und Kassel (und weit vor Berlin und München) hat es Nürnbergs Opernhaus zu Zeiten von GMD Hans Gierster anno 1974 bereits gewagt, Hans-Peter Lehmann arrangierte das komplexe Projekt diskret reduzierend. Nun wird der nicht grade konventionelle Regisseur Peter Konwitschny, der vorige Saison hier Mussorgskijs „Boris Godunow“ und Verdis „Attila“ das Fürchten lehrte, das Multimedia-Meisterwerk in Collage-Technik neu deuten (ab 17. März). - - - Längst wieder überfällig und oft vergeblich angemahnt: Mozarts IDOMENEO, ein sprödes Stück mit genialer Musik, wurde seit rund 50 Jahren im Nürnberger Spielplan ausgeklammert, obwohl zum Beispiel Christof Prick in seiner Zeit als Philharmoniker-Chef danach verlangte. Zum Politikum geriet das Werk in einer Berliner Neuenfels-Inszenierung, wo der Regisseur die Religionsführer als aggressive Legenden allesamt kopfaufwärts abräumte. David Bösch, sonst zwischen Wiener Burgtheater und Münchner Staatsoper unterwegs, führt in Nürnberg Regie (ab 17. Februar). - - - Zum Amüsieren wird auch nachgelegt: Franz Lehárs Grisetten- & Champagner-Hommage DIE LUSTIGE WITWE ist (ab 5. November) wieder mal als Operetten-Bonbonniere dran, und eine Art Quersumme seiner Bemühungen um den New Yorker Oldie-Abglanz lässt Intendant Peter Theiler mit der zweifellos stepfreudigen Auftragsshow THE LIGHTS OF BROADWAY von und mit Gaines Hall plus Spezial-Ensemble (ab 29. Dezember samt doppelter Silvester-Bespaßung) ziehen.

SAISON-HÖHEPUNKTE IM SCHAUSPIELHAUS: Ob Ödön von Horvaths KASIMIR UND KAROLINE zum Saison-Höhepunkt taugt, muss man abwarten – aber bei der Regiebesetzung ist mehr Symbolik kaum möglich. Der Österreicher Georg Schmiedleitner, der im Jahr 2000 die erste Saison der Direktion Klaus Kusenberg spektakulär mit Shakespeares „Margaretha di Napoli“ eröffnete und dann bald mit einer radikalen Deutung der Horváth‘schen „Geschichten aus dem Wiener Wald“ nachlegte, kommt wieder zum Start der 18. und letzten Kusenberg-Spielzeit am 6. Oktober. Horváth-Facharbeiter ist er allemal, das eben in Endproben befindliche Stück hat er zuletzt 2012 in der Wiener Josefstadt inszeniert. Kusenberg selbst verzichtet zum Finale auf Klassik-Hochkultur wie die eigene Shakespeare-Dramen-Fixierung der letzten Jahre (Hamlet, Lear, Römische Trilogie) und rückt seine Neigung zu zeitgenössischen Autoren in den Vordergrund: ABGEFRACKT vom britischen „Feelgood“-Autor Alistair Beaton als Deutschland-Premiere (21. Oktober) und Joel Pommerats 19-teiliges, ganz der Liebe zugewandtes Szenen-Puzzle DIE WIEDERVEREINIGUNG DER BEIDEN KOREAS aus Frankreich im Geiste von Schnitzlers „Reigen“ und Bergmans „Szenen einer Ehe“ (16.12.) werden seine letzten Regie-Taten für Nürnberg sein. Am Ende ist auch hier Showtime: Szenen einer Ära als rausschmeißerische Häppchen-Revue unter GLÜCK GEHABT im Juli und zuvor im Juni noch der hausgemachte Song-Sampler RAUMSTATION SEHNSUCHT, wo sich unter Anleitung von Bettina Ostermeier und Friederike Engel die Ohrwürmer entlang am abrufbaren Gesangstalent des Ensembles kringeln.

