Licht, das auf sehr verschiedene Dinge fällt

19. MAI 2017 - 30. JUNI 2017, GALERIEHAUS NORD

#Ausstellung, #Galeriehaus Nord, #Kolumne, #Kunst, #Natalie de Ligt

Dashdemed Sampil und Johann Sturcz im Galeriehaus Nord – Das Galeriehaus Nord hat vier ehemalige Studenten der Malereiklasse von Professor Peter Angermann der Nürnberger Kunstakademie eingeladen. Um es ihrer Kunst in der für Kunst eher schwierigen und nicht gerade mit Großzügigkeit gesegneten Räumlichkeit des Galeriehauses nicht zusätzlich schwer zu machen, wurde beschlossen, die Ausstellung in eine zweiteilige Reihe aufzuspalten. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil es außer der Tatsache, dass alle vier bei Angermann studiert haben, keine Gemeinsamkeiten gibt.

Was ihre malerischen und künstlerischen Ansätze anbelangt, scheinen sie sich in die vier Himmelsrichtungen verstreut zu haben. So stellt selbst die Zweierkombination, immer auch im Hinblick auf die Gegebenheiten des Ortes, welche sich u.a. durch eine springende Deckenhöhe sowie eine nicht minder dominante Treppe auszeichnet, eine Herausforderung da.

Den Auftakt zu der Reihe mit dem Titel „Licht, das auf die Dinge fällt“ machen Dashdemed Sampil (*1971, Songino Sum, Mongolei) und Johann Sturcz (*1977, Pecs, Ungarn). Ab 19. Juli kommen dann Axel Gercke und Changhee Nam zum Zug. Während Sampil ein Bildfinder und Bilderfinder geblieben ist, der seiner Malerei und seinen Motive kein erkennbares Theoriegebäude zugrunde legt, erschafft der Kollege Sturcz zwar auch Bilder, sogar nach wie vor auch gemalte, allerdings solche, die unbedingt auch als Ergebnis theoretischer Überlegungen verstanden sein wollen. Er zeigt u.a. eine Installation mit einem Tisch. Auf ihm sind DIN A4 große Farbkopien angeordnet, zum Teil angeschnitten oder geknickt. Sie zeigen jeweils Fotografien der Holzoberfläche des Tisches, wobei auf jeder Kopie eine andere Farbigkeit auszumachen ist. Denn jedem Ausdruck ging die Bearbeitung am PC mit einem anderen Tool voraus. In den JPEG-Dateien, also digital gesehen, bleiben die Informationen gleich, aber als Ausdrucke, erweckt zu analogem Leben, sieht man das Verschiedene. Es sind u.a. diese Möglichkeiten oder die in dem Prozess zu Tage tretende Ambivalenz, die den Künstler interessieren. Im Galeriehaus hat Sturcz drei derartige Installationen sowie mehrere zweiteilige Kleinstinstallationen und einige Gemälde verteilt. Sie spielen mal mehr, mal weniger schlüssig mit den räumlichen Gegebenheiten, und sie entziehen dem Betrachter aufgrund ihres spröden, sperrigen Charakters bisweilen auch den unmittelbaren Zugang.

Sich nun eine geschickte Überleitung zu Dashdemed Sampil auszudenken, wäre verlorene Mühe. Seine Arbeiten sind schlicht eine andere Welt, wenngleich sie ebenfalls viele Rätsel aufgeben. Das liegt unter anderem daran, dass sie für den westlichen Blick vertraute und zugleich fremdartige Elemente beherbergen. Seine Werke bilden ein Zwischenreich von abstrakt und gegenständlich, von komponiert und derangiert. Die Figuren, die seine Bilder bewohnen, verweisen nicht auf den Alltagsmenschen, sondern auf das Kreatürliche. Es sind selbst Wesen zwischen Mensch und Tier und Pflanze. An ihnen manifestiert Sampil keine Eigenschaften, sondern das, was unabänderlich da ist, wie etwa das Instinktive und das Anarchische. Im Galeriehaus zeigt er ausschließlich Arbeiten auf Papier: Zwei großformatige Blätter, in die je eine Figur gesetzt ist, und zwei neue Serien, gehängt in einem großen Block. Die grafisch anmutenden Porträts sind erst auf den zweiten Blick als solche zu erkennen. Es könnten auch Irrgärten aus der Luftperspektive sein. Oder eine Spielerei mit Schablonen. Die mit breiten Tuschfedern akkurat ausgeführten Linien stehen jedoch im Gegensatz zu dem Körperlichen, das unvermittelt aus ihnen hervortritt: Aus den Linien schälen sich seltsam deformierte Physiognomien heraus, die manchmal gar fratzenhaft erscheinen – oder wie erstaunt über sich selbst, oder über die reizvolle, wenn auch ein wenig skurrile Kombination, die sie mit den Arbeiten von Johann Sturcz in diesem Raum bilden.

Bis 30. Juni 2017
DASHDEMED SAMPIL, JOHANN STURCZ:
LICHT, DAS AUF DIE DINGE FÄLLT (TEIL 1)


GALERIEHAUS NORD
Wurzelbauerstr. 29, Nbg
Di/Mi 11-16 Uhr, Do/Fr 11-13 Uhr, So 11-16 Uhr
galeriehaus-nuernberg-nord.de

 




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