You Are Here - Ein Jahr hier

SONNTAG, 16. APRIL 2017, MUZ CLUB

#Interview, #MUZ Club

YAH ist eine interkulturelle Redaktion, bestehend aus Geflüchteten und Einheimischen mit und ohne Migrationshintergrund, die seit 2016 in demokra-tischer Eigenregie die multimediale Website refugees-nuernberg.de betreibt. Als bundesweit erster mehrsprachiger Kulturguide stellt YAH in deutscher, englischer, arabischer, persischer und kurdischer Sprache Nürnberger Kultur- und Bildungseinrichtungen vor ... und noch viel mehr. Im April hat YAH Geburtstag!

Elnaz, mit welcher Intension habt Ihr vor einem Jahr gestartet?

ELNAZ: Wir denken, dass Integration nur beidseitig und am besten durch kulturelle Teilhabe gelingt. Als einheimische Kulturschaffende wollten wir Geflüchteten unsere Offenheit signalisieren und ihnen mit dem Kulturguide dabei helfen, sich so hürdenfrei wie möglich in Nürnberg orientieren zu können. Dass einige von uns durch ihren Migrationshintergrund muttersprachlich aushelfen konnten, war dabei ein sehr großer Vorteil.

Mussten Hürden überwunden werden – oder lief das recht einfach?

ELNAZ: Das Kennenlernen verlief super entspannt und authentisch. Sprachlichen Hürden beugte unser multilinguales Konzept ja gleich vor. Schwieriger war es eher, alle Beteiligten auf ein demokratisches Verständnis von „Kultur“ zu bringen. Manche in unserem Team waren vor unserem Projekt noch nie in ihrem Leben auf einem Livekonzert oder kannten keine „Popkultur“ in unserem westlichen Verständnis. Das gemeinsame Kultur-Erleben war und ist ein sehr spannender Prozess.

Wer macht bei YAH mit? Sucht Ihr noch Leute?

ELNAZ: Unser Team besteht mittlerweile aus über 20 RedakteurInnen, ca. 70% davon befinden sich aktuell im Asylverfahren. Damit sind wir schon sehr an unseren Grenzen – auch räumlich, weswegen wir aktuell einen Aufnahmestopp haben. Wo tatsächlich immer Bedarf besteht, sind Einheimische, die Zeit und Lust haben, Neu-BürgerInnen zu Kulturevents, die wir empfehlen, zu begleiten. Bei Interesse kann man sich gerne bei uns melden!

Welche Vorbildung oder Fähigkeiten sollte man haben?

ELNAZ: Grundsätzliches Kulturinteresse ist natürlich sehr zum Vorteil und fast unentbehrlich für die Mitarbeit in einer Kulturredaktion. Medientechnische Vorerfahrung ist erwünscht, aber nicht vorausgesetzt. Von den einheimischen MultiplikatorInnen wünschen wir uns natürlich Kompetenzen, die sie aktiv ins Projekt einbringen können.

Seid Ihr Mitglieder auch privat in Kontakt, gibt es gemeinsame Aktivitäten?

ELNAZ: Ja, sehr intensiv sogar. Es haben sich Freundschaften entwickelt und es vergeht quasi kein Wochenende, an dem nicht eine Gruppe aus unserem Team auch privat was zusammen unternimmt. Dazu kommt, dass wir Einheimischen mittlerweile auch Bezugspersonen und Familienersatz für einige sind. Zusammen kochen, abhängen, Feiertage feiern, aber auch als seelischer Beistand und zur Anhörung beim Gericht gehen, ist schon ganz selbstverständlicher Alltag.

Was erwartet das YAH-Mitglied: Wie viel Aufwand bedeutet das?

ELNAZ: Wie in jedem anderen Verein kann jeder für sich entscheiden, welchen Zeitaufwand er oder sie für ehrenamtliche Mitarbeit aufbringen will. Da unser Projekt sehr ergebnisorientiert ist, haben wir das Glück, dass unser Team mit einem hohen Anspruch arbeitet und entsprechend viel Zeit investiert. Unsere wöchentliche Redaktionssitzung ist innerhalb der letzten zwölf Monate nur dreimal ausgefallen, das sagt viel aus.

Warum ist Euer Kulturguide so wichtig? Gibt es Alternativen?

ELNAZ: Die Alternative wäre eine höhere Beteiligung von Einheimischen bei der Integration von Neu-Bürgern. Leider sind aber „nur“ circa 10 bis 15% der Gesellschaft ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit tätig und die hauptamtlichen Sozialdienste sind mit der Abdeckung anderer Grundbedürfnisse schon überlastet. Da kommen wir ins Spiel. Wir können bestätigen, dass Integrationsprozesse sich durch muttersprachliche Vermittlung erstmal beschleunigen lassen. Das sehen wir als wichtigen Ansatz, um wenigstens eine der vielen Hürden im Alltag Geflüchteter abzubauen. Entscheidend ist auch, dass YOU ARE HERE maßgeblich und aktiv von Geflüchteten gestaltet wird und so Integration nicht in einer Einbahnstraße passiert.
Gleichzeitig beobachten wir, dass unsere Teilnehmer überdurchschnittlich schnell Deutsch lernen und als wichtige MultiplikatorInnen für andere agieren können.

Wie engagiert Ihr Euch sonst noch?

ELNAZ: Neben der Redaktionsarbeit agieren wir auch als „Kultur-Lotsen“ und begleiten andere Geflüchtete zu Kulturevents, die wir empfehlen. In Zukunft werden wir auch eigene Veranstaltungen initiieren, um mit unserem Verein den persönlichen Austausch zwischen Einheimischen und Neu-BürgerInnen zu fördern. Dazu starten wir bald ein neues Projekt „+1 gesucht!“. Infos folgen bald!

Wie arbeitet Ihr mit der Stadt und anderen Vereinen zusammen?

ELNAZ: Wir stehen natürlich in sehr engem Austausch mit Fachstellen, Sozialdiensten und Einrichtungen der Flüchtlingsarbeit, aber auch mit Ehrenamtlichen und privaten Helferkreisen, für die YOU ARE HERE eine wichtige Netzwerk- und Informationsplattform geworden ist. Vonseiten der Stadt Nürnberg erleben wir referatsübergreifend durchweg positive Rückmeldungen und werden neben Rat und Tat auch finanziell unterstützt, z.B. um unseren eigenen Redaktionsraum am Plärrer finanzieren zu können.

Wie kann man Euch anderweitig unterstützen?

ELNAZ: Wer uns unterstützen will, kann Mitglied in unserem Verein werden und uns so nicht nur durch einen jährlichen Mitgliedbeitrag, sondern auch durch demokratische Mitgestaltung begleiten. Ansonsten freuen wir uns natürlich, wenn man unsere Seite nutzt und weiter empfiehlt – auch Touristen oder „Adidas-Mitarbeiter“ könnten so Nürnberg schneller kennen lernen.  
Am 16. April findet unsere Jubiläums-Party mit  Lena Dobler, Brickwater & his Jens Hold Band, Tigris Dreamers, Saigon Quartett und DJs im MUZclub statt. Alle Eintrittseinnahmen fließen in die Fortführung unserer Arbeit.

www.refugees-nuernberg.de
 

1 JAHR YOU ARE HERE
Sonntag, 16.04.2017 // 15:00h

MUZ CLUB
Fürther Straße 63
90429 Nürnberg
Tel.: 0911 266622
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