STAATSTHEATER NÜRNBERG
Richard-Wagner-Platz 2-10, Nbg
staatstheater-nuernberg.de


GOSTNER HOFTHEATER

PREMIERE. Der erfolgreiche Unternehmensmanager hat seine Jugendzeit verdrängt, aber sie meldet sich per Post und mit Handy-Bilddokumenten aufdringlich zurück: Nacktfotos aus der Zeit am Elite-Internat. Er erinnert undeutlich, verschweigt seinem Umfeld aber die vermutete Erpressung und sucht Spuren des anonymen Absenders. Thomas Melles BILDER VON UNS ist als Thriller angelegt und beschwört die Macht der Vergangenheit, die den Protagonisten umschlingt. Denn während er noch diskret die eigene Biografie schützen will, steht er plötzlich im Mittelpunkt eines landesweiten Missbrauchsskandals. Die Nähe zur Realität des letzten Jahrzehnts, kürzlich erneut bestätigt durch die Untersuchungsbilanz bei den Regensburger Domspatzen, ist nicht zu übersehen. Heike Frank inszeniert die Vorlage des vielfach ausgezeichneten, eben erst zum „Stadtschreiber“ von Bergen-Enkheim (Frankfurt) ernannten Autors mit Videobühne und Fünf-Personen-Ensemble.
Premiere: 16. September im Gostner Hoftheater. Weitere Vorstellungen 20.9. bis 13.10 jeweils von Mittwoch bis Samstag.

SAISON-HÖHEPUNKTE. Vielleicht wird die Deutschland-Premiere der Dramatisierung von Elisabeth Steinkellners RABENSOMMER (… über den Aufbruch ins Leben) im Januar ein Highlight. Oder im April Rebekka Kricheldorfs IN DER FREMDE (… über Sex, voll deftiger Sprüche und skurriler Gestalten). Auf alle Fälle aber die Wiederaufnahme von Marius von Mayenburgs unwiderstehlich kitzeliger Zeitgeistsatire STÜCK PLASTIK im November.

GOSTNER HOFTHEATER.
Austr. 70, Nürnberg
gostner.de


HUBERTUSSAAL

GASTSPIEL. Nicht einfach nur ein Konzert, sondern „weltmusikalisches Schauspiel“ mit Geschichten und Gesang bietet das Quartett GANKINO CIRCUS aus dem fränkischen Dietenhofen, das sich den Ruf der Bühnen-Anarchie selbst in München redlich erworben hat. IRRSINN UND IDYLL ist der Titel des neuen Programms, das heimatkundlich übermütig ins volle Menschenleben greift. „Verrückt, brillant“, schwärmte ein Kritiker der Süddeutschen Zeitung über die musiktheatralische Wort- und Klang-Mixtur.
Nachprüfbar: 30. September im Hubertussaal.

HUBERTUSSAAL
Dianastr. 28, Nürnberg
gostner.de


TAFELHALLE

PREMIERE. Im Vorjahr setzte Regisseur Barish Karademir mit der Deutschland-Premiere von Falk Richters „Je suis Fassbinder“ ein starkes Zeichen, jetzt ist er wieder vornedran mit einem „kapitalismuskritischen Stück“ aus dem Jahr 2013. ZERSPLITTERT – ALEXANDRA BADEA hebt die rumänisch-französische Autorin mit in den Titel der Inszenierung, die aus den Szenen um Globalisierungsängste und Entfremdung der Alltagsabläufe (Merksatz: „Wenn du dich heute bei der Arbeit nicht bemühst, wirst du dich morgen bemühen, Arbeit zu finden ...“) offensichtlich auch ästhetisch mehr erreichen will als bloß multimedial aufgerüstetes Schauspiel wie 2016 bei der letzten großen Produktion am Staatstheater Hannover, wo alle um einen großen Tisch voller aufgehäufter Konsumierunordnung versammelt waren. Zuvor in Graz turnten die Akteure skandierend an Spielplatz-Kletterstangen. In der Tafelhalle bei Karademir werden drei Tänzerinnen und vier SchauspielerInnen spartensprengend das erweiterte Ensemble bilden. Auf Videostütze muss man dennoch nicht verzichten.
Premiere: 22. September. Später noch weitere Vorstellungen in der Tafelhalle.

FESTE GRÖSSEN. Abendfüllende Choreographien vom ehemaligen Montero-Tänzer Malcolm Sutherland (UNDER THE KNIFE), von Barbara Bess und ihrer WildeverwandteProduktion (DA DA IST. WIR SIND), von der Gruppe co>labs (PARADIES 3.0), von Sebastian Eilers‘ SETanztheater (IN FRANKEN, BEI DEN STEINS), dann im Duett Neues von Alexandra Rauh und Gunnar Seidel sowie Katja Kendler und Eva Borrmann.

