Meyers Doppel-De Filmreihe

13. MäRZ 2017 - 17. MäRZ 2017, KOMM KINO



Er war ein Connaisseur für extrem große Oberweiten, ein Lebemann und chauvinistischer Sprücheklopfer, der es liberalen Filmfans nicht gerade leicht macht ihn zu würdigen. Wer Russell Albion „Russ“ Meyer jedoch als bloßen Regisseur von Low-Budget-Sexfilmchen bezeichnet, würde sein Talent und sein Schaffenswerk verkennen. Findet die Filmkritik und auch das Nürnberger KommKino, das ab März eine Werkschau im Doppel-D-Format präsentiert.

Russ Meyer wurde 1922 in Oakland, Kalifornien, als Sohn eines deutschstämmigen Polizisten geboren. Dass der Vater seine Familie noch vor der Geburt des Sohnes verließ, stärkte die Beziehung zu seiner Mutter, die er abgöttisch verehrte, und prägte wohl sein Bild von starken Frauen und schwachen Männern. Zur Legende gehört auch, dass Ernest Hemingway ihm in einem Pariser Bordell eine großbrüstige Prostituierte spendierte, die ihn in die Geheimnisse der Liebe einweihen sollte. Dort war er, weil er im Zweiten Weltkrieg als Soldat im August 1944 bei der Befreiung von Paris mit der Kamera dabei war.

Zurück in den USA arbeitete er als Fotograf, fotografierte Centerfolds für den Playboy und kam so zur Erotik. Nacktfilme wurde damals noch als sog. Nudie Cuties gedreht. Nackte Haut wurde in einer Art Dokumentation gepackt, um so nicht den Zorn der Zensoren hervorzurufen. 1959 gelang ihm der Durchbruch in der Branche mit seinem ersten Nudie  "Der unmoralische Mr. Teas", den Meyer in nur vier Tagen mit einem Freund in der Hauptrolle für knapp 24.000 Dollar realisierte und der mehr als eine Million Dollar einspielte. Seine damalige Ehefrau Eve würdigte er mit der Hauptrolle in „Eve and the Handyman“ (1961).

Meyer gilt als Wegbereiter des Sexploitation-Genres und der sogenannten “Roughies”. Zum Sex kam unverhüllte rüde Aggressivität und Gewalt, gedreht in düsteren Schwarzweißbildern. In „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ (1965) waren erstmals drei selbstbewusste und starke Frauen die Hauptpersonen, die auch nicht davor zurückschreckten mit ihrem Sportwagen einen Rollstuhlfahrer zu überfahren. Ein Tabubruch, genauso wie die Szene der badenden Lorna Maitland in “Lorna”. Diesen Frauentyp behielt er von da an bei. Seine Männerwelt war voll von Dorftrotteln, dauergeilen Sabbergreisen, dümmlichen Halbstarken und schwachsinnigen Muskelmännern. Das brachte ihn sogar den Ruf einer der ersten feministischen Regisseure gewesen zu sein. Seine knallbunten, comichafte Fleischeslust waren satirische Entlarvung der damaligen Gesellschaft. „Beyond the Valley of the Dolls“ (1970) gilt als poppige Satire auf das Medienbusiness und „Black Snake“ (1973) als ernster Beitrag zur exploitativen Welle der Mandingofilme über die Sklaverei in den USA.

Drei seiner Filme wurden in die Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York aufgenommen. Quentin Tarantino erwies Meyer und besonders dessen Film "Faster Pussycat! Kill! Kill!" (dt. Die Satansweiber von Tittfield) in der B-Movie-Hommage "Death Proof" seine Referenz. Meyer wurde auf internationalen Filmfestivals geehrt, seine Arbeit wird in Uni-Seminaren behandelt. Dabei hatte Meyer laut seinen chauvinistischen Sprüchen nie gesellschaftskritische Absichten. Ihm ging es um große Brüste, Frauen und den Profit, der ihm seinen exzessiven Lebenwandel ermöglichte. 2004 starb er im Alter von 82 Jahren in seinem Haus in den Hollywood Hills bei Los Angeles. Auf seinem Grabstein steht "König der Nacktfilme" und "Ich war glücklich, es zu tun"


Donnerstag, 02.03., EVE AND THE HANDYMAN
Freitag, 03.03., LORNA
Montag, 13.03., MUDHONEY
Mittwoch, 15.03., FASTER, PUSSYCAT! KILL! KILL!
Donnerstag, 16.03., COMMON LAW-CABIN
Freitag, 17.03., FINDERS KEEPERS, LOVERS WEEPERS!
Nach der Sommerpause geht es im Herbst weiter.

Alle Film beginnen um 21:15 Uhr, Eintritt 6 Euro


KOMM KINO
Königstraße 9, Nbg
www.kommkino.de


 




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