TAFELHALLE
Äußere Sulzbacher Str. 62, Nbg
tafelhalle.de


THEATER ERLANGEN

PREMIERE. Vorige Saison startete das Erlanger Theater mit Max Frischs seit rund 60 Jahren zirkulierender Parabel „Biedermann und die Brandstifter“ (und Nürnberg zog zum Spielzeit-Ende nach), jetzt – auf den Tag genau ein Jahr später – hat Intendantin Katja Ott den ebenfalls aus der Schweiz stammenden Partnerbestseller der deutschsprachigen Bühnenliteratur in schulklassischer Moderne zum Zugpferd des neuen Angebots ernannt: Friedrich Dürrenmatt. Mit DIE PHYSIKER war dem vielseitigen Autor, der absurdes Theater und konkrete Krimispannung gleichermaßen beherrschte, 1962 ein nervenkitzelndes Begleitdrama der gesellschaftlichen Ängste vor der Unkalkulierbarkeit des sogenannten Fortschritts geglückt. Atomwissenschaftler in Zwangsjacken als rätselhafte Insassen einer Heilanstalt. Stoff für große Diskussionen und große Schauspieler. Therese Giehse war die prägende „Irrenärztin“, das Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd im Mittelpunkt. In Nürnberg wurde das Stück mehrfach inszeniert, zuletzt mit Ulla Willick. Die Erlanger Neuproduktion von Dominik Günther (Reise-Regisseur zu gehobenen Adressen in Deutschland und Österreich) muss beweisen, dass nach 55 Jahren die Untergangsparabel immer noch über den Komödieneffekt hinaus wirkt – und sie beruft sich schon mal auf ein sehr theoretisches Bekenntnis zur atomwaffenfreien Welt, das Barack Obama 2009 ablegte. Aktuellere Twitter-Botschaften aus dem Weißen Haus gibt es dazu nicht. Die Besetzung für‘s manipulative Fräulein Doktor jenseits aller Damenhaftigkeit lässt Lust auf Travestie-Zuspitzung ahnen – hier spielt Martin Maecker, bei „Nathan der Weise“ war ihm der Rock noch kuttenformatig in der Rolle des Klosterbruders zugeschrieben. Wie sagte Dürrenmatt, der nicht über die Physik sondern über deren Auswirkungen diskutieren wollte, so schön: „Ein Drama über die Physiker muss paradox sein“.
Premiere: 22. September im Markgrafentheater, Erlangen. Weitere Vorstellungen: 2. und 3. Oktober.

PREMIERE: Ein Mann in Paris verliert erst seine Arbeit, dann seine Wohnung, letztlich das Leben, das er zu kennen glaubte. Ein parkendes Auto wird sein Fluchtquartier, die wachsende Solidarität der Menschen „gegen die gesellschaftliche Ungleichheit“ bleibt die einzige Hoffnung. In DIE BLEICHEN FÜCHSE hat der 50-jährige, französische Autor Yannick Haenel die Utopie einer von Identität befreiten Welt entworfen. Leonie Kubigsteltig gewann mit ihrer Bearbeitung des Romans und dem Aufführungskonzept den Regie-Nachwuchswettbewerb „Utopie unbekannt“ und realisiert die Vorlage, die Migration als Phänomen von Jahrhunderten beschreibt und die Verbindung von Kontinenten und Zeitaltern beschwört. Die Gruppe der „bleichen Füchse“ verbrennt dabei erst mal alle Ausweispapiere.
Premiere: 23. September. Weitere Vorstellungen 29./30. September im Theater in der Garage.

SAISON-HÖHEPUNKTE: Vielleicht das Dokumentartheater-Projekt #MEINUNGSMACHER von Hans-Werner Kroesinger, der als einer der bedeutendsten Vertreter dieser Form von Theater gilt und 2016 mit „Stolpersteine Staatstheater“ aus Karlsruhe zum Berliner Theatertreffen eingeladen war. - - - Oder auch zum Vergleich mit Nürnberg die Erlanger Version von KASIMIR UND KAROLINE in Regie von Mirja Biel - - - Nach „Frau Müller muss weg“ bleiben die Erlanger der erfolgreichen, wenn auch künstlerisch, gelegentlich angezweifelten Realo-Komödiantik von Lutz Hübner und Sarah Nemitz treu. WILLKOMMEN ist der Titel des neuen Stückes, das in einer WG von Mittdreißigern spielt und süffisant „das Selbstbild der Deutschen“ mit der Flüchtlingsfrage konfrontiert. Katrin Lindner inszeniert. - - - Spaß muss sein: I‘M A LOSER, BABY, Liederabend über‘s Gewinnen von Ekat Cordes. Auch Eike Hannemann, der mit seinem Format der „Live-Hörspiele“ in Nürnberg mit „Winnetou“ und in Erlangen mit „Werther“ riesigen Erfolg hatte, könnte einen Treffer landen – er dramatisiert (nach Buch, Gostner Hoftheater und Akin-Film) für seinen minimalistischen Zugriff Wolfgang Herrndorfs TSCHICK nochmal neu.

THEATER ERLANGEN
Theaterplatz 2, Erlangen
theater-erlangen.de


THEATER FÜRTH

THEATERFEST/THEATERFESTIVAL: Vorgezogener Spielzeit-Auftakt am 24. September. Ganztägig Spektakel mit Unterhaltungsangeboten, Kunstkostproben und Künstler-Talk im Stadttheater. Knapp acht Monate später nach dem kleinen Fest das große Festival – vom 6. bis 23. Juni 2018 wird der Gipfel der Saison gestürmt: Da reisen nacheinander fast alle Bühnen des Freistaats zu den Bayerischen Theatertagen 2018 in Fürth an. Künstlerisch wie organisatorisch ziemlich viel Herausforderung. Das Spielzeit-Motto passt: „Nur Mut!“

ERSTE PREMIERE. Die besondere Aufmerksamkeit des Fürther Intendanten Werner Müller gehört der Sorte Musical, die das Drama hinter der Show sucht. Da hat er neben Auftragswerken auf der Nahtstelle zur Revue (wie im Frühjahr das auch diese Saison wiederkehrende Jubiläums-Musical Luther – Rebell Gottes) schon mehrfach Fundstücke vom alternativen Broadway präsentiert. Erstklassige Besetzungen aus dem Pool deutschsprachiger Spezialisten waren die wichtigsten Erfolgsgaranten. „Luther“ Thomas Bochert ist einer davon, und er schuf im Duo mit Jerry Marwig die deutsche Fassung von Neil Bartrams DIE STORY MEINES LEBENS nach dem Buch von Brian Hill für den eigenen Gebrauch. Zusammen spielen beide in Regie von Martin Maria Blau die auf Songs gebettete Fiktion zwischen Buchverkäufer und Geschichtenerzähler, die ausgerechnet mit einer Trauerrede nach dem Freitod beginnt. Da kann es ja nur lustiger werden. Ab 18. Oktober.

SAISON-HÖHEPUNKTE: Die Schauspielerin Michaela Domes, in Nürnberg schon mörderische Lady Macbeth und in Fürth trinkfeste Martha in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“, sowie nebenbei auch bei Kleinkunst-Ausflügen geliebt für ihre Interpretation des Schlagers „Schöner fremder Mann“, wird im Januar in Werner Bauers Stadttheater-Inszenierung von Bert Brechts MUTTER COURAGE, der „Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg“ mit der Musik von Paul Dessau, die Titelrolle spielen. - - - Lust auf Komische Oper ist unter Gegenwartskomponisten die Ausnahme. Detlev Glanert hatte sie, aber eine Ausnahme ist er als Künstler ja selber auch. Seine Vertonung nach dem Grabbe-Lustspiel SCHERZ, SATIRE, IRONIE UND TIEFERE BEDEUTUNG gilt als kleines Juwel, wird trotzdem – ausgerechnet wegen seines gefälligen Klangs – selten aufgeführt. Fürth, das Haus ohne eigenes Opern-Ensemble, wagt das Projekt in Partnerschaft mit der Nürnberger Hochschule für Musik. Guido Johannes Rumstadt, dort wie als Kapellmeister am Staatstheater von Lehár bis Verdi und Leiter des Hans-Sachs-Chors in Führungsposition, hat im April den Regie-Routinier Dominik Wilgenbus (kürzlich erfolgreich mit dem Mel-Brooks-Musical „The Producers“ in Regensburg) als Partner für die Umsetzung der plakativen Satire jenseits der Avantgarde-An-
maßungen. Vielleicht ist das Juwel sogar ein Schatz.

STADTTHEATER FÜRTH
Königstr. 116, Fürth
stadttheater.fuerth.de



 




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